Bahrain Grand Prix

┬ę Pool via REUTERS / HAMAD I MOHAMMED

Interaktiv

Rekordsaison trotz Corona: Der beste Lewis Hamilton aller Zeiten

Lewis Hamilton war der Dominator der abgelaufenen Formel-1-Saison. Auf dem Weg zum siebenten WM-Titel brach er mehrere Rekorde.

von Stefan Berndl

12/14/2020, 05:00 AM

Die Formel-1-Saison 2020 endete am Sonntag in Abu Dhabi mit dem zweiten Saisonsieg von Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Der alte und neue Weltmeister Lewis Hamilton fuhr hinter seinem Teamkollegen Valtteri Bottas auf Rang drei. Der Brite sicherte sich heuer seinen bereits siebenten WM-Titel, stellte mit Mercedes gleich mehrere Rekorde auf oder ein. Doch die Motorsport-K├Ânigsklasse hatte in den letzten f├╝nf Monaten, bzw. 17 Rennen noch mehr zu bieten. Sei es der Absturz Ferraris, der aufsehenerregende Unfall von Haas-Pilot Roman Grosjean oder auch das politische Engagement des Neo-Weltmeisters.

Eine nicht unwesentliche Rolle in dieser Saison spielte aber nat├╝rlich auch Corona. Mit Sergio Perez und Lance Stroll von Racing Point sowie Hamilton selbst hatten gleich drei Fahrer im Laufe der Saison mit einer Corona-Infektion zu k├Ąmpfen. Letzter fehlte deshalb beim vorletzten Rennen in Sakhir, was ihm auch den Versuch kostete, den Rekord von 13 Siegen in einer Saison einzustellen. Am Ende wurden es elf Erfolge aus 16 Rennen.

Hamilton vs. Schumacher

Doch Hamilton war auch mit einem Saisonrennen weniger das Ma├č aller Dinge. Wieder einmal. Mit seinem vierten WM-Titel in Folge, dem siebenten insgesamt, kletterte er endg├╝ltig auf eine Stufe mit Rekord-Weltmeister Michael Schumacher. Dass er diesen historischen Erfolg einfahren wird, zeichnete sich schon fr├╝h in der Saison ab. Auf dem Weg dorthin brach er dann auch noch einige andere Rekorde. Der KURIER w├╝hlte sich durch die Rennstatistiken dieser Saison und der letzten 30 Jahre. Dabei zeigt sich: So dominant wie heuer war Hamilton noch nie. Er steht damit auch Schumacher zu seiner besten Zeit in nichts nach.

Dabei begann die Saison nicht ganz nach Wunsch f├╝r den 35-j├Ąhrigen Briten: Beim Auftaktrennen in ├ľsterreich musste sich Hamilton mit Platz vier begn├╝gen, der Sieg ging an seinen Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas. Der Finne durfte sich jedoch lediglich ein Rennen ├╝ber die WM-F├╝hrung freuen, danach ├╝bernahm Hamilton das Kommando und baute seinen Vorsprung auf die Konkurrenz kontinuierlich aus. Mit 347 Punkten hatte er schlussendlich 124 Punkte Vorsprung auf den Rest des Feldes.

Mercedes bricht Ferrari-Rekord

Bottas hatte hingegen so seine Probleme und lieferte sich bis zum Ende einen Zweikampf mit Verstappen. Neun Punkte entschieden zugunsten des Finnen. Das ├Ąnderte jedoch nichts an der Dominanz von Mercedes. Das Team unter Motorsportchef Toto Wolff sicherte sich bereits nach 13 absolvierten Rennen den Konstrukteurstitel. Es war der siebente in Folge, womit man auch Ferrari ├╝bertrumpfte, das dies von 1999 bis 2004 sechs Mal schaffte. F├╝r die Scuderia war es hingegen die mit Abstand schlechteste Saison in den letzten Jahren. Platz sechs in der Konstrukteurswertung bedeutete zudem das entt├Ąuschendste Abschneiden seit 1980, als man nur Platz zehn von elf Teams belegte.

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Es sollte nicht der einzige Rekord bleiben, den Mercedes und Hamilton in diesem Jahr erfolgreich brachen. Der Begehrteste war mit Sicherheit der siebente WM-Titel, mit dem der Brite endg├╝ltig mit Formel-1-Legende Michael Schumacher gleichzog. "Ich habe davon getr├Ąumt, als ich jung war. Das jetzt ├╝bertrifft meine Tr├Ąume", war Hamilton in Tr├Ąnen aufgel├Âst, als er im 14. Saisonrennen in Istanbul den Rekordtitel fixierte.

