Rapid-Präsidentschaftskandidat Roland Schmid

© Kurier/Franz Gruber

Sport Fußball
09/10/2020

Schmid geht als Rapid-Sponsor: "Rote Linie überschritten"

Gegen eine Abschlagszahlung ist Immounited aus den laufenden Sponsor- und Logen-Verträgen ausgestiegen. Umstritten ist der Zeitpunkt

von Alexander Huber

Am 25. November 2019 stand Roland Schmid knapp vor seinem Ziel. Der Immobilien-Unternehmer wollte Rapid-Präsident werden und hatte bei der erstmaligen Kampfabstimmung gegen Konkurrent Martin Bruckner gute Chancen. Aus dem Bruckner-Lager hieß es, „dass sich zu Beginn der Hauptversammlung maximal 50 Prozent der anwesenden Mitglieder für Bruckner entschieden hätten.“ Es ging also um die letzten Unentschlossenen.

Danach verkündete Andy Marek wegen seiner Erkrankung völlig überraschend den nahen Abschied. Schmid erwähnte bei seiner Wahlrede Marek nicht, während Bruckner emotionale Dankesworte an den Klubserviceleiter einbaute. Am Ende hatte Bruckner 53 Prozent, oder 133 Stimmen Vorsprung. Schmid gratulierte und kündigte an, als Sponsor dem Verein erhalten zu bleiben.

Keine Versöhnung

Zehn Monate später kommt es dennoch zur Trennung. Bereits vor Monaten kündigte Schmid an, dass er den laufenden Sponsorvertrag seines Unternehmens „Immounited“ beenden will. Bruckner bedauert, dass er seine Ankündigung, den Verein wieder zu einen, nicht umsetzen konnte.

Auch nach mehreren Gesprächen wäre es nicht möglich gewesen, mit Schmid wieder gemeinsame Sache zu machen. Schmid ist bereits bei einem anderen Traditonsverein eingestiegen: Die Vienna freut sich über die Sponsorgelder von Immounited.

Zur Trennung sagt Bruckner: „Es stimmt, dass es mit Roland Schmid erneut ein Treffen gegeben hat. Bevor es dauerhaften Unfrieden gibt, ist eine Auflösung besser. Diese ist aber noch formal zu klären. Vertragsdetails kommentiere ich nicht.“

Von Roland Schmid heißt es, dass letzte Details der Trennung zu besprechen sind. Noch am Donnerstag könnte es eine offizielle Stellungnahme zum Abschied aus Hütteldorf geben - um 17 Uhr war es dann so weit.

Zwei Varianten

"Der aktuelle Anlassfall der Trennung war das sexistische Plakat beim Hartberg-Spiel im Juni. Für Roland Schmid (wie für andere Rapid-Partner auch) wurde durch die zögerliche und zurückhaltende Vorgehensweise der Vereinsführung eine rote Linie überschritten", heißt es in einer Aussendung.

Trotzdem hätte es "zwei finanziell großzügige Angebote" gegeben. Eine Abschlagszahlung, oder "eines zur Fortführung der Partnerschaft (im hohen sechsstelligen Euro-Bereich, in Summe auf fünf Jahre höher, als im laufenden Vertrag noch fällig gewesen wäre)". Schmid meint: „Die Vereinsführung hat sich für den Exit entschieden. Ich kann mich über die Entscheidung seitens des Vereins nur wundern."

Wie im Wahlkampf gibt es auch bei der zeitlichen Auslegung Differenzen. Das von Schmid erwähnte Spiel gegen Hartberg mit dem Transparent-Eklat war am 21. Juni. In der Rapid-Aussendung zur offiziellen Vertragsbeendigung heißt es: "Mit IMMOunited haben wir bereits seit längerem Gespräche über die weitere Zukunft geführt. Bereits am 3. Juni 2020 wurde der SK Rapid darüber informiert, dass IMMOUnited den Sponsoringvertrag, welcher bis 30. Juni 2021 läuft, beenden möchte."

Vom Verein wird beim Datum "3. Juni" auf einen entsprechenden Aktenvermerk verwiesen, Schmid beruft sich auf die Kündigung am 25. Juni.

Zumindest über den Abschied gibt es Einigkeit: "Im Sinne beider Parteien wurde nun eine faire Lösung gesucht. Beide Vertragspartner haben sich unter Berücksichtigung der endgültigen Abgeltung aller wechselseitigen Ansprüche und Verbindlichkeiten auf eine vorzeitige Auflösung des Sportsponsorings sowie der Logenvereinbarung geeinigt."

Teures Ende

Laut KURIER-Recherchen hat Immounited pro Jahr rund 300.000 Euro eingezahlt.  Dazu hatte Schmid drei Logen, die insgesamt ebenfalls eine sechsstellige Summe kosteten. Rund 200.000 Euro sollen als Kompensationszahlung für die vorzeitige Beendigung aller Verträge fällig werden.

Für frei werdende Logen gibt es eine Warteliste. Zur kürzer werdenden Liste der Sponsoren sagt Bruckner: „Es gibt viele Interessenten und Gespräche. Aber mit dem unsicheren Ausblick bei der Zuschauer-Frage ist es schwer, etwas abzuschließen.“

Offene Sponsor-Fragen

Für Sponsoren macht es einen großen Unterschied, ob in einem vollen Stadion, vor 10.000 Zuschauern oder gar nur bei einem Geisterspiel geworben wird.

Bruckner: „Wir bitten die politisch Verantwortlichen, uns größere Planungssicherheit zu gewähren. Eine Zahl – wir hoffen natürlich auf eine möglichst große – mit der wir länger planen können, würde alles extrem erleichtern.“

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