Ardalan Afshar, besser bekannt als Nazar.

© KURIER/Gilbert Novy

Kurzinterview
04/30/2016

Nazar: "Hofer-Wähler nicht als dumm abstempeln"

Der österreichische Rapper ist vom Ergebnis der Bundespräsidentenwahl nicht überrascht.

von Christina Michlits

Spätestens seit Rapper Nazar H.C. Strache als "Hurensohn" bezeichnet und sich damit eine Klage eingehandelt hat, ist klar, dass der Musiker kein großer Fan der FPÖ ist.

Nazar (31) hat am Bundespräsidenten-Wahltag das Foto eines Stimmzettels auf seiner Facebookseite veröffentlicht - der Stift daneben zeigt auf den Namen Alexander van der Bellen. Ein Wahlvorschlag des Rappers?

"Nein, das nicht unbedingt. Es ging mir einfach darum, zu erinnern, dass man wählen gehen sollte. Vor allem wenn einem klar ist, dass es Länder gibt, in denen das nicht möglich ist oder in denen Wahlen nicht fair abgehalten werden. Ich kenne viele junge Leute, die nicht wählen gehen und sich dann aber über alle politischen Entscheidungen beschweren. Jeder soll seine Stimme auch nützen."

KURIER: Sie sind ein prominenter Gegner der FPÖ. Nun hat aber der Freiheitliche Norbert Hofer die Wahl überraschend hoch gewonnen. Was sagen Sie zum Wahlergebnis?

Nazar: Mich hat das überhaupt nicht überrascht. Ich glaube, dass Hofer wirklich Präsident werden könnte. Ich wohne in Favoriten, da hast du die Stimmung der Leute schon vorher mitbekommen. Alle hier radikalisieren sich. Die einen werden rechter und ausländerfeindlicher und die anderen werden auch extremer und sympathisieren mit dem IS, was ich wirklich total bescheuert finde. Typen, die ich von früher kannte, sind nach Syrien gegangen oder wollen nichts mit mir zu tun haben, weil ich nicht das Gleiche denke wie sie.

Autor

Thomas Glavinic unterstellen 'selbstgefälligen' Linken, dass sie zu sehr gegen Hofer-Wähler hetzen
. Sie sprechen sich öffentlich gegen die FPÖ aus, können Sie diese Kritik verstehen?

Ja, man sollte Hofer-Wähler keinesfalls als dumm abstempeln, wie viele Kritiker das derzeit machen. Die Analysen sagen zwar, dass seine Wähler im Vergleich zu den anderen Parteien eher ungebildete Leute sind - ungebildet hat aber nichts mit dumm zu tun. Die Menschen haben Angst, sind unsicher und die FPÖ gibt eben einfache Antworten. Das können die Typen, die in Wien im sechsten und siebenten Bezirk leben vielleicht nicht so gut verstehen, weil sie in ihrer heilen Welt ohne große Sorgen leben. Aber in Favoriten gibt's genug richtig arme Menschen, die keine Zukunft für sich sehen. Ich glaube, die Wähler haben nicht nur für Hofer gestimmt, sondern vor allem gegen die alteingesessenen Parteien und den Stillstand. Und das kann ich verstehen. Hofer gibt sich noch dazu sehr charmant. Aber ich habe schon viel von Alexander van der Bellen gehalten als er noch aktiver Politiker war. Ich finde ihn gut.

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