Scharner gegen den HSV, das ist Brutalität

Paul, der nachdenkliche Intellektuelle.
Zwischen Karriereende und Millionenvertrag - für den 33-Jährigen ist alles möglich.

Die Beharrlichkeit von Paul Scharner hat ihn zum Rekordspieler von Wigan und zum aktuellen FA-Cup-Sieger gemacht, ebenso wie zu einem reichen Mann. Das sture Verfolgen von Zielen, die wohl nicht mehr zu erreichen sind, sorgt beim 33-Jährigen aber auch für Probleme – wie beim mehrmaligen und letztlich endgültigen Bruch mit dem Nationalteam.

„Ich fühle mich erpresst“, klagt der HSV-Legionär, von „Krieg“ ist bereits die Rede, nachdem der Verteidiger einen Wechsel zu Premier-League-Aufsteiger Hull nun zum zweiten Mal abgelehnt hat. Scharner fordert die ihm persönlich zugesagte „faire Chance“ ein, der HSV will ihn hingegen loswerden. Doch der Niederösterreicher hat seiner Frau und den drei Kindern versprochen, dass sie nicht noch einmal nach England ziehen müssen.

Wie geht’s weiter? Scharners persönlicher Betreuer Valentin Hobel erklärt: „Nach Pauls Performance im Frühjahr gehen Angebote aus England ein, die ihm den besten Vertrag seiner Karriere garantieren würden. Aber ich finde es auch schön, dass es noch Spieler gibt, denen die Familie wichtiger als Geld ist.“

SMS-Degradierung

Scharner ist nach einer Wadenverletzung wieder fit und will im Training beweisen, dass er die wacklige HSV-Defensive stabilisieren kann. Doch Sportdirektor Oliver Kreuzer verbannte den Routinier zu den Amateuren. „Per SMS, drei Stunden nachdem er Paul eine Chance versprochen hatte“, klagt Hobel.

Kreuzer sorgte bereits bei seinen Jobs in Österreich für Verwirrung: In Salzburg kündigte er mehrmals die Verpflichtung von Wunschspieler Keita an – der aber nie kam. Ähnlich lief es bei Sturm, als Kreuzer den Transfer von Jelavic prophezeite, während dieser bei Rapid verlängerte. Der HSV überprüfte am Mittwoch übrigens Scharners Teilnahme am Amateure-Training. Ein Nichterscheinen hätte die fristlose Kündigung zur Folge. „Dieses Vorgehen entsetzt Paul“, sagt Hobel. „Ich schließe nicht mehr aus, dass er aus Frust alles hinhaut und aufhört.“

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