CANOE-SLALOM-OLY-2020-2021-TOKYO

© APA/AFP/LUIS ACOSTA / LUIS ACOSTA

Sport
07/30/2021

Olympia-Medaille knapp verpasst: Oschmautz im Kanu-Slalom Vierter

Oschmautz landete 1,68 Sekunden hinter dem Deutschen Aigner und verpasste Bronze. Er zitterte bis zum Schluss.

F√ľr Felix Oschmautz ist der vierte Platz bei den Olympischen Spielen in Tokio ein gro√üartiges Ergebnis. Er war der J√ľngste der zehn Kajak-Einer-Finalisten, bewies Nervenst√§rke und fuhr auf Weltebene seine erste Spitzenplatzierung heraus. W√§re Tor sechs nicht gewesen, w√§re es im Wildwasserslalom eine Medaille geworden. "Das war kein kleiner Schnitzer! Aber die restliche Leistung, das muss ich bei aller Bitterkeit sagen, war super." Gold ging an Topfavorit Jiri Prskavec (CZE).

Normalerweise w√ľrde er einen Lauf, wenn ihm das im Training passiere, dass er ein Tor nochmals anfahren m√ľsse, abbrechen, erz√§hlte Oschmautz. Aber freilich nicht bei Olympia. "Man hat es bei den anderen gesehen, es kocht jeder nur mit Wasser. Da kannst wie Boris Neveu WM, EM alles gewonnen haben, das sind Olympische Spiele. Das ist das Finale, jeder startet bei null, da gibt es keinen Vorsprung wie im Skifahren oder sonst wo. Da liegen die Nerven bei allen blank. Ich habe es trotzdem super zusammengehalten und bin jetzt Vierter."

Die st√§rkste Komponente, die er gebracht habe, sei die mentale Leistung gewesen. "Dass ich nach so einem kapitalen Fehler, wo man wei√ü, das kann keine Medaille werden, noch so einen Lauf fertigfahre." Als Neunter ins Finale gekommen, ging er in diesem als Zweiter ins Rennen. Dort hatte er letztlich 1,68 Sekunden R√ľckstand auf den deutschen Bronzemedaillengewinner Hannes Aigner, Silber holte sich der Slowake Jakub Grigar.

Eine Riesenbestätigung

Die Wartezeit im Ziel empfand er als "schön", denn man stehe dort mit den Leuten, mit denen man das ganze Jahr kämpfe, die aber Freunde seien. "Du stehst da, erlebst die gleichen Emotionen und freust dich, dass du deinen Traum leben konntest." Vor drei Jahren habe er bemerkt, dass es in Richtung Spiele laufen könne, es sei eine Riesenbestätigung gewesen, dass es zu etwas Großem reichen könne.

Im vergangenen Jahr sei nicht nur Corona eine Herausforderung gewesen, es seien andere belastende Sachen passiert, auf die er nicht eingehen wollte. Die Leistungen zeigen, dass er seinem Trainer sehr dankbar sein k√∂nne. Das ist der Headcoach im Nationalteam, Helmut Oblinger, 2000 in Sydney selbst mit der Erfahrung eines vierten Olympiaranges. Dessen Ehefrau und Olympia-Dritte Violetta Oblinger-Peters ist die Mentalbetreuerin. "Ohne die beiden w√§re es f√ľr mich unm√∂glich gewesen, √ľberhaupt auf den vierten Platz zu fahren."

Mit Mario Leitner hat Oschmautz einen Teamkollegen, einen Superfreund. "Ich bin so dankbar, wie wir das machen. Wir pushen uns gegenseitig. Man f√§hrt gegeneinander mit aller H√§rte, aber es wird nie irgendwas geben, dass man sich nicht aushelfen w√ľrde."

Canoe Slalom - Men's K1 - Semifinal

Seinen Traum leben

Sie seien nun schon zwei Olympia-Qualifikationen gegeneinander gefahren - Leitner war in Rio dabei und 13. - und hätten sich immer ein Appartement geteilt und gemeinsam gekocht. "Bei der ersten hatten wir sogar ein Doppelbett, bei der zweiten schon eigene Zimmer. Es ist schön, wenn man den Sport so ausleben kann und sich nicht bekriegt, weil viel Geld im Spiel ist. Es ist cool, so seinen Traum leben zu können."

Zu verdienen g√§be es nicht viel, und ohne das Bundesheer w√§re Leistungssport in olympischen Disziplinen in √Ėsterreich kaum m√∂glich, meinte er. Die Ergebnisse in Tokio mit Rang vier f√ľr Oschmautz und f√ľnf f√ľr Nadine Weratschnig im Canadier sind beachtlich. "Wir sind ein superjunges Team, da kann das Trainerteam sehr stolz auf die Arbeit sein." Im Kanusport m√ľsse man das, was an Strukturen da sei, f√ľr sich selbst am besten n√ľtzen. Wien sei mittlerweile sein Haupttrainingspunkt, er studiere nebenbei Informatik.

F√ľr Olympia 2023 in Paris wird es die gleiche Zielsetzung geben. "Ins Finale fahren, dann das Finale genie√üen. Es ist ein bisserl der Respekt den anderen Sportlern gegen√ľber. Wenn ich einen Weltklasselauf fahre und wenn drei Leute jeweils eine Hundertstel schneller fahren, sind alle Medaillen weg und ich bin wieder Vierter. Dann ist das auch okay."

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