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Wellness
01/17/2019

Erstmals wissenschaftlich untersucht: Was Klo-Hocker wirklich bringen

Ein Schemel vor der Schüssel soll den Stuhlgang erleichtern. Forscher haben sich angesehen, ob dem wirklich so ist.

Vor drei Jahren sorgte ein besonderer Schemel für Schlagzeilen: Der Squatty Potty, so der Name des Produkts, war für das stille Örtchen designt worden. Es handelte es sich also um einen Toilettenhocker, der den Stuhlgang erleichtern soll.

Frage der Haltung

In unseren Breiten sind es die Menschen gewohnt, in einer aufrechten Haltung auf der Toilette zu sitzen: Oberkörper ziemlich senkrecht und die Beine um circa 90 Grad abgewinkelt. Allerdings sind in unserer Gesellschaft auch Erkrankungen des Darms keine Seltenheit.

Hersteller von Toilettenhockern raten zu einer anderen Haltung: Man solle die Füße erhöht auf einem ungefähr 20 Zentimeter hohen Schemel aufsetzen und gleichzeitig den Oberkörper etwas nach vorne lehnen, sodass der Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel nur ungefähr 35 Grad beträgt. Dies könne Krankheiten und Beschwerden, etwa Hämorriden, Blähungen oder Darmentzündungen bis hin zu Polypen und Darmkrebs, vorbeugen.

So lauten jedenfalls die Werbeversprechen. Aber stimmt das auch?

Studie zu Squatty Pottys

US-Forscher haben sich dieser Frage nun gewidmet – und die erste Studie zu Squatty Pottys durchgeführt.

"Wenn man als Gastroenterologe auf einer Party oder bei der Familie ist, sprechen einen die Leute ständig darauf an", schildert Peter Stanich, Mitautor der Studie und Professor für Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung an der Ohio State University, im Interview mit dem Magazin Time die Relevanz seines Forschungsvorhabens mit einem Augenzwinkern.

Zusammen mit seinem Team rekrutierte er 52 Patienten des Ohio State Medical Center und ihre Partner (Durchschnittsalter 29 Jahre). In einem ersten Schritt wurden die Toilettengewohnheiten der Personen mittels Fragebogen erhoben. Auch ein detailliertes, zweiwöchiges Protokoll jedes Stuhlganges musste von den Teilnehmern angefertigt und eingereicht werden. Obwohl alle Probanden mehr oder weniger gesund waren, berichteten sie über Probleme beim Stuhlgang – etwa Anstrengung, Blut im Stuhl, unvollständige Entleerung oder Verstopfung.

In einem zweiten Schritt statteten die Wissenschafter alle Probanden mit einem Squatty Potty aus. Das Unternehmen stellte Produkte für die Studie zur Verfügung, finanzierte die Studie aber nicht.

Die Menschen protokollierten weitere zwei Wochen lang ihren Stuhlgang und führten dann eine Umfrage zu ihren Erfahrungen durch.

Eindeutige Ergebnisse

In der Analyse der Daten zeigte sich: Bei den etwa 1000 protokollierten Stuhlgängen berichteten 90 Prozent, dass das Verwenden des Hockers die Anstrengungen gemindert habe. 71 Prozent der Schemel-Nutzer gaben auch an, einen schnelleren Stuhlgang zu haben. Nur wenige Teilnehmer berichteten über ein Gefühl einer unvollständigen Entleerung nach dem Toilettengang.

Der Effekt war bei Männern und Probanden, die zu Beginn der Studie über einen problematischen Stuhlgang berichtet hatten, besonders ausgeprägt. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer gaben an, den Hocker auch in Zukunft weiter verwenden zu wollen.

Die Ergebnisse würden jedenfalls bestätigen, dass Hocken der Darmentleerung zuträglich ist, sagt Stanich: "Vom Rektum bis zum After gibt es eine Art Biegung und das Hocken hilft diese zu begradigen."