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Sport Wintersport
02/23/2020

Japan - Wo der Skizirkus seinem Namen alle Ehre macht

Der Olympia-Ausschluss von Schranz, das Chaos bei der WM, der Sturz von Maier – Rennen in Fernost garantieren Spektakel

von Christoph Geiler

Es verschlägt die Skifahrer nicht allzu oft nach Japan. Aber wenn dann einmal ausnahmsweise Rennen auf japanischem Schneeboden stattfinden, dann macht der Skizirkus seinem Namen meist alle Ehre. Die wenigen Wettkämpfe in Japan haben in der Vergangenheit jedenfalls viel Schneestaub aufgewirbelt.

Olympia 1972

Die Winterspiele in Sapporo verbinden die Österreicher mit einem Sportler, der dort gar nicht am Start war: Karl Schranz. Der Topfavorit der Ski-Bewerbe wurde kurzerhand von Olympia ausgeschlossen, weil er laut IOC-Boss Avery Brundage gegen das Werbeverbot verstoßen hatte, das damals noch galt. Das sorgte in Österreich für einen Sturm der Empörung, bei seiner Rückkehr aus Japan wurde Schranz in Wien von 100.000 Menschen empfangen. Als Olympiasieger hätte der Tiroler wohl niemals so einen Menschenauflauf ausgelöst.

WM 1993

Wenn von den Titelkämpfen in Morioka Shizukuishi die Rede ist, dann verdrehen fast alle Beteiligten von damals die Augen. „Chaos-WM“ ist noch einer der harmloseren Ausdrücke für das Großereignis, das seinerzeit für großes Unverständnis und riesigen Unmut gesorgt hatte. Mit der ersten WM in Asien verfolgte die FIS vor allem wirtschaftliche Interessen, für den Sport waren die Wettkämpfe keine Werbung.

Das Wetter spielte dermaßen verrückt, dass das WM-Programm richtig durcheinander gewirbelt wurde. So musste der Riesentorlauf der Herren an zwei Tagen ausgetragen werden, der Super-G fiel überhaupt ins Wasser – ein Novum in der WM-Historie. Stephan Eberharter dürfte damit auf ewig ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher sein: Als Ski-Weltmeister mit der längsten Amtszeit.

1991 hatte der Zillertaler in Saalbach den WM-Titel im Super-G gewonnen, als Titelverteidiger war er dann erst fünf Jahre später am Start. Denn die für 1995 geplante WM in der spanischen Sierra Nevada musste wegen Schneemangels auf 1996 verschoben werden.

Weltcup 1995

Von Ergebnissen wie bei den Rennen in Furano können die ÖSV-Techniker heute nur träumen. Damals hatte es sowohl im Slalom (Michael Tritscher) als auch im Riesentorlauf (Mario Reiter) österreichische Erfolge gegeben. Der Vorarlberger Reiter erwies sich überhaupt als Japan-Spezialist. Drei Jahre später sollte er in Nagano Olympia-Gold in der Kombination holen. Die Hälfte seiner Ski-Siege hat der heutige ÖSV-Marketingchef damit in Japan gefeiert.

Olympia 1998

Wer erinnert sich nicht an die Olympiaabfahrt von Nagano. Der Abflug von Hermann Maier ist wohl der berühmteste Sturz in der Skigeschichte, die Bilder gingen um die Welt. Dass der Salzburger diesen Crash heil überstanden hatte und drei Tage später Super-G-Gold gewann, brachte ihm den Spitznamen Herminator ein. Der US-Fotograf Carl Yarbrough, der als einziger den Sturz fotografierte, verdiente mit dem Schnappschuss einen siebenstelligen Betrag.

Weltcup 2001

Drei Jahre nach den Winterspielen feierte Hermann Maier einen seiner deutlichsten Erfolge. Den Riesentorlauf in Shiga Kogen gewann der Flachauer mit dem Riesenvorsprung von 1,74 Sekunden. Maier ist damit etwas gelungen, was Marcel Hirscher Zeit vorenthalten geblieben ist: ein Weltcuperfolg in Japan.

Weltcup 2016

Am Valentinstag 2016 wurden die japanischen Skifans in Yuzawa Naeba Zeugen eines ungewöhnlichen Vorfalls: Marcel Hirscher verließ ausnahmsweise einmal die Erfolgsspur. Der Superstar kam damals im Slalom nur vier Tore weit und fabrizierte einen seiner seltenen Einfädler. Dieser Slalom 2016 in Japan war übrigens das letzte Weltcuprennen seiner Karriere, in dem Marcel Hirscher nicht ins Ziel gekommen ist.

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