Wissen und Gesundheit
27.06.2017

PAP-Test: Die Angst vor dem Krebsabstrich

Ein unklarer Befund nach einem Krebsabstrich hinterlässt viele offene Fragen. Was Experten im Umgang mit der Ungewissheit raten.

Der Krebsabstrich am Gebärmutterhals stellt die wichtigste Methode zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs dar. In Österreich wird Frauen seit den 1970er-Jahren der zytologische Abstrich, der PAP-Test, empfohlen. Bei dieser Untersuchung geht es darum, Zellveränderungen am Gebärmutterhals zu diagnostizieren. So können Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs behandelt werden.

Bei der Bewertung des Abstrichs im Labor wird eine Einteilung in fünf Grade getroffen. Gruppe I und II gelten als unbedenklich, die Gruppen IV und V diagnostizieren entartetes Gewebe bis hin zu Gebärmutterhalskrebs. Dazwischen liegen die Stufen III und IIID – dabei handelt es sich um einen unklaren Abstrich, der leichte bis ausgeprägte entzündliche Veränderungen belegt. Liegt ein PAP-Befund der Stufe IV vor, wird eine Biopsie angeordnet, bei der Gewebematerial entnommen wird. Handelt es sich um entartetes Gewebe, wird ambulant ein kleiner Gewebekegel aus dem Gebärmutterhals entnommen. Die Bildung eines Karzinoms kann so verhindert werden. Ein Befund der Stufe V bedeutet, dass Zellen von Gebärmutterhalskrebs vorhanden sind. Bei einer Kürettage wird das Gewebe durch Ausschabung entfernt.

14 Prozent aller Österreicherinnen waren bei einem Krebsabstrich schon einmal mit dem unklaren Zervixabstrich III und IIID konfrontiert. Bei der Befundbesprechung werden Patientinnen dazu angehalten, den Abstrich in drei bis sechs Monaten zu wiederholen, da sich die Zellveränderungen in vielen Fällen von selbst zurückbilden. Grund für die Zellveränderungen am Muttermund sind in den allermeisten Fällen HPV-Viren, die beim Geschlechtsverkehr über das Ejakulat des Mannes übertragen werden. Ein Teil der Viren wird im Laufe der Zeit vom Immunsystem unschädlich gemacht. Ist das nicht der Fall, treten Zellveränderungen, also Entzündungen, auf.

Befund löst Angst aus

Für viele Frauen beginnt nach der Befundbesprechung dennoch eine Phase der Ungewissheit, wie Univ.-Prof. Johannes Huber, Gynäkologe und Hormonspezialist, erklärt: "Es treten Ängste auf und man macht sich vermehrt Gedanken über die eigene Gesundheit." Für Betroffene sei in erster Linie wichtig zu wissen, "dass bei der Diagnose PAP III oder PAP IIID keine Gefahr im Verzug ist." Das bestätigt auch die Gesundheits- und Pflegewissenschafterin Marlene Schader: "Man hat Zeit die Diagnose abzuklären oder eine zweite Meinung einzuholen." Wesentlich sei Schader zufolge, dass man umfassend informiert wird.

"Das Fehlen von Information führt dazu, dass Frauen bei der Benachrichtigung über eine Zellveränderung glauben, sie hätten Krebs. Wird Patientinnen mit Sensibilität begegnet und finden die Gespräche mit dem Arzt auf Augenhöhe statt, ist das bereits viel wert", betont Schader, die als Beraterin im Frauengesundheitszentrum Graz tätig ist.

Aktiv werden

Trotz umfassender Information verspüren viele Frauen den Drang, aktiv etwas zu tun, um ihren Zustand zu verbessern. Experten empfehlen immunstärkende Maßnahmen, die die Rückbildung von Zellveränderungen fördern können. Sport, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sind ratsam. Bis zum erneuten Abstrich sollte man mit Kondom zu verhüten. Vaginalgels oder Salben aus dem Extrakt des Grünen Tees können außerdem zur Verbesserung des Ausgangsbefundes beitragen.

Der Hersteller Gynial bietet beispielsweise ein Gel mit Selen an, welches zur Förderung der Remission beitragen kann. In einer Studie, die vom Hersteller in Auftrag gegeben wurde, zeigte sich, dass bei 77 Prozent der Patientinnen mit dem Ausgangsbefund PAP III und bei 71 Prozent der Patientinnen mit dem Befund PAP IIID nach einer Behandlung mit dem Gel nach drei bis vier Monaten eine Besserung beobachtet werden konnte. Laut Univ.-Prof. Andreas Widschwendter von der Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Innsbruck sind von diversen Herstellern vermarktete Produkte zur Befundverbesserung immer mit Vorsicht zu genießen: "Es gibt keine unabhängigen Untersuchungen die zeigen konnten, dass bestimmte Diäten, Vitamine, Verhaltensweisen oder komplementärmedizinische Maßnahmen die Remission positiv beeinflussen."

Schader, die aus ihrer Arbeit im Gesundheitszentrum weiß, dass PAP-Befunde ein großes Thema für Frauen sind, betont: "Es gibt keine Besserung auf Rezept. Wichtig ist, dass sich die Frau wohlfühlt. Eine positive Einstellung, Ruhe und Unterstützung aus dem Umfeld machen oft den Unterschied." Meist könne die Situation auch Anstoß dafür sein, Veränderungen im Leben vorzunehmen, Stress zu vermeiden und den Fokus auf den eigenen Körper zu legen.