Vor dem Slalom der Herren: Wer rettet die Medaillenbilanz des ÖSV?

Start um 10 Uhr: Vor dem Slalom hält das österreichische Herren-Team erst bei einer Medaille. Manuel Feller sieht sich nicht in der Verantwortung, die Skination zu retten.
Manuel Feller ist die große ÖSV-Hoffnung im Slalom

Manuel Feller ist inzwischen viel zu lange dabei, als dass er sich noch groß um den Medaillenspiegel scheren würde. Das Wehklagen und zetern über die missliche Lage der Skination überlässt er anderen, der Routinier hält sich da lieber an die Fakten und die Dinge, die er selbst in der Hand hat, also in seinen Slalombeinen.

„Ich würde nicht sagen, dass es mir wurscht ist, dass wir erst eine Medaille geholt haben“, sagt Feller vor dem heutigen Slalom (10/13.30 Uhr). „Aber das ändert jetzt nichts an meiner Situation und Herangehensweise.“

Speziell

Wer möchte sich denn auch schon freiwillig diesen immensen Druck aufbürden, unter dem das gesamte ÖSV-Skiteam vor den beiden abschließenden Slalomrennen steht?

Manuel Feller gewann mit Vincent Kriechmayr Silber in der Team-Kombination

Manuel Feller gewann mit Vincent Kriechmayr Silber in der Team-Kombination

Drei Medaillen in acht Bewerben sind eine mickrige Ausbeute für einen Verband, der so einen enormen Aufwand betreibt, wie es der ÖSV tut. 

„Dass Österreich von uns Medaillen will und es auch für den Verband gut wäre, ist uns allen bewusst“, versichert Manuel Feller. „Aber wenn dich das beeinflusst, dann hast du eh schon verloren.“

Immer unter Zugzwang

Außerdem ist die Ausgangslage für einen Slalomläufer bei Großereignissen sowieso jedes Mal aufs Neue speziell, wie der 33-Jährige aus seiner Erfahrung von unzähligen Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen weiß. 

„Als Slalomläufer stehst du immer unter Druck: Wenn die Speedläufer richtig performen, dann müssen wir nachziehen. Und wenn Medaillen fehlen, dann sollen wir die Kohlen aus dem Feuer holen.“

Abgeklärt

Man nimmt Manuel Feller diese Abgeklärtheit auch ab. Der erfahrene Tiroler hat, wenn man so will, von allen vier österreichischen Slalomläufern noch die angenehmste Ausgangsposition: Einerseits hat er bei diesen Winterspielen bereits eine Medaille gewonnen (Silber mit Vincent Kriechmayr in der Team-Kombi).

Andererseits ist es ihm erst vor wenigen Wochen gelungen, sich einen großen Lebenstraum zu erfüllen. Den emotionalen Sieg beim Heimslalom am Ganslernhang in Kitzbühel stellt Feller über all seine bisherigen Erfolge in seiner Karriere. 

„Aber deswegen denke ich mir hier trotzdem nicht am Start: ,Ich hab’ eh schon Kitzbühel gewonnen.’“

Konkurrenzfähig

Vielmehr geben ihm gerade diese beiden Erlebnisse die Zuversicht, dass er mittlerweile wieder konkurrenzfähig ist und um die Podestplätze mitkämpfen kann. Das war gerade in den ersten Saisonrennen nicht so, als Feller von privaten und körperlichen Sorgen ausgebremst worden war. 

„Es ist schön, zu wissen, dass ich auf dieser Piste schnell sein kann und dass auch mein Material funktioniert“, sagt Manuel Feller.

OLYMPIA 2026: SKI ALPIN/TEAMKOMBINATION-SLALOM MÄNNER: MATT (AUT)

Michael Matt kommt mit der Stelvio-Piste gut zurecht

Es ist dann auch keineswegs ein Nachteil, dass die österreichischen Medaillenhoffnungen heute nicht ausschließlich auf ihm ruhen. 

Nach einem eher vermurksten Winter hatten die ÖSV-Slalomläufer vor einer Woche in der Team-Kombi mit starken Zeiten verblüfft und auf dem teils flachen Hang etliche Stars deutlich hinter sich gelassen.

Bei der Frage nach den Geheimfavoriten war dieser Tage auffällig oft der Name Michael Matt zu hören. Der erfahrene Flirscher, 2018 Olympiadritter im Slalom, sieht sich selbst auf der Überholspur. 

„Das Schnellfahren funktioniert wieder.“ Sein Erfolgsrezept für eine Medaille klingt vergleichsweise simpel: „Man muss die Geräte fahren lassen und die Kontrolle aufgeben.“

Na dann.

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