Janine Flock: Mit Lockerheit zur ersten Olympia-Medaille

Janine Flock (36) will im vierten Anlauf mit den Winterspielen endlich Frieden schließen.
Zuversichtlich: Janine Flock startet die Medaillenjagd.

Janine Flock hat 36 Jahre alt werden müssen, um für sich festzustellen, dass Olympia nichts weiter als ein Rennen wie jedes andere ist. Für diese Erkenntnis musste die Skeletonpilotin bei ihren bisherigen drei Auftritten bei Winterspielen einige bittere Erfahrungen machen. „Man hört ja immer nur Olympia, Olympia, Olympia und glaubt dann wirklich, dass nichts anderes mehr zählt“, sagt Flock, „dabei ist doch viel wichtiger, was in den vier Jahren zwischen den Spielen passiert.“

Vor ihren vierten und letzten Winterspielen in Cortina d’Ampezzo hat sich die Grande Dame des Skeletonsports geschworen, sich „nicht mehr narrisch machen zu lassen.“ Von der Hysterie, die viele rund Olympia befällt, will sich Janine Flock nicht mehr wie früher anstecken lassen. Mit 36 fühlt sie sich nun gerüstet für diese Herausforderung und die erste Olympia-Medaille. „Das Lässige ist, dass ich mich als Athletin weiterentwickelt und viel dazugelernt habe“, sagt die erfahrene Tirolerin vor den ersten beiden Wertungsläufen heute in Cortina. „2018 hat mich alles noch völlig überfordert.“

Das Frusterlebnis bei den Winterspielen 2018 in Korea hatte bei Janine Flock lange nachgewirkt. Als Führende war die Rumerin damals in den vierten Lauf gegangen, mit Blech musste sie abreisen. „Natürlich hat das bei mir Spuren hinterlassen.“

Nach dem vierten Platz 2018 wollte Flock es vor vier Jahren in Peking mit der Brechstange erzwingen und scheiterte kläglich. Daraus hat die erfahrene Tirolerin ihre Lehren gezogen: Flock macht jetzt nicht mehr alles nur an den Winterspielen fest, sie weiß, dass ihre Karriere auch ohne olympisches Edelmetall genug Glanz hat.

Draufgabe

Immerhin ist die 36-Jährige dreifache Gesamtweltcupsiegerin und kann heute so viele Podestplätze vorweisen wie keine andere Skeletonpilotin. „Alles, was kommt, ist eine Draufgabe. Ich genieße es im Moment richtig.“

Der Eiskanal in Cortina hat es der Tirolerin angetan. Nachdem sie anfänglich mit der neuen Bahn noch gefremdelt hatte, zeigte Janine Flock in den letzten Trainingsläufen mit den Rängen 1, 2 und 3 auf. „Ich habe ein paar Läufe gebraucht, um hier wirklich meine Linie zu finden. Anfangs habe ich nicht auf mein Gefühl gehört, dann aber bewusst umgestellt – ab dem Moment ist der Rhythmus gekommen.“

Weniger gut erging es den beiden männlichen Teamkollegen, die am Donnerstag die ersten beiden Läufe absolvierten. Europameister Samuel Maier, der mit der Olympiabahn von Cortina nicht wirklich zurechtkommt, liegt zur Halbzeit lediglich an der 14. Stelle und hat schon zwei Sekunden Rückstand. Florian Auer findet sich an der 18. Position.

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