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Sport Fußball
10/06/2019

Herzog vor Rückkehr: "Gibt Zahlen, die uns zu denken geben“

Israels Teamchef trifft in Wien auf das ÖFB-Team. Zuvor sprach er im Interview über Probleme und seinen Wutausbruch.

von Wolfgang Winheim

103 Länderspiele bestritt Andreas Herzog für Österreich. Am kommenden Donnerstag aber will der 51-jährige Rekordinternationale als Feldherr des Gegners die österreichischen EM-Ziele gefährden. So, wie ihm das beim EM-Qualifikationsspiel mit Israel im März in Haifa gelang – als Herzogs Schützlinge die lässige Spielweise von Marko Arnautovic und Co . gnadenlos bestraften.

KURIER: 4:2 für Israel nach einem Offensivspektakel. Trauen Sie Ihrer Elf auch im Prater einen Triumph zu?

Andreas Herzog: Wir, ich meine Israel, sind immer Außenseiter. Wir können nur überraschen, wenn wir total ans Limit gehen.

Das klingt nach Tiefstapelei.

Nein. Das ist realistisch. Wir spielen stets gegen Teams, die im Ranking 20 bis 40 Plätze vor uns liegen.

Über die FIFA-Weltrangliste, in der Österreich 27. und Israel 86 ist, heißt es, dass sie überbewertet und nur bedingt aussagekräftig sei.

Mag stimmen. Es gibt allerdings auch andere Zahlen, die uns zu denken geben.

Und die wären?

Aus dem Land des Gruppenersten Polen spielen 40 Legionäre in den großen europäischen Ligen. Aus Österreich bis zu 35. Aus Slowenien 7, aus Nordmazedonien 6. Aus Israel nur ein einziger.

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Sie meinen Munas Dabbur, den Salzburg für 20 Millionen nach Sevilla verkaufte?

Munas hat das Pech, dass ihn Leute von Salzburg holten, die inzwischen nicht mehr beim Verein sind. Ähnlich erging’s in Sevilla Max Wöber. Unter dem neuen Trainer war Dabbur bisher zumeist nicht einmal im Kader.

Derselbe Dabbur, der in Spanien kein Leiberl hat, verließ Österreich als Schützenkönig. Spricht das gegen die österreichische Liga? Wie fällt Ihr Vergleich mit der israelischen Meisterschaft aus?

Salzburg wäre auch in der israelischen Liga nicht zu stoppen. Obwohl es auch in ihr technisch sehr gute Spiele gibt. Was ich bedauere, ist, dass sich kein israelischer Verein für die Gruppenphase der europäischen Klubbewerbe qualifiziert hat. Internationale Erfahrung sammeln wäre für unsere Spieler so wichtig.

Nach der Last-Minute-Niederlage in Slowenien hielten Sie vor dem TV-Mikrofon eine Wutrede. In der Kabine sollen die Fetz’n geflogen sein Ihre Spieler sollen angeblich geweint haben.

Es stimmt lediglich, dass ich vorm Mikrofon emotional war. Das musste so sein. Denn immer, wenn die Israelis erfolgreich spielen, neigen sie dazu, übermütig zu werden. Nur deshalb ist das dumme Gegentor in letzter Minute in Slowenien passiert.

Haben die Niederlage in Slowenien und die politische Wahl in Israel Auswirkungen auf die Tätigkeit der Fußball-Österreicher in Tel Aviv?

Nach meiner Wahrnehmung nicht. Der Willi Ruttensteiner macht als Sportdirektor einen tollen Job. Das wurde in Israel erkannt.

Das Säbelrasseln des Iran, wo Israel als Todfeind gilt, wird lauter. Der Konflikt mit der Hamas scheint unlösbar. Plagt Sie vor Ort ein beklemmendes Gefühl?

Ich hatte in Tel Aviv noch nie Angst. Nur vor einem Länderspiel in Albanien war die Situation sehr angespannt.

Gibt es denn nicht bei Auswärtsspielen spezielle Sicherheitsvorkehrungen für Ihre Mannschaft?

Ja. Die bin ich vom US-Team gewohnt. 2013 wurden wir auch zum Match nach Wien von Securitys begleitet.

Am 10.10. wird erst um 20.45 Uhr im Prater angepfiffen. Dürfen Ihre beiden schulpflichtigen Söhne vor Ort sein?

Sofern sie brav sind, ja.

Für wen werden die beiden Admira-Talente die Daumen drücken? Für Österreich oder für ihren Papa?

Ich hoffe doch für mich. Nach der Auslosung sagten sie übrigens noch begeistert: "Super. Dann fahren Österreich und Israel zur EM."

Da werden die Polen aber etwas dagegen haben.

Schaut leider so aus.

In der Schützenliste der EM-Qualifikation liegt immerhin ein Stürmer von Ihnen voran, der seine Länderspielkarriere nach einem Eklat schon beendet hatte. Den Sie aber bei Ihrem Amtsantritt begnadigten und ihm damit ein Comeback ermöglichten.

Eran Zahavi hat in sechs Spielen neun Tore erzielt. Obwohl er immer aus China eingeflogen werden muss. So wie jetzt auch Arnautovic. Aber es gibt einen Unterschied, der Sorgen macht.

Und der ist?

Arnautovic ist mit Schanghai jede Woche im Einsatz. Zahavis Klub hingegen spielt in letzter Zeit leider kaum. Ich hoffe, dass Eran im Urlaub nicht aus dem Rhythmus gekommen ist.