© APA/GEORG HOCHMUTH

Sport
07/30/2021

Ruder-Ass Lobnig: "Hallensport wäre die Oberbestrafung"

Die 31-Jährige rudert als erste Österreicherin zu einer Olympia-Medaille und erzählt im Interview von ihrem langen Weg dorthin.

von Christoph Geiler, Silvana Strieder

Zarte Nebelschleier steigen über dem tiefblauen Weißensee auf, die ersten Sonnenstrahlen spiegeln sich im Wasser. Die morgendliche Stille wird nur von Vogelgezwitscher und gleichmäßigen Ruderschlägen durchbrochen. Das hektische Tokio ist sehr weit weg vom beschaulichen Weißensee in Kärnten. Und doch sind die Olympischen Spiele an diesem lauen Juni-Morgen allgegenwärtig. Wie an praktisch allen Tagen seit Rio 2016.

"Wir haben die ganze Zeit auf dieses Ziel hingearbeitet", sagt Magdalena Lobnig. Aus ihrer brüchigen Stimme klingen gleichzeitig Glückseligkeit, Erleichterung und auch unbändiger Stolz. "Ich finde es schon sehr cool, dass ich da Geschichte geschrieben habe", sagt die 31-Jährige, die seit Freitag die erste österreichische Olympia-Medaillengewinnerin im Rudern ist. Nach ihrem grandiosen Auftritt im Finallauf im Einer, der mit Bronze belohnt wurde. "Ich bin so froh, dass ich die Bestätigung habe für das, was ich die letzten Jahre gezeigt habe. Für die Geduld, all die vielen Stunden, die ich da reingesteckt habe, für den Verzicht. Und jetzt kommt alles zurück. Da fällt so viel ab."

Wer sich wie Magdalena Lobnig schon in der Jugend dazu entscheidet, das Ruder in die Hand zu nehmen und im Ruderboot die Sportwelt zu erobern, der muss aus einem besonderen Holz geschnitzt sein. Vor allem, wenn er sich, wie die Kärntnerin, dieser Herausforderung auch noch allein stellt und im Einer unterwegs ist.

einen Instagram Post Platzhalter.

Wir würden hier gerne einen Instagram Post zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Instagram zu.

Großes Privileg

"Das ist wie ein Strudel. Da kommst du nicht mehr heraus", sagt Magdalena Lobnig im KURIER-Interview. "Du könntest den Sport nicht über so viele Jahre betreiben, wenn du nicht die volle Leidenschaft dafür hast." Zumal sich kaum ein Ruderer selbst über Wasser halten kann. Lobnig ist eine hochdekorierte Athletin (sechs Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften), doch sie käme finanziell ins Rudern ohne die Unterstützung durch das Heeressportzentrum und Sponsoren sowie die tatkräftige Hilfe ihrer Schwester Katharina und der Familie.

"Es gibt sicher schlimmere Sportarten. Hallensport wäre für mich die Oberbestrafung. Ich sehe es nach wie vor als großes Privileg, dass ich diesen Sport machen kann."

Enormer Druck

Ihre Leidenschaft für den Sport war bei den letzten Sommerspielen noch einmal geweckt worden. Damals hatte Lobnig als Medaillenhoffnung den Endlauf auf dem letzten Platz beendet und war ein Opfer der immensen öffentlichen Erwartungshaltung geworden. "In Rio de Janeiro war der Druck so groß, jetzt war er weg. Da hat man einfach viel befreiter rudern können."

Dazu haben all die Erfahrungen der vergangenen Jahre, positiver wie negativer Natur, Magdalena Lobnig zu einer besseren und abgeklärteren Ruderin gemacht. Als sie vor Olympia eine Medaille als Ziel ausgab, sprach aus der 31-Jährigen nicht wie bei vielen anderen Sportlern nur der Zweckoptimismus, sondern die pure Überzeugung.

Reine Kopfsache

Deshalb nahm sie’s auch locker, als sie im Semifinale nicht den besten Tag erwischte und nur mit Mühe in den Endlauf einzog. "Ich hab’ mir gedacht: Ruderrennen müssen spannend sein, sonst schaut ja keiner zu." Die Ruhe des Weißensees und des Völkermarkter Stausees, wo die Kärntnerin ihre Trainingseinheiten abspult, scheint sie verinnerlicht zu haben. "Ich habe mir gedacht, das ist im Endeffekt nur ein Kopfrennen, wer da vorne ist. Es war einfach Zeit, abzuliefern."

Für Nationaltrainer Robert Sens, der seit Ende 2019 an Lobnigs Seite ist, kommt der Medaillengewinn nicht von ungefähr. Der Deutsche attestiert seinem Schützling "eine gute Rudertechnik, ein irrsinniges Bootsgefühl und einen guten Trainingsfleiß".

2016 war Magdalena Lobnig Europameisterin geworden, "aber die Bronzemedaille ist mein Karriere-Höhepunkt." Und wenn es nach Nationaltrainer Sens geht, soll das nicht das letzte Highlight von Lobnig gewesen sein. Wie meinte er doch gleich: "Sie hat noch Reserven."

einen Instagram Post Platzhalter.

Wir würden hier gerne einen Instagram Post zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Instagram zu.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.