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Österreichs Gold-Duo: „Wer einmal ganz oben war, möchte dort bleiben“

Freundschaft, gemeinsame Fehler und doppeltes Verletzungspech: Was Anton Knoll und Dariush Lotfi vor ihrem EM-Auftritt in Paris beschäftigt.
World Aquatics Championships

Im Wasserspringen ist die Fallhöhe keine bloße Metapher. Normalerweise. Vom Zehn-Meter-Turm versuchen Anton Knoll und Dariush Lotfi, die Schwerkraft für wenige Sekunden zu choreografieren. Bei ihrem Europameistertitel in Belgrad 2024 gelang ihnen das nahezu perfekt. Seither kennt Knoll allerdings auch die andere Bedeutung des Wortes Fallhöhe. „Wer einmal ganz oben war, möchte dort bleiben“, sagt der 21-Jährige.

Am Dienstagabend um 19.30 Uhr (live auf ORF Sport +) treten die beiden bei der EM in Paris wieder gemeinsam an. Was ihnen im Gleichklang gelingen kann, haben sie bereits bewiesen. In Belgrad lagen Knoll und Lotfi nach der Hälfte ihrer sechs Sprünge noch auf Rang fünf, danach schoben sie sich an die Spitze. Beim Wasserspringen wird Eleganz am Ende in Dezimalzahlen übersetzt. Für die Österreicher lautete die schönste an diesem Tag: 367,05. Sie bedeutete Gold und das Ende einer achtjährigen Durststrecke ohne österreichische EM-Medaille im Wasserspringen.

Für einige Tage rückte ein Randsport ins Rampenlicht. Knoll gab zahlreiche Interviews und wurde plötzlich im Alltag erkannt. Das gefiel ihm weniger des Ruhmes wegen als wegen der neuen Aufmerksamkeit für seine Disziplin. „Es ist ein schöner Sport. Deshalb freue ich mich, wenn sich andere dafür begeistern.“

Knolls Weg auf den Turm begann hingegen denkbar bodenständig. Seine Mutter erkannte den Bewegungsdrang ihres vierjährigen Sohnes und suchte nach einer passenden Beschäftigung. Die Wiener Stadthalle lag nahe, Wasserspringen bot sich an. „Es hat sich schon ausgezahlt“, sagt Europameister Knoll heute.

Ein Fehler, vier Schultern

Seine Mutter hatte den richtigen Sport gefunden, Knoll später den passenden Partner. Im Synchronbewerb teilen Dariush Lotfi und er allerdings nicht nur Medaillen, sondern auch Fehler. Selbst zwei starke Einzelspringer können gemeinsam ein schiefes Bild ergeben. Absprung, Rotation und Eintauchen müssen zusammenpassen. Jede Abweichung spiegelt sich in der Wertung wider. 

Misslingt Knoll oder Lotfi ein Sprung, entschuldigt sich der eine mitunter beim anderen. Weit kommt er damit nicht. „Was ist mit dir? Du entschuldigst dich nicht“, lautet die Antwort. Beide wissen schließlich aus eigener Erfahrung, wie schnell Fehler passieren können.

So selbstverständlich ist diese Nachsicht im Wasserspringen nicht. Knoll kennt internationale Synchronpaare, die einander privat kaum ausstehen können. Ihre Eintracht endet an der Beckenkante. Bei Knoll und Lotfi reicht sie darüber hinaus: Die beiden sind Freunde und verbringen auch abseits des Trainings viel Zeit miteinander. Gerade an schlechten Tagen wird das wichtig. Dann weiß Lotfi, was er Knoll sagen muss, „damit er wieder im Gleichgewicht ist“. Auch Knoll kennt seinen Partner mittlerweile gut genug, um ihn im richtigen Moment aufzurichten.

Für Paris haben die beiden ihre Sprünge weiterentwickelt, den Schwierigkeitsgrad erhöht und Figuren gewählt, die gemeinsam besonders gut aussehen sollen. Das ist auch nötig: Denn die heurige EM ist deutlich stärker besetzt als jene in Belgrad. Weil kein olympisches Jahr ist, treten mehr große Namen an. Dazu kommen die zurückgekehrten Russen, für Knoll „fix heiße Medaillenkandidaten“.

Synchron verletzt

Ausgerechnet vor Paris hielt sich selbst das Verletzungspech an den gemeinsamen Rhythmus. Knoll kämpfte mit einem Patellaspitzensyndrom, Lotfi mit einem Ermüdungsbruch im Schienbein. Knoll musste aussetzen, als er nach eigener Einschätzung so gut sprang wie noch nie – besser sogar als im vergangenen Jahr, als er im Einzel EM-Bronze gewann. Die Knieprobleme machten aus dem persönlichen Hoch ein „ziemliches Tief“. Inzwischen hat er sie so weit im Griff, dass er wieder ernsthaft konkurrenzfähig antreten kann. „Jetzt kämpfe ich mich zurück.“

Eine Prognose für Paris sprach Knoll dennoch nicht aus. Eine Medaille sei möglich, doch nach der Verletzung will er weniger eine Platzierung versprechen, als seinen derzeitigen Leistungsstand erkunden. Nicht die Schmerzgrenze soll ausgereizt werden, sondern das sportliche Vermögen.

Läuft am heutigen Abend alles rund, könnte es für Knoll und Lotfi trotz aller Rückschläge wieder weit nach oben gehen. Wobei der Weg dorthin in ihrer Sportart bekanntlich zehn Meter nach unten führt.

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