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Kommentar
10/18/2021

ÖFB-Teamchefsuche: Wo Mut und Strategie auf der Strecke bleiben

Seit Ewigkeiten läuft die Trainerbestellung nach ein und demselben Schema ab. Wo bleibt die Fantasie?

von Andreas Heidenreich

Franco Foda darf Teamchef bleiben. Zumindest noch für die beiden bevorstehenden Länderspiele im November. Darauf hat sich Gerhard Milletich am Sonntag, zwei Stunden nach seiner Wahl zum neuen ÖFB-Präsidenten, festgelegt. Nachsatz: "Er könnte ja erfolgreich sein." Mit Verlaub: Er sollte. Die Gegner heißen Israel und Moldau, gespielt wird jeweils vor eigenem Publikum. Sofern dieses nach den jüngst gezeigten Leistungen auch ins Stadion kommt.

In die Aussage des neuen Präsidenten ließe sich hineininterpretieren, dass jeweils drei Punkte der Nummer 29 der Welt (Österreich) gegen die Nummer 80 (Israel) und 180 (Moldau) die Ära Franco Fodas noch verlängern würden. "Er könnte ja erfolgreich sein", klingt nicht nach hohen Ansprüchen, die aber durchaus angebracht wären. Und es klingt ein wenig nach Ratlosigkeit. Und das ist mehr als nur Interpretation.

Rat- oder Planlosigkeit, bedingt durch die Tatsache, dass der gewohnte Weg bei der Teamchefsuche im Moment nicht beschritten werden kann. Diese läuft in Österreich seit Ewigkeiten nach ein und demselben Schema ab: Der Verband prüft, wer von den üblichen Verdächtigen gerade erfolgreich und verfügbar ist. Wer darüber hinaus auch noch leistbar ist, hat gute Karten. Ein Blick auf die bevorzugte Spielidee der jeweiligen Kandidaten könnte sich lohnen, war aber zumindest bei der letzten Wahl offenbar kein Thema.

Abgesehen vom Gehaltsgefüge, das bei Gladbach (Hütter), Frankfurt (Glasner), Southampton (Hasenhüttl), ja selbst bei Ferencvaros Budapest (Stöger) ein ganz anderes ist als bei Sturm Graz oder dem ÖFB, spießt es sich im Moment wohl am Thema der Verfügbarkeit. Der Persilschein für Franco Foda könnte damit zu tun haben. Und damit, dass man so gar nicht vorbereitet wirkt auf die gegenwärtige Situation, die nur bedingt überraschend kommt.

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Keine Trainerförderung

Was fehlt, sind Strategie, Mut und Innovation. Etwa mit vermehrtem Blick in die eigene, kompetenzorientierte Trainerausbildung, aus der man die jeweils besten Absolventen binden könnte. Wie man den Trainer der Zukunft im eigenen Haus aufbaut, demonstriert etwa Salzburg nicht erst seit Matthias Jaissle. Dass es nicht nur im Klubfußball möglich ist, zeigen Verbände: In England wurde Frauen-Teamchef Southgate befördert und landete im EM-Finale. In Nordmazedonien rückte nach der EURO der U-21-Teamchef auf.

Ein Modell, das nicht nur Ablösesummen spart, sondern vor allem dann funktionieren kann, wenn man eine einheitliche Spielphilosophie verfolgt. Doch auch davon ist man im Moment weit entfernt. Während sich das A-Team in Kopenhagen in der eigenen Hälfte versteckt und zu null Torschüssen mauert, attackiert und spielt die U-21 aggressiv nach vorne und die U-17 mit viel Ballbesitz in die Breite. Sie alle hatten zuletzt nur eines gemein: empfindliche Niederlagen.

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