Wunderbare Welt des Sports: Von Pisten-Pelés und Polar-Beckhams

Der halbe Brasilianer Braathen schaffte Sporthistorisches für das Land seiner Mama. Seine Wiege stand aber in Norwegen. In einem Land, das extrem erfolgreich ist. Die Gründe.
Wolfgang Winheim
Pistenzauberer: Lucas Pinheiro Braathen

Der halbe Holländer Marcel Hirscher erlebte daheim im Salzburger Lammertal vorm Bildschirm am Ergometer radelnd wie der halbe Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen in Bormio für das Land seiner Mama Sporthistorisches schaffte.

Hirscher, 36, trainiert schon für den nächsten WM-Winter, in dem er als Ski-Firmenchef für seine norwegischen Angestellten Henrik Kristoffersen und Timon Haugan konkurrenzfähiger Gegner sein will. Letztere mussten im olympischen Riesen die Riesenform ihres ehemaligen norwegischen Teamkollegen neidlos anerkennen.

Auch wenn Norwegens Alpine bislang am Olympia-Podest vorbeirutschten, in der Medaillenwertung duelliert man sich mit Gastgeber Italien um die Führung. In Relation zur Einwohnerzahl ist Norwegen, wo um ein Drittel weniger Menschen als in Österreich leben, die Sportnation Nummer 1. Schon 1994 in Lillehammer, als dort die bis heute letzten Winterspiele ohne viel Pomp und weite Anfahrtswegen stattfanden, bekamen neutrale Beobachter Begründungen dafür.

Ob beim 50 km-Langlauf, ob im Abfahrtsziel, ob bei minus zehn oder minus 20 Grad – während wir Reporter jede Pause nutzten, um ins warme Medienzentrum zu flüchten, hielten Mütter stundenlang im Freien durch. Mit Kleinkindern am Rücken, die gut verpackt aus dem Rucksack lächelten und heute längst alle Mitglieder in einem Sportverein sind.

Wunder auch im Fußball

Vier Monate nach Winter-Olympia in Lillehammer fand die Fußball-WM 1994 in den USA statt. Mit Norwegens Team und Jan Age Fjörtoft. Der schaltet zur Zeit, ehe er selbst wieder als begehrter TV-Analytiker im Einsatz ist, daheim in Oslo bei Olympia-Übertragungen hin und her.

Am Mittwoch hat für den Ex-Rapidler Fußball Priorität. Wenn Bodö Glimt in der Champions-League-Play-Off-Phase 80 Kilometer nördlich vom Polarkreis auf Kunstrasen gegen Inter Mailand spielt.

Während sich Österreichs Klub in Europa League und Conference League vorzeitig verabschiedeten, vermochte Bodö Glimt in der Königsklasse sogar Atletico Madrid und Manchester City zu besiegen ...

... obwohl Bodö kaum 50.000 Einwohner hat;

... obwohl das Stadion kaum 8000 Besucher fasst;

... obwohl statt teurer Legionäre fast „nur“ Nord-Norweger zum Stammpersonal zählen;

... und obwohl (oder weil) man dort, wie Fjörtoft sagt, „seit sechs, sieben Jahren“ demselben Trainer vertraut. Auch das ist anders als in Österreich.

Kommentare