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Sport Fußball
07/06/2020

Aufreger und Spaßmacher einer ungewöhnlichen Bundesliga-Saison

Diese Spielzeit entwickelte sich zu einer 355 Tage lang dauernden Ganzjahresmeisterschaft, die es in sich hat.

von Günther Pavlovics, Harald Ottawa, Alexander Huber

Es wird die längste Saison in der Geschichte der Bundesliga. Salzburg startete mit einem 2:0 bei Rapid am 26. Juli 2019 das Projekt Titelverteidigung. 345 Tage später gab es den finalen 3:0-Erfolg beim LASK. Abgepfiffen wird aber erst am Mittwoch, den 15. Juli, nach der Entscheidung im Europacup-Play-off. Die Saison dauert also nach 62 Tagen Winter-Pause und 86 Tagen Corona-Pause gesamt 355 Tage – sie wird als erste „Ganzjahresmeisterschaft“ in Erinnerung bleiben. Der größte Aufreger war ein unfairer Pausenfüller des LASK.

Daumen runter: Der Selbstfaller der Corona-Schwindler

Der LASK hätte nichts dagegen gehabt, wäre die Meisterschaft nach dem Grunddurchgang abgebrochen und der Führende zum Meister erklärt worden. Aber die anderen Klubs wollten weiterspielen, die Bundesliga feilte mit dem Gesundheitsministerium an einem Hygienekonzept. Der LASK pfiff auf Kleingruppentraining mit Distanz, setzte schon vor der gesetzlichen Erlaubnis auf Mannschaftstraining mit Kontakt. Der Strafsenat wertete das schwere Foul am Fair-Play-Gedanken mit sechs Punkten Abzug. Das Protestkomitee verringerte auf vier. Für den LASK ging der Schwindel aber nach hinten los – Absturz auf Platz vier, ohne Abzug wäre man auch nur Dritter geworden.

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Daumen hoch: Meister-Krone auch in der Coronale

Salzburg beeindruckte vor allem mit den Leistungen nach der Corona-Pause. Anfang des Jahres hatte man nach einem starken Herbst noch geschwächelt, zumal im Winter mit Haaland (16 Tore) und Minamino Schlüsselspieler verkauft wurden. Daka und Szoboszlai sprangen ein.

Der 19-jährige Ungar wurde von den Präsidenten, Managern und Trainern aller Bundesligavereine zum besten Spieler der Saison gewählt.

Daumen runter: Rapid fiel transparent aus dem Rahmen

Transparenz hatte diese Saison bei Rapid eine besondere Bedeutung. Erst beleidigte die Fanszene im Cup gegen Salzburg den Ex-Rapidler Max Wöber und dessen Familie. Kurz darauf las man „So ist Rapid nicht. Sorry Fam. Wöber!“ Daraufhin verschafften sich Ultras Zutritt zur VIP-Loge von Nachwuchssponsor Tojner und entfernten dieses Transparent. „Block West“ und – mit der zögerlichen Reaktion – Verein schafften es sogar, sich bei einem Geisterspiel transparent ins Macho-Eck zu bringen mit einem extrem frauenfeindlichen Reim.

Dabei schien der Präsidentschaftswahlkampf mit seinen vielen Aufregern kaum noch zu überbieten.

Daumen hoch: Rapid fiel sportlich aus der zugedachten Rolle

Salzburg, LASK und WAC prägten den Herbst. Vor allem emotionell, auch aufgrund der Auftritte im Europacup. Rapid blieb in Schlagdistanz. Nach der Corona-Pause steckten die Hütteldorfer alle Rückschläge weg (wie drei verletzte Routiniers beim Start in Salzburg, oder der 2:7-Rekordpleite gegen den Meister) und wurde mit einer jungen (Rumpf-)Truppe sensationell noch Vizemeister.

Der Punkteschnitt war zuletzt vor fünf Jahren höher.

Daumen runter: Sturms Personalfiasko

Mit einem Bier begossen Sturm-Präsident Christian Jauk und Sportchef Günter Kreissl ihre Versöhnung. Zuvor waren beide Herren wie begossene Pudel dagestanden. Die „Ich hab’ dich eh lieb“-Story: Kreissl verlautete, Sturm im Sommer verlassen zu wollen. Jauk bestätigte daraufhin, dass Kreissl ab Sommer nicht mehr als Geschäftsführer zur Verfügung stehen werde. Kreissl konterte: „Ich halte das Verhalten des Präsidenten für unprofessionell.“ Im April übernahm Andreas Schicker Kreissls Job. Der Vorgänger kehrt im Herbst nach einer emotionalen Achterbahnfahrt samt Auszeit als Technischer Direktor zurück.

Daumen hoch: Happy End für Farkas und seine Krankengeschichte

Im Oktober schockte die Meldung, dass Patrick Farkas im Training zusammengebrochen ist. Zwei Monate danach erklärte der 27-Jährige, dass er einen Schlaganfall erlitten hatte. Vier Monate später feierte der Rechtsverteidiger sein Comeback. Ein Happy End in allen Belangen.

Daumen runter: SKN St. Pölten litt an Gelbsucht und Rotlauf

Der böseste Bub kommt von der Admira: Zwölf Gelbe Karten für Roman Kerschbaum! Kollege Hjulmand folgt mit elf Gelben. Im „Best of Böse“ hat aber St. Pölten die Nase vorne, weil zu 87 Gelben noch fünf Gelb-Rote und vier Rote Karten gekommen sind.

Nur bei zwei Klubs wurde kein Spieler ausgeschlossen: Bei Mattersburg und Rapid.

Daumen hoch: Bus-Rückfahrten mit ungewohnter Stimmung

Das Ende des Heimvorteils könnte negativ beurteilt werden. Andererseits: So fröhlich waren die Rückreisen im Mannschaftsbus noch nie. Bereits vor der Corona-Pause gab es 52 Auswärtssiege und nur 47 Erfolge vor den eigenen Fans. Bei den Geisterspielen wurde es extrem: Die Teams der Quali-Gruppe haben insgesamt sechs Siege mehr in der Fremde geholt, in der Meistergruppe waren es sogar zehn. Den größten Unterschied gibt es beim LASK, der auswärts 13 Siege feierte – sieben mehr als in Pasching.

Daumen runter: El Maestro, meisterlich nur als Rumpelstilzchen

Wie der Herr, so das G’scherr. Sturm ist mit zehn Gelben Karten in der Kategorie „Kritik“ Spitzenreiter. Zumal auch Trainer Nestor El Maestro zu Verhaltensauffälligkeiten neigte. Die Spitze des Ausrastens erklomm er im September in Mattersburg (3:3).

Erst trat er gegen die Tribüne, dann nahm er dem Schiedsrichter den Ball weg, um ihn wegzupfeffern, danach trat er im Kabinentrakt einiges um. Schließlich trat er im Interview gegen die Schiedsrichter im Allgemeinen nach.

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