Meiste Siege, meiste Podestpl├Ątze

Hinzu kamen im Laufe der Saison noch die Bestmarken f├╝r die meisten Karriere-Siege und Podestpl├Ątze. Hamilton ├╝bertrumpfte den bisherigen Rekord von Schumacher - dem 91 Erfolge gelangen - deutlich und h├Ąlt nun bereits bei 95 Siegen. Dass er f├╝r die Einstellung des bisherigen Bestwerts 13 Rennen mehr ben├Âtigte als der Deutsche (Schumacher holte seinen 91. Sieg nach 248 Rennen, Hamilton brauchte 261), sei dabei nur eine kleine Notiz am Rande.

Der neue und alte Weltmeister ist nun auch was die Podestpl├Ątze angeht die ewige Nummer eins. Der bisherige Rekord Schumachers lag bei 155 Platzierungen unter den Top 3, Hamilton sicherte sich mit Platz drei beim letzten Saisonrennen in Abu Dhabi seinen bereits 165. Stockerplatz. Damit bewies Hamilton auch seine Konstanz in den letzten Jahren. Seit 2014 gelangen ihm stets zumindest neun Saisonsiege, der letzte Ausfall in einem Rennen ist bereits zweieinhalb Jahre her. Heuer fuhr Hamilton, wenn er startete, immer in die Punkte und zu 87 Prozent unter die besten Drei.

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Unter dem Strich gelang dem Briten mit seinen 11 Siegen in 16 gefahrenen Rennen eine Siegquote von 68,75 Prozent. Damit war er ├Ąhnlich erfolgreich wie Vettel 2013 in seiner Rekordsaison mit 13 Siegen (68,4 Prozent). Nur Schumacher war 2004 bei seinen ebenfalls 13 Saisonerfolgen (72,2 Prozent) etwas besser.

Die Dominanz des Lewis Hamilton

Hamilton agierte jedoch nicht nur konstant erfolgreich, sondern auch dominant. Dazu gen├╝gt ein Blick auf die F├╝hrungskilometer in dieser Saison. Der 35-J├Ąhrige fuhr ab dem zweiten Rennen allen anderen davon, auch seinem Teamkollegen Bottas.

Hamilton f├╝hrte am Ende 3.162 der insgesamt 5.231 absolvierten Renn-Kilometer an. Das sind knapp 60,45 Prozent. Zum Vergleich: Schumacher lag in seiner besten Saison 2004 in Summe rund 61 Prozent der Renn-Kilometer in F├╝hrung. Der Deutsche sicherte sich damals seinen siebenten und letzten WM-Titel.

Auch ├╝ber die gesamte Karriere hinweg gesehen hat Hamilton die Nase vorne: Der Brite f├╝hrte von 2007 bis 2020 bei rund 30,17 Prozent aller gefahrenen Kilometer die Rennen an, Schumacher kam 1992 bis 2012 auf eine Quote von 25,63 Prozent. Ohne sein Kurz-Comeback ab 2010 w├Ąren es hingegen 31,55 Prozent gewesen.

Doch nicht unschlagbar

Die Konkurrenz, sowie Teamkollege Bottas, hatten jedenfalls heuer nur wenig zu melden. Und doch gibt es eine Statistik, die zeigt, dass auch ein Lewis Hamilton schlagbar ist. Denn bei den internen Teamduellen konnte Bottas zumindest Teil-Erfolge erringen: F├╝nf Mal hatte er im Qualifying, vier Mal im Rennen die Nase vorne. Was Hamilton nicht schaffte, gelang hingegen zwei anderen Fahrern: Sowohl Verstappen (Red Bull) als auch George Russell (Williams) blieben in den Qualifying-Duellen mit ihren Teamkollegen makellos. Daniel Ricciardo (Renault) verlor hier nur zwei Mal gegen Ocon.

Dennoch: Hamilton kr├Ânte in der abgelaufenen Saison seine ohnehin schon h├Âchst erfolgreiche Karriere. Ob die Rekordjagd auch n├Ąchste Saison weitergeht, ist noch offen. Der Weltmeister hat noch immer keinen neuen Vertrag f├╝r 2021 unterschrieben. "Ich glaube, dass er noch unerledigte Aufgaben hat", meinte Toto Wolff zuletzt im Interview mit der S├╝ddeutschen Zeitung

Ob und wie es mit Mercedes und Hamilton tats├Ąchlich weitergeht, wird sich also weisen. Sollte er seine Karriere fortsetzen geh├Ârt er jedenfalls auch n├Ąchste Saison zu den Topfavoriten auf den Titel.

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