Wie Brasilianer auf den Olympiasieg Lucas Pinheiro Braathens reagieren

Mitten in den Karneval platzt die Nachricht über die historische Goldmedaille Braathens in Bormio. Wie groß ist er in seiner zweiten Heimat?
Wie Brasilianer auf den Olympiasieg Lucas Pinheiro Braathens reagieren

Die brasilianische Tageszeitung O Globo hat an diesem Carneval-Samstagmorgen auf seiner Homepage vier Pinheiro-Braathen-Storys in den Topstorys. A Folha do Sao Paulo ebenfalls. Da wird der Gold-Lauf beschrieben, seine brasilianischen Wurzeln, seine brasilianische Freundin Isadora Cruz porträtiert und Videos von Braathens Sambakünsten zusammengeschnitten.

Der in Oslo geborene brasilianische Skifahrer hat in der Heimat voll eingeschlagen seit seinem Nationswechsel 2024 und allerspätestens, als sich die Erfolge einstellten. Am Samstag gelang ihm Historisches, als er in Bormio den Olympia-Riesentorlauf vor den Schweizern Marco Odermatt und Loic Meillard gewann. 

Auch in Cortina jubelten Fans, die aus Brasilien angereist sind, über den Star. Auf einmal waren etliche brasilianische Flaggen zu sehen.

Brasilianer in Cortina

Flavio, Jacksuel und Familie

"Jeder kennt ihn"

Flavio spaziert durch die Fußgängerzone, er trägt wie sein Freund Jacksuel ein gelbes Brasilienshirt unter der Jacke. „Eine Ski-Medaille für Brasilien. Historisch“, frohlockt der Mann aus dem Norden Brasiliens. Nicht nur die erste Medaille Brasiliens bei Winterspielen, sondern ganz Südamerikas, sagt er stolz. Ob Lucas Pinheiro Braathen in der Heimat überhaupt jemand kennt? „Jeder kennt ihn“, sagt Flavio. 

Tatsächlich, nach seinem Nationenwechsel ist seine Bekanntheit in der Heimat seiner Mutter stark angestiegen. Durch seinen ersten Weltcupsieg in Levi im November, entstand eine Welle der Begeisterung ("Pinheiromania"). 

Der 25-Jährige wird in dem 200-Millionen-Land als "O Fenomeno do Esqui" (Das Ski-Phänomen) bezeichnet. "O Fenomeno" war der brasilianische Fußballstar Ronaldo, der 2002 die Selecao zum Weltmeistertitel schoss. 

"Meilenstein des Mulitkulturalismus"

Der preisgekrönte brasilianische Journalist Jamil Chade will die Euphorie nicht bremsen, warnt aber: "Machen wir uns keine Illusionen. Es ist keine Medaille, die als das Resultat einer nationalen Strategie im olympischen Sport gefeiert werden sollte."

Vielmehr solle die Medaille für etwas anderes als Symbol dienen: "Sie könnte als ein Meilenstein des Multikulturalismus gefeiert werden", glaubt Chade. "Diese Medaille könnte eine positive Debatte über Migration und Multikulturalismus auslösen. Sie hebt hervor, dass eine Person mehr als nur eine Identität hat – nicht nur, aber auch, was seine Nationalität angeht."

"Ich hoffe, dass alle, die zu Hause diesen Moment gesehen haben, wissen, sie können alles erreichen", sagte Braathen und schlug genau in diese Kerbe: "Deine Farbe, deine Herkunft, deine Sprache, deine Kultur sind nicht wichtig." Er hoffe, "eine ganze Generation inspirieren" zu können, ihren Traum zu leben. 

Apropos Sprache. Dass er die brasilianische Hymne lautstark und textsicher mitsang, überraschte so manchen in Brasilien. Doch das Geheimnis wurde gelüftet: Seine Freundin übte mit ihm den Text. 

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