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Sport Fußball
10/15/2019

Foda gegen Koller: Was die beiden EM-Qualis unterscheidet

Österreich winkt nach 2016 die zweite EM-Teilnahme in Folge. Wie hat sich die Mannschaft in dieser Zeit entwickelt?

von Alexander Strecha, Christoph Geiler

Ein Pünktchen im Heimspiel gegen Nordmazedonien (16. November) genügt schon, und Österreich darf zum zweiten Mal aus sportlichen Gründen an einer Europameisterschaft teilnehmen. Anlässlich der Premiere vor vier Jahren unter Teamchef Marcel Koller waren die Tickets für das letzte Heimspiel gegen Liechtenstein in kürzester Zeit vergriffen. Auch diesmal wünschen sich Spieler wie Trainer ein Happel-Stadion ohne leeren Platz. "Wenn das Stadion nicht voll ist, verstehe ich die Welt nicht mehr", lautet der Aufruf von Teamchef Franco Foda an die österreichischen Fans.

Vier Jahre liegen zwischen der erfolgreichen Qualifikation für die Endrunde in Frankreich und der eigentlich nicht mehr verspielbaren Qualifikation für die EM 2020. Was unterscheidet das Team der Stunde von den gefeierten Helden von damals? Wie hat sich die Mannschaft in dieser Zeit entwickelt? Was läuft anders? Wo sind Parallelen?

Teamkader

Marcel Koller hatte einen Stamm an Spielern, dem er bedingungslos vertraute. Zu bedingungslos, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. 20 Spieler setzte der Schweizer im Laufe der EM-Quali ein. Sein Nachfolger Franco Foda hat in den ersten acht Partien bereits 25 Spielern das Vertrauen geschenkt. Wegen Verletzungen teils notgedrungen, teilweise auch, weil sich einige Fußballer (wie Torschütze Posch) während der Qualifikation aufdrängten. Die angenehme Folge ist, dass sich die Spieler 12 bis 23 heute mehr wertgeschätzt und viel näher an der Stammelf fühlen als noch unter Koller.

FUSSBALL-EM-QUALIFIKATION: SLOWENIEN - ÖSTERREICH

Euphorie

Bei der EM-Qualifikation 2016 war das Happel-Stadion praktisch immer ausverkauft. Nur gegen Montenegro (44.200) blieben einige Sitze frei. Der ÖFB durfte damals in den fünf Heimspielen 237.200 Zuschauer begrüßen und sich über Rekordeinnahmen freuen. Der Vergleich ist ernüchternd: In dieser Quali lag der Rekordbesuch bisher bei 40.400 Fans (gegen Polen). Zu den vier Heimspielen kamen insgesamt nur 102.100 Besucher.

Die Gründe der nicht dermaßen spürbaren Euphorie sind vielfältig. Einerseits tritt der Teamchef in all seiner Nüchternheit stets auf die Bremse, um persönlichen Überraschungen vorzubeugen. Andererseits scheint der Fußballfan aktuell von den Europacup-Auftritten der Klubs verwöhnt zu sein. Und eine Qualifikation für eine EM wäre jetzt keine Premiere mehr, sondern etwas schon Erlebtes, wenngleich man nicht von einer Routine sprechen darf.

Fu§ball, Oesterreich - Israel

Flexibilität

Einhergehend mit der größeren Breite im Kader wurde auch die Bandbreite der taktischen Ausrichtungen im Vergleich zum System Koller größer. Der Schweizer ließ über Jahre ein 4-2-3-1 praktizieren, eine Ausrichtung, die Foda neben anderen Systemen auch im Repertoire hat. Was beide Teamchefs vereint, ist jedoch der Umstand, dass David Alaba kaum als Linksverteidiger, sondern meist im Mittelfeld aufgestellt wird.

PG ÖFB UND ZENTRALE RAIFFEISENWERBUNG: ALABA/ARNAUTOVIC

Die Spieler betonen wiederholt, dass das Team nun besser in der Lage sei, taktische Ausrichtungen auch im Spiel zu adaptieren und auf den Gegner flotter zu reagieren. Die EURO 2016 darf als Anschauungsunterricht hergenommen werden, wie man sich vom Gegner (Ungarn) überraschen ließ und gegen Islnd ein nicht erprobtes System versucht.

  • Noch zu spielen

15. 10., 20.45: Israel – Lettland.
16. 11.: Österreich – Nordmazedonien, Slowenien – Lettland, Israel – Polen.
19. 11.: Lettland – Österreich, Polen – Slowenien, Nordmazedonien – Israel.

  • Österreich spielte

Polen  0:1, in Israel 2:4, Slowenien 1:0, in Nordmazedonien 4:1, Lettland 6:0, in Polen 0:0, Israel 3:1, in Slowenien 1:0.

  • Modus

Die ersten Zwei der zehn Gruppen fahren zur EM. Bei Punktegleichheit zählt der direkte Vergleich.

Exotische Stürmer

Damals stürmte Marc Janko in Sydney, aktuell läuft Marko Arnautovic in Schanghai dem Ball hinterher. Aufgrund der Qualität dieser Ligen gerät ein Spieler in Versuchung, nicht immer ans Limit zu gehen, ein allzu menschlicher Zug bei aller Professionalität. Der ÖFB wäre vielleicht gut beraten, Arnautovic im Frühjahr 2020 einen Personal Coach in China zur Seite zu stellen, damit er die nötige Physis mitbringt, um in das gewünschte temporeiche Spiel mit Phasen des Angriffspressings eingebunden zu werden.

TRAINING DES ÖFB-TEAMS IN STEGERSBACH: KOLLER/JANKO

Reife

Die aktuelle Mannschaft erscheint eine Spur reifer als das Team von 2016, da viele Spieler – manche trotz ihres jungen Alters – schon über einen längeren Zeitraum in Top-Ligen engagiert sind. Der Auftritt in Slowenien war jetzt vielleicht kein Spektakel, er bestach aber durch Cleverness und kühles Kalkulieren im hitzigen Geschehen.

Knappe Siege

Damals schlug man Russland zwei Mal mit 1:0, diesmal brachte dieses Resultat gegen Slowenien sechs wichtige Punkte.