Meist obenauf: Die Österreicher bereiteten Freude - und hatten sie auch selbst

© APA/AFP/POOL/DANIEL MIHAILESCU

Sport Fußball
06/27/2021

Rückblick in Rot-Weiß-Rot: Das war Österreichs EM

Erst in der Achtelfinal-Verlängerung gegen Italien war der Weg des ÖFB-Teams zu Ende. Ein Blick auf Hochs und Tiefs

Turbulent startete die Mannschaft von Teamchef Franco Foda ins Turnier: Ein Wolkenbruch empfing die Österreicher am Vorabend des EM-Auftakts in Bukarest, an ein Abschlusstraining in der Arena Nationala war nicht ansatzweise zu denken.

Vor EM-Neuling Nordmazedonien war man gewarnt, seit dieser Deutschland drei Monate zuvor besiegt hatte. Gleichwohl gelang dem ÖFB-Team ein Start nach Maß, als Stefan Lainer in der 18. Minute zur Führung traf.

Die kalte Dusche folgte zehn Minuten später, als Goran Pandev ein Missgeschick der Österreicher zum Ausgleich nutzte. Doch sie blieben am Drücker. Franco Foda setzte weiter auf Offensive, brachte Michael Gregoritsch (58.) und Marko Arnautovic (59.) und bewies ein goldenes Händchen: Gregoritsch stellte auf 2:1 (78.), Arnautovic traf zum 3:1-Endstand (89.).

Helle Aufregung

Was folgte, sollte Gesprächsstoff für die nächsten Tage bieten. Marko Arnautovic rief Ezgjan Alioski nicht gerade freundliche Worte hinterher und war erst von David Alaba zu beruhigen, der handgreiflich werden musste, um den stürmischen Kollegen zu stoppen.

Nach Schlusspfiff bat Arnautovic seinen nordmazedonischen Kontrahenten um Entschuldigung, man sprach sich aus - doch die Sache stand nun einmal in der Welt.

Der nordmazedonische Verband legte nach dem Spiel Beschwerde bei der UEFA ein. Die Kontrollkommission des europäischen Verbandes leitete eine Untersuchung ein, Arnautovic wurde schließlich wegen Beleidigung für das zweite Gruppenspiel gegen die Niederlande gesperrt.

Spitzentanz in Amsterdam

Am 17. Juni startete Österreich personell nur auf einer Position im Vergleich zum Nordmazedonien-Spiel verändert: Michael Gregoritsch begann anstelle von Sasa Kalajdzic. Abermals begann Fodas Mannschaft schwungvoll, nach fünf Minuten forderte Andreas Ulmer nach einer Berührung von Denzel Dumfries im Strafraum Elfmeter - allerdings vergeblich.

Fünf Minuten später trat David Alaba im österreichischen Sechzehner auf Dumfries' Fuß, nach Einsatz des Video Assistant Referee wurde auf Penalty entschieden. Memphis Depay schoss, Tormann Daniel Bachmann ahnte die Ecke, konnte den Ball aber nicht erreichen, Oranje führte mit 1:0 (11.).

Es dauerte eine gute Viertelstunde, bis sich die Österreicher vom ersten Rückstand bei dieser EM erholt hatten. Dann aber scheiterte Christoph Baumgartner an Oranje-Tormann Maarten Stekelenburg, und kurz vor der Pause hatten sowohl Martin Hinteregger wie auch Memphis Depay noch ihre Chancen.

Die 67. Minute brachte das 2:0 der Niederländer durch Denzel Dumfries, mehr als zwei nicht allzu vielversprechende Abschlussversuche bekamen die Österreicher im Finish nicht mehr zusammen.

Die Rückkehr des Hoffnungsträgers

Nach Ablauf seiner Sperre war Marko Arnautovic im dritten Gruppenspiel am 21. Juni in Bukarest wieder mit dabei - und weil der Rasen inzwischen der Schonung bedurfte, konnten die Österreicher abermals kein Abschlusstraining in der Arena Nationala absolvieren.

Gegen die Ukraine drückte Franco Fodas Elf mit Arnautovic in der Startelf aufs Tempo und wurde in der 21. Minute durch das Tor von Christoph Baumgartner belohnt. Wenig später musste der Hoffenheim-Legionär angeschlagen vom Feld, Alessandro Schöpf kam ins Spiel.

Danach folgte nicht mehr viel, die Ukrainer bemühten sich zwar, blieben aber harmlos; die größte Gefahr für den Sieg in Rot-Weiß-Rot erzeugte noch Stefan Lainer, doch Tormann Daniel Bachmann war auf der Hut und konnte das Hoppala ausbügeln.

Somit hatte Österreich als Gruppenzweiter mit sechs Punkten hinter den makellosen Niederländern erstmals ein Ticket für ein EM-Achtelfinale gebucht, die Euphorie war riesig - wie ein Freudentanz von Franco Foda bewies, der ungeahnte Emotionen zeigte.

Das Beste kam zum Schluss

Am Samstagabend dann das finale grande gegen Italien im Wembley Stadium - alles war angerichtet für einen großen Fußballabend. Natürlich abermals auf geschontem Rasen, die Österreicher hatten wieder einmal nicht in einem EM-Stadion die letzten Vorbereitungen absolvieren können.

Weil das angebotene Ausweichstadion mindestens je eine Stunde Busfahrt durch London für An- und Abreise bedeutet hätte, wurde dieses Mal das Abschlusstraining im Camp in Seefeld absolviert.

Ob es das Mehr an Tiroler Höhenluft war, das Franco Fodas Mannschaft zu einem Höhenflug motivierte, ist nicht überliefert. Tatsache aber ist, dass die Italiener - zuvor 30 Spiele lang ungeschlagen - ihre liebe Mühe mit den Österreichern hatten.

Der Favorit diktierte die erste Hälfte, begann nach der Pause aber zu wackeln. Das ÖFB-Team nährte in seinem ersten K.-o.-Spiel bei einer EM-Endrunde mit einer couragierten Vorstellung die Hoffnungen auf eine Sensation. Die beste Möglichkeit gab es aus einem Freistoß, den Alaba aus 17 Metern nur hauchdünn über die Latte drehte (52.).Ein Kopfballtor von Marko Arnautovic wurde nach Überprüfung durch den Video-Schiedsrichter aberkannt (65.).

Ein Elferfoul an Lainer wurde nicht gegeben, weil der VAR wieder eine knappe Abseitsstellung sichtete, und so ging es torlos in die Verlängerung.

Dort stachen dann Italiens Joker, zunächst Chiesa mit dem 1:0 (95.), dann Pessina mit dem 2:0 (105.). Die geschundenen Österreicher bäumten sich auf, Schaub und Sabitzer vergaben Chancen, der eingewechselte Kalajdzic verkürzte auf 1:2 (114.).

Doch zum neuerlichen Ausgleich sollte es nicht mehr reichen. Dennoch: Es war ein gelungener Auftritt dieser Mannschaft bei dieser EM, die erhobenen Hauptes am Sonntagmittag nach Innsbruck zurückreiste.

Im Quartier in Seefeld ging es dann ans große Zusammenpacken. Und nun folgt für viele der wohlverdiente Urlaub nach einer überaus kräftezehrenden Saison, die mit einem fußballerischen Highlight abgeschlossen wurde.

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