Olympic Games 2016 Judo

© EPA / ORLANDO BARRIA

Sport
07/14/2021

Die Spitzen-Judoka Sabrina Filzmoser hat alles im Griff

Filzmoser hofft auf eine Olympia-Medaille und hilft mit Entwicklungsprojekten benachteiligten Menschen in Nepal und Bhutan.

von Silvana Strieder

"Welcher ist jetzt noch einmal mein Koffer?!" Das Marriott-Hotel ist an diesem Tag übersät von großen grauen Reisekoffern, gefüllt mit Trainingsbekleidung, Schuhen... und allem, was ein Olympionike für einen Einsatz in Japan brauchen könnte. Irgendwo im Getümmel steht auch der vollgepackte Reisekoffer der 41-jährigen Judoka Sabrina Filzmoser. Nach zehn Minuten kommt die Oberösterreicherin von einer erfolgreichen Suche zurück. Die Olympia-Einkleidung und die Spiele werden scheinbar selbst beim vierten Mal nicht zur Routine. Da stellt sich natürlich die Frage, was mit all den Koffern und Utensilien solcher Großereignisse passiert?

"Von den letzten drei Spielen besitze ich fast nichts mehr", sagt Filzmoser und erklärt, dass alles an mehrere Entwicklungsprojekte von ihr zum Beispiel in Nepal oder Bhutan geht.

Lebensphilosophie

"Du siehst die strahlenden Augen der Menschen, die sich über unsere wenig gebrauchten Sachen freuen und das bekommt einen ganz anderen Sinn. Du weißt genau, die haben eine Verwendung dafür. Seit meinem ersten Nepal-Besuch 2005 tue ich das und es macht mir sehr viel Spaß".

Damals hat Filzmoser nach einer ihrer zahlreichen Bergtouren Hab und Gut vor dem Rückflug den Einheimischen geschenkt. Weil die Freude und Dankbarkeit so überwältigend waren, entstand daraus eine persönliche Mission. "Angefangen hat das richtige Sammeln und hinbringen dann mit der Zusammenarbeit mit dem nepalesischen Verband, mit "Judo for Peace" und jetzt auch mit der IJF (International Judo Federation)".

Auch Kollegen und Sportler aus anderen Disziplinen machen bei ihren Projekten bereits mit. "Es werden immer mehr! In der Zwischenzeit habe ich echt schon oft ein logistisches Problem". Während der Pandemie waren die Flughäfen dort gesperrt und das Senden der Spenden sehr teuer. Auch mit dem bis zu 300 kg schweren Übergepäck kommt es bei Zwischenstopps oder am Zoll regelmäßig zu heißen Diskussionen.

Mindestens zweimal im Jahr fliegt Filzmoser in diese Länder und besucht dort Waisenhäuser, ihr Everest-Judo-Projekt oder geht in verschiedene Schulen, wo sie den Kindern Judo lehrt, bzw. die Technik verbessert.

Freizeitstress

Das Reisen verbindet sie immer mit ihren Bergsteigervisionen oder Mountainbike-Rennen, wie dem berühmten "Tour of the Dragons" im Himalaya. Mit 254 km ist es das längste und höchstgelegene Mountainbike-Rennen der Welt – 2016 stand Filzmoser ganz oben auf dem Siegespodest!

Ein großes Problem in Nepal ist die medizinische Versorgung. Judo-Sportler und selbst das Nationalteam sind dort nicht versichert und müssen im Training immer aufpassen, dass sie sich nicht verletzen, da sie sich die Versorgung im Krankenhaus nicht leisten können. "Das ist unvorstellbar für uns", sagt Filzmoser und erzählt von einem Athleten, dem sie wieder auf die Beine geholfen hat. Bei der Vorbereitung auf ein großes Turnier riss er sich das Kreuzband und hatte kein Geld für die Operation. Heute trainiert er Waisenkinder in Kathmandu. "Das sind so schöne Geschichten, die einfach entstehen und deshalb hab ich da so eine Verbindung dazu".

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Herzensangelegenheit

Filzmoser trainiert seit Jahren auch Soniya Bhatta (-48 kg) und Ngawang Namgyel (-60 kg), die aufgrund ihrer Leistungen eine IOC-Wildcard für Tokio erhalten haben. "Namgyel ist überhaupt der erste Judoka aus Bhutan, der es zu den Olympischen Spielen geschafft hat. Ich freue mich schon irrsinnig, beide im olympischen Dorf wiederzusehen. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes!"

Ob sie sich vorstellen könnte, ihre Projekte später einmal hauptberuflich zu machen? "Im Moment bin ich noch zu sehr Athletin, um darüber nachzudenken!", lacht die 41-Jährige.

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