„Bau ja keinen Scheiß da runter“

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Foto: ap Routinier: Klaus Kröll ist der einzige aktive Österreicher, der weiß, wie sich ein Heimsieg in einem Speedbewerb in Kitzbühel anfühlt.

Eine Fahrt auf der Streif ist auch ein Streif-Zug der Emotionen.


Ein Abfahrer braucht in Kitzbühel keine große Anzeigetafel. Ein Blick auf die vollen Tribünen genügt, und er weiß gleich, was es geschlagen hat. „Je mehr rot-weiß-rote Fahnen du siehst, umso schneller bist du gefahren“, lautet die bunte Erfolgsrechnung von Klaus Kröll. „Außerdem hörst du an den Fans sofort, was los ist.“

Der Steirer ist der einzige aktive österreichische Speedpilot, der weiß, wie sich so ein Heimsieg auf der Streif anhört. 2009 war Kröll im Super-G Ohren- und Augenzeuge des beeindruckenden Kitzbüheler Jubels geworden. Doch seither ist es auf der Streif eher still geworden um die Österreicher, der letzte Abfahrtssieg (2006, Michael Walchhofer) auf der gefährlichsten Strecke der Welt ist längst verjährt. Seither war der Hahnenkamm der heimliche Schweizer Hausberg (fünf Siege in Folge). „Wir haben jetzt sehr viele Jahre zuschauen müssen, wie die Schweizer obenauf waren. Zeit, dass wir einmal den Spieß umdrehen“, meint Kröll, der sich im gestrigen Super-G mit Rang 16 begnügen musste und sich nicht für einen WM-Start aufdrängte. „Bei solchen Temperaturen und so einem Schnee funktioniert es einfach nicht.“

Verschwommen

kitz-000_APA_ROBERT JAEGER.jpg Foto: apa Hoch hinaus: Die ewige Suche der Trainer nach dem besten Platz So aufmerksam Kröll und seine Abfahrer-Kollegen bei der Zieldurchfahrt sind, so fokussiert sind sie während ihrer zweiminütigen Fahrt. Die Nebengeräusche der Tausenden Anhänger, die alle Jahre wieder an der Piste Spalier stehen, werden überhört. „Rund um mich verschwimmt alles“, berichtet Kröll, „da habe ich nur Augen für meine Linie.“

Alles andere wäre auf der berüchtigten Abfahrt auch Harakiri. „Ich steh’ immer mit großer Ehrfurcht am Start“, gesteht auch Hannes Reichelt, „du darfst als Läufer ja nie den Respekt vor der Streif verlieren.“ Auch der 32-Jährige hat seine Liebe für Mausefalle und Steilhang erst finden müssen. Seine ersten Streif-Züge machte der junge Hannes Reichelt noch vorsichtig und schaumgebremst. „Am Anfang hantelst du dich nur von Schlüsselstelle zu Schlüsselstelle“, sagt der Radstädter. „Mit der Erfahrung fährt sich’s jetzt sicher leichter, weil du eine Ahnung hast, was dich ungefähr erwartet.“

Aber selbst nach der x-ten Fahrt vom Hahnenkamm sorgt die Streif bei Routinier Reichelt noch für Unbehagen. „Ich red’ mir immer ein: ,Bau ja keinen Scheiß da runter. Schieß ja keinen Bock!‘“

Deppert

Bei der Generalprobe für die Abfahrt schoss Reichelt am Freitag jedenfalls übers Ziel hinaus, Platz 14 konnte den ehrgeizigen Salzburger nicht zufriedenstellen. „Das war deppert von mir“, gestand der 32-Jährige, „ich bin einfach schlecht Ski gefahren.“

Trotzdem sind Reichelt und auch Teamkollege Kröll die ersten Herausforderer von Super-G-Supermann Aksel Lund Svindal. „Ich habe jedenfalls noch nicht das ganze Pulver verschossen“, sagt zumindest Reichelt, der einzige österreichische Saisonsieger in der Abfahrt (Bormio). „Eigentlich hätte ich ja geglaubt, dass wir im Vorteil wären, weil jetzt Didier Cuche nicht mehr fährt“, sagt der 32-Jährige. „Leider gibt’s jetzt den Svindal.“

(kurier) Erstellt am
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