Österreich bot bei der EM gegen Italien eine starke Leistung, schied aber aus 

© Pool via REUTERS/JUSTIN TALLIS

Sport Fußball
11/16/2021

Ein Rückfall in die Mittelmäßigkeit? Die ÖFB-Bilanz im Jahr 2021

Die EURO war das Highlight. Davor und danach verschwand Österreichs Nationalteam jedoch in der Mittelmäßigkeit.

von Alexander Strecha

Man muss bei der Betrachtung das große Ganze im Auge behalten. Also sprach Franco Foda, Teamchef der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft. Der Deutsche ist seit dem Spätherbst 2017 im Amt und blickte vor dem Spiel gegen die Republik Moldau auf seine bisherige Regentschaft zurück und orte dabei in erster Linie Positives.

„Wir haben sehr viel erreicht“, gab er zum Besten und verwies dabei auf die Qualifikation für die EURO, die Endrunde selbst, bei der Österreich erstmals die Gruppenphase bei einem Turnier dieser Art überstand, und freilich den Sieg in der Nations League, der den Aufstieg in die Liga A bedeutete, in der man nächsten Juni und September geigen darf. Alles paletti, könnte man meinen.

Mitnichten.

Denn das Jahr 2021 machte bestenfalls Werbung für das Fernbleiben der Fans, für geschwundenes Interesse an der wichtigsten Fußballmannschaft des Landes bis hin zur typisch österreichischen Wurschtigkeit, für eine Ernüchterung in der Betrachtung der Ergebnisse und Leistungen. Das Jahr steht irgendwie sinnbildlich für die Ambivalenz der Ära Foda. Im Sommer hui, im Frühjahr und im Herbst pfui.

Sein und Schein

Foda könnte bei etwas Glück einer der erfolgreichsten Teamchefs in der österreichischen Fußballgeschichte werden, wenn er das Team nach der EM auch noch zur WM 2022 in Katar führt. Auf der anderen Seite aber vermochte Österreich unter Foda in Pflichtspielen keinen Gegner zu schlagen, der zu diesem Zeitpunkt in der Weltrangliste besser klassiert war. Lediglich in drei Testspielen gelang dies mit Siegen über Uruguay (2:1 im November 2017), Deutschland (2:1 im Juni 2018) und Schweden (2:0 im September 2018).

Der erhoffte Schwung durch die EURO im Sommer 2021 verpuffte schon im September mit ernüchternden Spielen in der WM-Qualifikation, die endgültig Österreichs Schicksal besiegelten und nur noch eine Teilnahme durch die Hintertür Play-offs offen ließen.

Nach zwei gelungenen EM-Auftritten gegen die Ukraine und Italien sahen Spieler wie Betreuer darin den Maßstab, den man künftig anlegen sollte in der Beurteilung der Mannschaft. Man möchte sich ab sofort wieder nach oben orientieren, sprich auch bessere Nationen herausfordern und bezwingen.

Wenige Monate später hebt man die Bedeutung eines Sieges gegen Israel hervor und begibt sich damit automatisch selbst wieder auf ein niedrigeres Niveau als eigentlich angestrebt.

Mittelmaß aller Dinge?

Selbst so mancher Teamspieler befürchtet einen Rückfall in die Mittelmäßigkeit, auch aufgrund der wenig professionellen Struktur im ÖFB. Die war immer wieder Anlass für Diskussionen und Wortgefechte. Nach den März-Länderspielen, die einer Offenbarung glichen, musste vor der EURO interveniert werden, man machte Foda klar, dass er sein Verhältnis zu den Spielern abändern sollte. Viele der Schützlinge stehen nach außen zum Teamchef, intern lästern sie immer wieder, zeigen aber zu wenig Charakter, um auf den Tisch zu hauen. Diese Mannschaft benötigt jetzt dringend eine klare Hierarchie mit mehr Spielern, denen an der Einheit gelegen ist.

Franco Foda nimmt es zumindest öffentlich recht locker. „Mir gefällt es in Österreich, ich kenne die Mentalität. Wir haben keine gute WM-Qualifikation gespielt, dennoch kann ich dieses Schwarz-Weiß-Denken nicht nachvollziehen.“ Und er verweist auf den März. „Wenn wieder alle fit sind, ist vieles möglich.“

Auch die WM.

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