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Sport
07/27/2021

Judo-Trainerin Bönisch: "Ein ganz besonderer Moment für Sabrina"

Bönisch spricht im Interview über ihre jahrelange Freundschaft mit Sabrina Filzmoser und die Arbeit als Judo-Trainerin.

von Silvana Strieder

Ehrfürchtig und erschöpft kniet Sabrina Filzmoser auf der Trainingsmatte des heiligen Tempels Nippon Budokan, im Herzen Tokios. Genau hier begann 1997 beim ersten Trainingslager ihre lange, erfolgreiche Judo-Karriere, die sie gestern – 24 Jahre später – beendete.

Langjährige Weggefährten, Judoka und Betreuer füllten zur großen Überraschung die sonst leeren Ränge der Halle, um ihr ein letztes Mal die Ehre zu erweisen.

Für eine Olympia-Medaille hat es auch beim vierten Anlauf nicht gereicht, doch "im Budokan noch einmal um Olympische Spiele zu kämpfen, das war einfach so ein großes Ziel und ein Traum von mir", sagte die 41-jährige Oberösterreicherin.

Mit den Tränen kämpfte auch Yvonne Bönisch, die sie nach ihrem letzten internationalen Auftritt in die Arme schloss. "Es war ein ganz besonderer Moment für Sabrina. Selbst, wenn es einer mit einer Niederlage ist. Ein schöner Moment, aber genauso ein trauriger Moment", sagt Österreichs Judo-Nationaltrainerin. Sie weiß, wie es ist, sich von der aktiven Sportwelt zu verabschieden und andere Wege zu gehen.

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KURIER: Wie war es, Ihre langjährige Gegnerin Sabrina Filzmoser zu trainieren?

Yvonne Bönisch: Sie ist eine sehr gute Freundin von mir. Natürlich gibt’s da Situationen, wo es mir schwerfällt auch mal auf den Tisch zu hauen. Sie akzeptiert aber meine Meinung, auch wenn die manchmal nicht ihrer entspricht. Was normal ist in Sportler-Trainer-Beziehungen. Aber es war für mich eine tolle Sache, sie da auf ihrem letzten Weg, zu ihrem letzten Höhepunkt begleitet, ganz nahe dabei gewesen und sie unterstützt zu haben.

Können Sie überhaupt auf den Tisch hauen, wenn die Athleten Sie so lange als Kollegin und Freundin sahen? Die Geheimnisse darf ich jetzt nicht verraten (lacht). Es ist einfach so, wir haben Athleten, die wollen 100 Prozent aber trotzdem brauchen sie ab und zu auch mal einen Push von hinten und ein paar harte Worte. Es gehört auch ein bisschen Manipulation dazu, um die richtigen Worte im richtigen Moment zu treffen, um die Athleten in die richtige Richtung zu pushen.

Sie sind selbst Olympiasiegerin. Wie ist es, jetzt als Trainerin dabei zu sein?

Es ist komplett anders! Ich bin überrascht, dass ich mittlerweile auch schon nervös bin, so wie ich es als Athletin auch war. Aber es ist natürlich eine andere Nervosität und es hilft mir sehr, dass ich zweimal bei den Spielen teilgenommen habe. Einmal als junges Küken, wo ich überraschend gewonnen habe, und beim zweiten Mal, als ich den Erwartungen nicht gerecht wurde. Es war aber ein ganz wichtiger Punkt, dass ich beide Erfahrungen gemacht habe und dementsprechend auf die Athleten gut eingehen kann.

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Gibt es Momente, wo Sie sich denken: jetzt verstehe ich meinen Trainer viel besser?

Da gibt’s viele Situationen, definitiv! Ich glaube, in dem halben Jahr seitdem ich jetzt in Österreich als Head-Coach arbeite, habe ich ein paar graue Haare mehr bekommen (lacht).

Sie haben in Deutschland eine dreijährige Trainerausbildung gemacht. Warum sind Sie dann nach Israel und Österreich?

Nachdem ich meine eigene Karriere beendet hab, habe ich meinen Diplomtrainer und noch ein Sportmanagement-Studium gemacht. Der deutsche Judobund hat nie so richtig angeklopft. Sicherlich war’s keine einfache Entscheidung, meine Heimat zu verlassen, aber es war als Herausforderung und Entwicklung in meiner Trainertätigkeit wichtig. In Österreich bekam ich die Chance, Head-Coach für Männlein und Weiblein zu werden, das kriegt man nicht so häufig. Ich bin mit dem österreichischen Judoverband schon lange verbunden, freundschaftlich mit Lupo (Paischer; Anm.) und Sabrina, und hab gesehen, dass sich da etwas verändert und sie den Leistungssport Judo in Österreich und weltweit voranbringen wollen.

Haben Sie schon herausgefunden, was einen guten Olympia-Trainer ausmacht?

Er sollte Ruhe ausstrahlen. Es kribbelt bei mir auch schon. Aber das darf man natürlich gerade am Wettkampftag oder in der Vorbereitung niemanden spüren lassen. Mir kommt’s zugute, dass ich als Athlet schon dabei war. Sicherlich gibt’s erfahrenere Trainer, aber ich sehe es jetzt nicht als große Hürde. Ich versuche den Athleten einfach die Sicherheit und das Vertrauen zugeben, dass wir das packen.

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