Martin Bruckner nach seiner Wahl zum Rapid-Präsidenten

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Sport Fußball
11/27/2019

Bruckner über Rapid: "Präsidentenjahre sind Hundejahre"

Nach der Wahl: Martin Bruckner will als Rapid-Präsident viel arbeiten und reden – aber nicht in der Öffentlichkeit.

von Alexander Huber

"Reden, reden, reden." Martin Bruckner kündigt nach seiner Wahl mit 53% und 133 Stimmen Vorsprung auf Roland Schmid eine Kommunikationsoffensive an. Aber nicht in der Öffentlichkeit.

Für den neuen Rapid-Präsidenten geht es darum, Gräben aus dem Wahlkampf zu schließen, enttäuschte Mitglieder einzubinden und auf die Liste Schmid zuzugehen.

"Wenn es kompatible Konzepte gibt, wollen wir sie gerne übernehmen. Wir haben sicher nicht die Weisheit gepachtet", erklärt Bruckner.

Wie ein 96-Jähriger?

"Präsidentenjahre sind Hundejahre", vermutet der neue Boss des größten Sportvereins. Sieben Jahre Lebenszeit wären demnach für ein Jahr an der Klubspitze einzurechnen. Der 54-Jährige will wie Vorgänger Krammer zwei Perioden dienen, also bis 2025. Diese sechs Jahre wären in der Hunde-Rechnung 42. Es ist für Bruckner zu hoffen, dass er sich am Ende nicht wie ein 96-Jähriger fühlt.

"Ich weiß, wie groß die Aufgabe ist, und dass mein Arbeitsaufwand steigen wird", sagt der Vorstand der Allianz-Investmentbank. Auffallen wird das kaum. Bruckner kündigt die "obligate Vorstellungsrunde bei den Redaktionen" an, die Schmid bereits im Frühjahr absolviert hat. "Danach ziehe ich mich aus der Öffentlichkeit zurück."

Rückzug mit Strategie

Interviews, wie sie zuvor Krammer oder früher Edlinger gaben, sollen Seltenheitswert haben. Bruckner, dem auch Gegner zugestehen, völlig uneitel zu sein, hat das Sich-nicht-zu-wichtig-Nehmen sogar ins Wahlprogramm geschrieben. "Der erste Präsident, der nicht mehr operativ tätig ist" wird für den neuen Stil im Ehrenamt angekündigt.

Für die beiden Geschäftsführer Barisic und Peschek sollen lediglich die "Leitplanken definiert" und intern nachgeschärft werden.

Sicherheit für Kühbauer

Tief durchgeschnauft haben wird Montagnacht Didi Kühbauer. Der Trainer wurde von Schmid in einem 90minuten-Interview kritisiert. Unter Bruckner wird Kühbauer auch nach etwaigen Enttäuschungen mit dem aktuellen Rumpfkader bedingungslos durchgetragen werden.

Späte Wende

Intern vermutete das Team Bruckner bei Beginn der Hauptversammlung knapp hinten zu liegen. "Ich habe nicht so gut geschlafen wie sonst und gewusst, dass auch der Montag noch sehr wichtig sein wird", verriet der 54-Jährige. Bruckner schlägt vor, in Ruhe zu diskutieren, "ob der Verein noch einmal so eine Situation mit einer Kampfabstimmung haben will".

Noch nicht abzuschätzen ist, wie der Verein mit dem Rücktritt von Andy Marek umgehen wird. Der schwer erkrankte 57-Jährige, der per Akklamation zum Ehrenmitglied ernannt wurde, will bis Jahresende seine Nachfolge als Klubservice-Leiter regeln.

Nach über 27 Jahren als Stadionsprecher folgt in dieser Funktion der letzte Auftritt beim Heimspiel gegen WSG Tirol Mitte Februar.

Große Aufgabe für Singer

Abseits der Öffentlichkeit war Marek stets das Bindeglied zwischen Verein und Fans. Stefan Singer, der aus der Fanszene kommt, soll sich im neuen Präsidium um den Anhang kümmern. Vermutlich warten auf den 55-Jährigen ohne Marek noch größere Herausforderungen.

"Das ist eine Riesenzäsur für den Verein. Sein Abschied hat mich wie vom Donner gerührt", meinte Bruckner, der in den sechs Jahren bei Rapid in Marek "einen Freund gewonnen" hat: "Deswegen war es mir auch wichtig, einen Teil meiner vorbereiteten Rede zu opfern, um mich bei Andy auf der Bühne zu bedanken."

Diese Geste kam bei den 2.005 wahlberechtigten Mitgliedern sehr gut an und hat wohl letzte Unentschlossene auf Bruckners Seite gebracht.