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Sport
03/03/2020

Leere Ränge, leere Kassen: Das Coronavirus hustet auf den Sport

Absagen, Verschiebungen, Wettkämpfe vor leeren Rängen. Sportvereine und Veranstalter sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

von Christoph Geiler, Florian Plavec

Für die einen sind es überlebensnotwendige Maßnahmen, um die Ausbreitung einer tödlichen Krankheit einzudämmen, für andere ist es reine Panikmache. Tatsache ist, dass die Sportwelt durch das Coronavirus oder die Reaktionen darauf in ihren Grundfesten erschüttert wird.

Es vergeht kein Tag, an dem nicht Sportveranstaltungen verschoben oder gar abgesagt werden. Auf die Athleten, die Fans und die wirtschaftlichen Aspekte wird dabei kaum Rücksicht genommen. Leere Ränge, leere Kassen. Ein Überblick:

Motorrad

Die aktuellsten Absagen betreffen die Motorrad-Weltmeisterschaft. Der Saisonauftakt in Katar am 8. März findet am Wochenende ohne die Stars der MotoGP statt. Grund dafür sind massive Einreisebeschränkungen für Personen aus Italien, wo sechs der elf Teams ihren Sitz haben. Die Rennen der Kategorien Moto2 und Moto3 sollen stattfinden, da sich diese Teams schon länger für Testfahrten am Losail International Circuit befinden. Komplett abgesagt wurde der für 22. März geplante Grand Prix von Thailand. Damit startet die MotoGP erst am 5. April in Austin in die Saison.

Formel 1

Noch ist geplant, dass die Formel 1 am 15. März in Melbourne erstmals in diesem Jahr ihre Kreise zieht. Doch auch in der Motorsport-Königsklasse sind Teams wie Ferrari und Alpha Tauri ebenso in Norditalien beheimatet wie Reifenlieferant Pirelli. Die Teams reagieren mit geänderten Anreiserouten und versuchen, Flughäfen wie Dubai, Doha, Singapur und Hongkong zu meiden. Bereits abgesagt wurde der Grand Prix von China. Fraglich ist, ob die Rennen in Bahrain (22. März) und Vietnam (5. April) über die Bühne gehen werden.

Fußball

Das Europa-League-Spiel Inter MailandRasgrad hatte bereits vor leeren Rängen stattgefunden, nun droht auch in der Champions League ein Geisterspiel. Weil in Frankreich inzwischen Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Besuchern untersagt sind, wackelt das Achtelfinal-Rückspiel zwischen Paris SG und Dortmund (11. März), berichtet die Zeitung Le Parisien. Paris-Verteidiger Marquinhos hält wenig davon. „Wenn das so ist, werden wir bitten, das Spiel abzusagen.“

In der Schweiz sind Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen vorerst bis 15. März verboten, weshalb der Ligabetrieb ruht. In Italien rollt der Ball nur in wenigen Stadien. Und auch dort herrschen strikte Vorkehrungen: Beim Match Lecce gegen Atalanta mussten alle Gästefans aus der lombardischen Stadt Bergamo beim Einlass zum Medizincheck. Anhänger mit erhöhter Temperatur durften nicht ins Stadion.

Ski alpin

Die FIS beriet am Montag in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen. Aktuell ist es nur schwer vorstellbar, dass das Weltcupfinale in Cortina (Italien) stattfinden wird. Die Herren fahren am Wochenende in Kvitfjell, nicht jeder begrüßt das. „Ich bin eigentlich dafür, dass man alles absagt“, meinte Peter Schröcksnadel. Ob er das so vor einer Woche auch schon gesagt hätte? Unwahrscheinlich, dass der ÖSV-Präsident einer Absage der Rennen in Hinterstoder so leicht zugestimmt hätte. Das Skigebiet ist in seinem Besitz.

Eishockey

In der heimischen EBEL beginnen am Mittwoch die Viertelfinalspiele. Faustkämpfe bleiben erlaubt, der Handshake nach einer Entscheidung wurde verboten, in manchen Arenen stehen Desinfektionsmittelspender. Absagen oder Spiele ohne Publikum wird es vorerst nicht geben. Play-off-Spiele ohne Zuschauer würden manche Vereine an den Rand des Ruins treiben. In der Schweiz wurde derweil der Beginn der Play-offs verschoben und die Liga bis Mitte März unterbrochen. Geisterspiele wie am vergangenen Wochenende sind auch dort aus wirtschaftlichen Gründen keine Option. Der SC Bern etwa trägt seine Spiele im Schnitt vor 16.000 Fans aus und ist wie alle Vereine auf die Zuschauereinnahmen angewiesen. „Das Publikum in der entscheidenden Phase auszuschließen, wäre fatal“, heißt es seitens der Liga.

Beachvolleyball

Das österreichische Vorzeigeduo Clemens Doppler und Alexander Horst wollte zum Karriereabschluss noch einmal bei Olympia aufspielen. Doch nun gehen den Beachvolleyballern die Qualifikationsmöglichkeiten aus: Fünf von sieben Turnieren vor den Spielen in Tokio wurden abgesagt.

Skeleton

Janine Flock hätte in der kommenden Woche eigentlich den Olympia-Eiskanal in Peking einweihen sollen. Die Jungfernfahrt wurde abgeblasen, die ersten Tests finden nun erst im Herbst statt.

Biathlon

100.000 Tickets waren für den Weltcup in dieser Woche in Nove Mesto bereits verkauft worden. Am Montag beschloss der tschechische Sicherheitsrat, dass die Rennen vor leeren Rängen stattfinden müssen. „Die Widersprüchlichkeiten im Umgang mit dem Coronavirus gehen weiter“, klagt Superstar Martin Fourcade (FRA) auf Twitter. „Fans dürfen nicht kommen, aber es ist offenbar kein Problem, dass der Biathlon-Tross nach Nove Mesto reist, obwohl der vor zwei Wochen noch in Italien war.“

Klettern

Die Route zu ihrer Olympia-Premiere in Tokio hätte die Kletterer über Chongqing und Seoul geführt. Die beiden Weltcupbewerbe in China (Ende April) und Südkorea (Anfang Mai) wurden aus dem Terminkalender gestrichen.

Radsport

133 Radprofis waren bis Sonntag in einem Hotel in Abu Dhabi unter Quarantäne, nachdem zwei Begleiter der UAE-Tour positiv getestet worden waren. Die Veranstaltung wurde vorzeitig abgebrochen, auch die Durchführung des Eintagesklassikers Mailand-Sanremo am 21. März ist fraglich.

Tischtennis

Die Team-WM war ab 22. März in Busan /Korea angesetzt. Sie wurde abgesagt und wird möglicherweise von 21. bis 28. Juni an einem anderen Ort ausgetragen.

Marathon

38.000 Hobbyläufer wurden am Sonntag vom Tokio-Marathon ausgeschlossen, es durften nur die 200 Elite-Athleten starten. In Wien (Marathon am 19. April) „beobachtet man die Situation genau“, wie die Organisatoren des VCM mitteilten. Mehr als 40.000 Teilnehmer aus rund 125 Nationen wollen mitlaufen. Jeder Läufer über die 42,195 Kilometer zahlt zwischen 80 und 110 Euro Nenngeld.

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