Ferrari-Pilot Sebastian Vettel

© EPA/Jose Mendez

Sport Motorsport
12/12/2020

Wie die Ferrari-Ära von Sebastian Vettel im Desaster endete

Am Sonntag sitzt der Formel-1-Star zum letzten Mal im Ferrari. Es gleicht einer Erlösung für den dritterfolgreichsten Piloten der Scuderia.

von Philipp Albrechtsberger

Für Millionen Autofahrer bleibt es ein unerfüllter Traum, Sebastian Vettel ist hingegen nur froh, wenn er am Sonntag für immer aus seinem Ferrari steigen darf. „Das Auto und ich werden keine Freunde mehr“, sagt der 33-jährige Formel-1-Star vor dem Großen Preis von Abu Dhabi am Sonntag (14.10 Uhr MEZ).

Es ist das finale Rennen einer ereignisreichen Saison und gleichzeitig der Schlusspunkt für den Deutschen bei der Scuderia – nach sechs Jahren und 118. Renneinsätzen, nach 55 Podestplätzen, zwölf Polepositions, 14 Siegen. Nur Michael Schumacher (72) und Niki Lauda (15) waren in Rot erfolgreicher unterwegs. Und dennoch wird die Ära von Sebastian Vettel in Maranello nicht als Erfolgsgeschichte historisiert werden.

  1. Michael Schumacher (GER) 72 Siege/180 Rennen
  2. Niki Lauda (AUT) 15/57
  3. Sebastian Vettel (GER) 14/117
  4. Alberto Ascari (ITA) 13/27
  5. Fernando Alonso (ESP) 11/96
     

Es ist ein Geschichte, die für den vierfachen Weltmeister mit einem Sieg im erst zweiten Ferrari-Rennen hoffnungsvoll begann, und die nun mit einem 14. oder bestenfalls 13. WM-Rang katastrophal zu Ende gehen wird.

Wie konnte es dazu kommen?

„Hoher Druck darf auch keine Ausrede sein, wenn man seine Ziele verfehlt“, sagt Sebastian Vettel gewohnt selbstkritisch vor seiner letzten Ausfahrt mit der roten Göttin. Der Deutsche hat sich längst abgefunden mit der italienischen Tragödie – degradiert zur Nummer zwei im Team hinter dem aufstrebenden Monegassen Charles Leclerc, vor die Tür gesetzt weit vor Saisonstart.

Ich bin selbst mein schärfster Richter. Wir wollten zusammen Weltmeister werden, und sind es nicht geworden. Deshalb sind wir gescheitert.“

Sebastian Vettel | über seine Zeit bei Ferrari

Die Trennung verlief, wie so oft bei Ferrari, alles andere als einfach. Die oft beschworene, glühende Liebe der Ferrari-Familie ist rasch erloschen, als erste Anschuldigungen und Kommunikationspannen im Fahrerlager die Runden machten. Die Enttäuschung ob der verpassten Ziele war auf beiden Seiten zu groß. Trotz Milliarden-Investitionen – allein an Vettel überwies man in den sechs Jahren mehr als 200 Millionen Dollar Gage – blieb Mercedes uneinholbar. „Wir sind an einer Team-Fahrer-Kombination gescheitert, die eine der besten der Geschichte ist, aber wir wollten es besser machen. Das war unser Anspruch.“

Es gab Momente, da war die Scuderia gut unterwegs. 2017 und 2018 schien Ferrari auf der Überholspur, doch entweder strategische Fehleinschätzungen oder individuelle Patzer spielten den Silberpfeilen in die Karten. Der Ausrutscher beim Heimrennen in Hockenheim 2018, als Vettel in Führung liegend in einen Reifenstapel krachte und die WM-Führung abtreten musste, gilt für viele als Wendepunkt. „Ein kleiner Fehler mit schwerer Wirkung“ sagt Vettel selbst dazu.

Danach reihte sich Fehler an Fehler, schwand das Vertrauen in Mensch und Maschine. „Ich bin selbst mein schärfster Richter. Wir wollten zusammen Weltmeister werden, und sind es nicht geworden. Deshalb sind wir gescheitert.“

So deutliche Worte sind selten geworden im modernen Weltsport. Auch deshalb sind viele froh, dass der strikte Social-Media-Verweigerer (als einziger im Starterfeld) dem Rennsport erhalten bleibt und bei Aston Martin einen Neustart wagt.

Auch Lewis Hamilton begrüßt den Verbleib des 53-fachen Grand-Prix-Siegers. Der gegenseitige Respekt ist mittlerweile groß. Vettel nennt den Dauerrivalen problemlos den „größten Piloten unserer Rennfahrergeneration“. Ein Satz, der Max Verstappen nie über die Lippen kommen würde. Womöglich freut es Hamilton deshalb ein wenig, dass er Vettel einen letzten Gefallen tun konnte. Indem der alte und neue Champion die WM vor dem Niederländer beendet hat, bleibt Sebastian Vettel bish auf weiteres eines: der jüngste Weltmeister der Geschichte.

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