APA11374966 - 09022013 - SCHLADMING - ÖSTERREICH: Zuschauer und Axsel Lund Svindal (NOR) im Skistadion bei der Abfahrt der Herren am Samstag, 09. Februar 2013, in Schladming. APA-FOTO: Robert Parigger

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WM-Zwischenbilanz
02/14/2013

Rückblick vor dem Endspurt

Faire Fans, starke Stars und enttäuschte Erwartungen - ein Blick auf Highlights und Hoppalas in Schladming.

von Christina Pertl, Wolfgang Winheim

Ruhig ist es in Schladming. Am zehnten Tag der WM sind die Gassen im obersteirischen Ski-Epizentrum fast verwaist. Nicht, weil die Menschen nach einer Woche schon genug vom Alpen-Halligalli haben, sondern weil am Aschermittwoch keine WM-Bewerbe auf dem Programm stehen.

Bevor die 42. alpinen Titelkämpfe mit den Riesentorläufen (Donnerstag und Freitag) und den Slaloms (Samstag und Sonntag) in die Zielgerade einbiegen, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz.

Positiv:

Die StimmungOb Favorit oder Exot, ob Lokalmatador oder Weitgereister, ob gut gefahren oder nach einem Ausfall enttäuscht gen Tal gerutscht – das Publikum im Schladminger Stadion, das jeden WM-Starter mit einem Applaus im Zielraum empfängt, hätte sich eine Fairness-Medaille verdient. Die gute Stimmung im Zielraum ist nicht zuletzt den Weltcup-erprobten Stadionsprechern Stefan Steinacher und Didi Ziesel zu verdanken. Auch Ski-Stars wie Aksel Lund Svindal (Nor) oder Ivica Kostelic (Kro) sparten nicht mit lobenden Worten für die fairen Ski-Fans.

Die Bilder Mit bis zu 46 Kameras überträgt der ORF, während die besten Skifahrer der Welt ins Tal brettern. Vor allem die Seil- und Onboard-Kameras liefern den TV-Zuschauern beeindruckende Bilder.

Die Stars Auf Ted Ligety, Aksel Lund Svindal und Tina Maze ist Verlass. Die Dominatoren der bisherigen Saison zeigten auch in Schladming ihr Können, allen voran der Amerikaner Ted Ligety, der sich im Super-G und in der Superkombination den Weltmeistertitel sicherte. Auch in den noch ausstehenden Technik-Bewerben darf man sich auf starke Leistungen der Ski-Stars freuen. Österreichs größte Medaillenhoffnung Marcel Hirscher versprach mit den Bestzeiten im Teambewerb bereits viel für den Riesentorlauf und den Slalom.

Die Superkombi Gut kombiniert wird im Weltcup immer seltener. Heuer stand bei Damen und Herren je nur ein Bewerb im Superkombi-Format auf dem Weltcup-Programm. Dass sich ausgerechnet die stiefmütterlich behandelte Disziplin am Montag als Hundertstelkrimi entpuppte und den Österreichern bei Damen und Herren Bronze bescherte, zeugt von Ironie.

Der TeambewerbEin Sportler, eine Piste, ein Ziel – das Image vom Skifahrer als Einzelkämpfer ist mit ein Grund dafür, dass der Mannschaftsbewerb lange Zeit belächelt wurde. Nach dem Flutlicht-Spektakel am Dienstag hat der spannende Nationenkampf aber weitere Sympathiepunkte gesammelt, auch beim Weltverbandspräsidenten Gian Franco Kasper, der sich den Teambewerb bei den Olympischen Winterspielen im Jahr 2018 in Pyeongchang durchaus vorstellen könnte.

Negativ:

Die Eröffnung Trachtentanz, Lipizzaner und Austro-Pop-Helden – die Eröffnungsfeier 2013 hätte auch bei der WM-Premiere 1982 mit den gleichen Stars über die Bühne gehen können. Tradition hin, Fendrich her – ein bisschen mehr Mut zur Moderne hätte dem Auftakt nicht geschadet.

Die Erwartungen Fünf bis acht Medaillen hatte der Österreichische Skiverband vor dem WM-Start als Ziel ausgerufen. Ein hoher Anspruch, wenn man sich die bisherige Top-3-Bilanz der Österreicher in dieser Saison in Erinnerung ruft. „Klar ist da ein Druck da“, sagt Marcel Hirscher, der nach den medaillenlosen Speed-Rennen vom Boulevard zum ultimativen WM-Heiland erhoben wurde.

Das Speed-TeamZum ersten Mal seit 1987 blieb das rot-weiß-rote Team in Abfahrt und Super-G medaillenlos. Sowohl Damen als auch Herren verpassten das Podest denkbar knapp – drei vierte Plätze stehen in den Speed-Disziplinen zu Buche.

Die Fehlplanung Eigentlich hätten 9000 Zuschauer auf die große Stahlrohr-Tribüne passen sollen, tatsächlich finden aber nur 6500 Zuschauer Platz. Dieser Rechenfehler sorgte vor allem an den ersten Renntagen für Chaos und Empörung bei zahlenden Fans, denen der Zutritt aufgrund von Überfüllung verwehrt wurde. Ehemalige Medaillengewinner wie Anton Steiner kamen nur dank des Deutschen Skiverbandes zu Karten.

Der GeisterfahrerNicht nur der Schweizer Sandro Viletta traute am Montag seinen Augen nicht, als er während seiner Kombi-Abfahrt plötzlich Gesellschaft bekam. Zwei Pistenarbeiter hatten sich auf die Strecke verirrt, der Zwischenfall ging aber glimpflich aus. Renndirektor Günter Hujara blieb nach dem Fauxpas nur die Entschuldigung: „Das sind genau die Dinge, vor denen ich Angst habe. Zum Glück ist nichts passiert.“

Der Fehlstart Der erste WM-Bewerb war ein Verschiebungsdrama in zwölf Akten. Im 15-Minuten-Takt wurde die Entscheidung über den Damen-Super-G hinausgezögert, um dann zum letztmöglichen Zeitpunkt doch zu fahren und nach 36 Läuferinnen wegen Dunkelheit abzubrechen. Für die Brechstangen-Politik gab es viel Kritik.

Die VerletztenDer WM-Auftritt von US-Star Lindsey Vonn war denkbar kurz. Im Super-G erlitt sie Kreuzbandriss und Schienbeinkopfbruch, auch Kjetil Jansrud (Nor) oder Ryan Cochran-Siegle (USA) zählen zu den bisherigen sechs Schladminger Kreuzband-Opfern.