Flock und ihr Gold-Partner: "Wir haben aus den Olympia-Fehlern gelernt"
Olympiasiegerin Flock
Janine Flock hatte schon ihre erste Nacht als Olympiasiegerin verbracht, als sie beim Frühstück endlich ihrem Freund, Medaillenschmied und Lebensmensch in die Arme fallen konnte. Matthias Guggenberger hatte bis 3 Uhr Früh an den Schlitten der englischen Skeletonpiloten herumgewerkelt und dabei waren seine Gedanken immer wieder zu Janine Flock abgedriftet.
Nicht nur einmal erinnerte er sich an die frostigen Zeiten, die beide durchleben mussten. „Es ist fast kitschig, wie es jetzt gekommen ist“, meinte der 41-Jährige.
Matthias Guggenbichler
Sein Schützling Matt Weston, den Guggenberger seit drei Jahren als britischer Teamchef betreut, raste souverän zu Olympiagold.
Seine Freundin Janine Flock, der er mit Rat und Tat zur Seite steht, erfüllte sich, spät aber doch, mit dem Olympiasieg ihren Lebenstraum.
Große Lockerheit
„Ich habe loslassen und es richtig genießen können“, betonte die 36-jährige Rumerin nach ihrer Triumphfahrt, die eine der größten Karrieren im Skeletonsport abrundet.
In der Vergangenheit hatte sich Flock bei Großereignissen nicht immer so ungezwungen und souverän präsentiert.
„2022 sind wir mit einer ähnlichen Ausgangsposition nach Peking gekommen. Aber damals haben wir viel falsch gemacht“, erinnert sich Trainer-Freund Guggenberger.
Flock und Guggenberger hatten sich so auf Olympia versteift, dass dort die Nerven mit dem Skeletonstar Schlitten fuhren. Das Duo wollte alles perfekt machen und nichts dem Zufall überlassen – und wurde ein Opfer der eigenen Ansprüche.
„Damals hat einfach die Menschlichkeit gefehlt“, erinnert sich Matthias Guggenberger. Auch die Beziehung wurde damals auf eine harte Probe gestellt. „Wir hätten eigentlich aufgeben müssen nach allem, was passiert ist.“
Doch die Sehnsucht nach der Olympia-Medaille war am Ende größer als die Angst vor einer weiteren olympischen Enttäuschung. Dazu erwies sich die mehrspurige Kooperation zwischen Janine Flock und dem Österreichischen Verband und Matthias Guggenberger und den Briten als Erfolgsmodell.
Matthias Guggenbichler
Großer Tüftler
In einer kleinen Kellerwerkstatt in Tirol entwickelte der Tüftler Guggenberger die Schlitten, mit denen seine Schützlinge den Konkurrenten in Cortina um die Ohren fuhren. „Für Janine war es extrem wichtig, dass Matt Weston hier mit großem Vorsprung Olympiagold geholt hat“, erzählt Guggenberger, „so hat sie gewusst, dass das Material perfekt läuft. Sie fährt das gleiche Modell.“
Im Rennen schaltete Janine Flock dann den Autopiloten ein. Die 36-Jährige vertraute diesmal ihren Instinkten und ihrer Erfahrung und zermarterte sich nicht wie früher den Kopf. Mit dieser Devise fuhr es sich leichter. „Wir haben aus den Fehlern der letzten Spiele gelernt.“
Und jetzt? War Cortina 2026 der goldene Abschluss einer glänzenden Laufbahn? „Wir brauchen einmal Zeit für uns“, sagt Matthias Guggenberger.
Nachsatz: „Aber wer sagt denn, dass man so was nicht zwei Mal schaffen kann?“
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