Olympiasieger Hämmerle: "Wir haben uns vor dem Finale umarmt"
Hämmerle jubelte über Gold, Dusek über Bronze.
Wenn Alessandro Hämmerle gefragt wird, ob ihn an seinem ersten Olympiasieg etwas gestört hat, dann antwortet er häufig: „Das ganze Drumherum.“ So intensiv vor vier Jahren in Peking seine Glücksgefühle auch gewesen sein mögen, so mitreißend und dramatisch der Finallauf im Snowboardcross auch war – für Alessandro Hämmerle fühlte sich der größte Erfolg seiner Karriere nur als halbe Sache an.
Weil er mitten in der Coronapandemie sein Siegerlächeln hinter einer Maske verstecken musste, seinen Emotionen nicht freien Lauf lassen konnte und diesen goldenen Moment nicht mit seinen Allerliebsten teilen durfte.
Große Emotionen
Vier Jahre später konnte der 32-Jährige seinen zweiten Olympiasieg voll auskosten. In mehreren Bussen waren Freunde und Verwandte aus dem Montafon nach Livigno gereist, um Hämmerle dabei zuzusehen, wie er abermals zur Goldmedaille im Snowboardcross raste. „Genau davon habe ich immer schon geträumt. Dass mir alle zuschauen können. Es ist unbeschreiblich, so belohnt zu werden“, sagte ein sichtlich emotionaler Hämmerle.
Schon allein deshalb hat die zweite Goldmedaille für ihn einen besonderen Glanz. Dass dann neben ihm mit Jakob Dusek noch ein weiterer Österreicher auf dem Olympia-Stockerl stand, lässt dieses rot-weiß-rote Snowboard-Märchen fast schon kitschig erscheinen. „Ich bin so happy, dass das geklappt hat“, strahlte Dusek nach dem Gewinn der Bronzemedaille. „In den letzten Jahren waren schon öfter zwei Österreicher bei einem Großereignis im Finale, aber nie haben es beide unter die ersten drei geschafft.“
Das Zielfoto: Hämmerle (re.) schnappte sich auf den letzten Metern Rang eins, Jakob Dusek (Gelbes Trikot) rutschte auf den dritten Rang
Perfekte Strategie
Im entscheidenden Lauf in Livigno zeigten Hämmerle und Dusek dann eine strategische Meisterleistung. Sie hatten gelernt aus der Panne von der WM 2025, als sich die beiden auf dem Weg zum Sieg in die Quere gekommen waren und Gold und Silber am Ende an die Konkurrenz ging.
„Wir haben uns vor dem Finale umarmt und uns geschworen, dass wir es diesmal besser machen“, erzählt Alessandro Hämmerle.
Im Finale hielten sich die zwei Österreicher lange bewusst zurück und setzten auf die Kraft des Windschattens. Erst auf den letzten Metern zog Hämmerle an Eliot Grondin (CAN) vorbei, den er schon 2022 in Peking im Kampf um Gold um eine Hundertstelsekunde distanziert hatte. Diesmal war der Vorarlberger nur ungleich schneller. Der Niederösterreicher Dusek wiederum überholte am letzten Drücker den Franzosen Aidan Chollet und bescherte dem ÖSV-Snowboard-Team bereits die vierte Medaille bei diesen Winterspielen.
Dabei war es keineswegs selbstverständlich, dass die beiden Österreicher überhaupt bei Olympia am Start stehen. Dusek hatte sich erst im Herbst einen Kreuzbandriss zugezogen und kam erst spät in Fahrt. Hämmerle wiederum wurde in den letzten Jahren von gesundheitlichen Problemen geplagt und war auch gestern angeschlagen. „Ich war so lasch, dass ich mich gefragt habe: ,Wie soll das nur gut gehen?’, sagt er. „Aber dann ist alles fast wie von selbst gegangen.“
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