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Sport
07/22/2021

Segel-Ass Zajac: "Es hilft nicht, dass ich eine Medaille habe"

Thomas Zajac gewann mit Tanja Frank 2016 Bronze und wird mit ihr die Fahne bei der Eröffnungsfeier tragen.

von Christoph Geiler

Bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro hatten die beiden Segler Thomas Zajac und Tanja Frank mit Bronze für die einzige österreichische Medaille gesorgt. Beide sind auch in Tokio wieder mit an Bord, allerdings gehen sie mittlerweile getrennte Wege. Tanja Frank (28) segelt mit Lorena Abicht im 49er, Thomas Zajac (35) teilt sich ein Boot mit Barbara Matz (Nacra 17).

KURIER: Verspürt jemand wie Sie vor so einem Großereignis noch eine Form von Muffensausen und Nervosität?

Thomas Zajac: Die Vorfreude ist da. Und jedes Mal, wenn ich daran denke, dass wir in Tokio am Start stehen dürfen, dann kommt das Prickeln.

Können Sie abschätzen, wie Ihr Leistungsniveau ist und wo Sie ungefähr stehen?

Tokio kann für uns ein völliges Aha-Erlebnis werden.

Tatsächlich?

Ja, das ist wirklich so. Wir segeln hier bei Olympia nicht mit dem Boot, auf dem wir in den vergangenen Monaten in Sizilien trainiert haben. Im Trainingslager haben wir zuletzt auch nur unser altes Material verwendet. Und dann haben wir natürlich keine Ahnung, wie die Australier, die Neuseeländer, die Brasilianer, die Amerikaner drauf sind. Der letzte Vergleich ist eineinhalb Jahre her.

Blicken Sie in den Trainingsfahrten automatisch nach links und rechts zur Konkurrenz, oder konzentrieren Sie sich auf Ihre Arbeit?

Selbstverständlich. Das ist der erste Vergleich. Uns allen fehlt die Wettkampfpraxis, jedem Trainingstag kommt eine enorme Bedeutung zu: Wir müssen die Starts üben, einige kleine Races veranstalten, vielleicht kann man dann da und dort noch das eine oder andere adaptieren. Aber die Hausaufgaben sind längst erledigt, das müssen sie jetzt auch sein.

Sie haben schon an Großereignissen teilgenommen und waren schon bei Olympia. Ihre Segelpartnerin Barbara Matz betritt Neuland. Müssen Sie sie speziell vorbereiten?

Die Babsi ist sehr neugierig. Sie hat mir in den letzten Monaten viele Fragen gestellt, weil sie wissen wollte, was auf sie zukommt. Wir hatten auch ein Seminar, bei dem frühere österreichische Segler von ihren Erfahrungen und Erlebnissen berichtet haben. Da hat jeder seine eigene Geschichte erzählt, wie er persönlich Olympia erlebt hat. Da konnten die Babsi und ich viele Dinge mitnehmen. Und außerdem ...

... außerdem?

Außerdem hat die Babsi ja schon einmal bewiesen, dass sie am Punkt abliefern kann. Nämlich bei der Olympia-Quali in Aarhus. Es war damals extrem schwierig, im ersten Versuch das Olympiaticket zu lösen, aber uns ist das gleich auf Anhieb gelungen. Für die Babsi war ja damals wirklich alles Neuland, keiner hatte gewusst, wie wird sie reagieren, wie wird sie sich schlagen. Aber sie hat das ganz cool über die Bühne gebracht, und das stimmt uns natürlich zuversichtlich, dass sie sich von diesem Wow-Effekt bei Olympia nicht blenden lässt.

Worauf kommt es bei Olympia an? Als Medaillengewinner müssten Sie das ja eigentlich wissen.

Natürlich kann man jetzt versuchen, das Ganze wie eine normale Regatta zu sehen. Das wird einem von allen Seiten auch ständig geraten, dass man das so machen soll. Aber das schafft kein Sportler. Man redet sich das alles gerne ein. Und natürlich stimmt es im Grunde auch: Ja, es ist eine Regatta, es kommt auf das Gleiche an wie bei jeder anderen Regatta. Aber du gehst dorthin, du erlebst die Eröffnungsfeier, du spürst und siehst, wie besonders diese Veranstaltung ist. Bei Olympia ist alles viel größer, die Segler stehen auch viel mehr im Mittelpunkt als sonst. Es ist alles, nur keine normale Regatta.

Worauf kommt es also an?

Die Kunst ist es, diesen Spagat zu schaffen und die Energie, die man bei Olympia zwangsläufig spürt, in Performance umzusetzen. Auf der anderen Seite darf man sich nicht verrückt machen lassen von den Spielen und den Nebengeräuschen. Denn die Geschichte von Olympia hat gezeigt: Viele Favoriten sind an dieser großen Aufgabe gescheitert.

Wie haben Sie das seinerzeit in Rio gemacht?

Viele haben mir damals gesagt: Die ersten Olympischen Spiele sind nur ein Reinschnuppern, nicht mehr. Rio war meine Olympia-Premiere, ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartet. Das Team hinter uns hat uns extrem geholfen und viel Vorarbeit geleistet. Deshalb haben mich die Eindrücke auch nicht überfordert.

Hilft Ihnen heute also diese Erfahrung von Rio 2016?

Ich behaupte, es ist völlig wurscht. Es hilft mir auch nicht, dass ich eine Medaille habe. Was ich aber schon durch Rio weiß: Es ist alles möglich, aber meine Erfahrung war auch, dass ich Favoriten erlebt habe, die komplett eingegangen sind. Das wird für alle eine ganz besondere Regatta werden. Olympische Spiele sind an und für sich schon besonders, aber diese Spiele sind ganz besonders. Die werden in die Geschichte eingehen.

Welche Ansprüche haben Sie?

Man muss die Kirche im Dorf lassen. Es sind andere Umstände als noch 2016. Ich segle mit einer anderen Partnerin, das Boot ist ein bisschen anders, die Vorbereitung war besonders. Wir zählen nicht zu den Supertopkandidaten für die Medaillen, aber wir haben sehr viel und hart gearbeitet. Bei den Spielen kannst du sehr, sehr gut segeln und leer ausgehen. Aber du kannst zugleich auch schlechter segeln und es letztlich doch noch in die Medaillenränge schaffen.

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