Es war einmal: Herbert Prohaska 1980 im Dress von Inter Mailand

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Sport Fußball
08/21/2020

Chianti oder Rioja? Prohaska, Polster und das Europa-League-Finale

Toni Polster und Herbert Prohaska sprechen über ihre Ex-Klubs FC Sevilla und Inter Mailand und diverse Schmankerl

von Alexander Strecha, Wolfgang Winheim

Sie spielten einst für die jetzigen Finalisten der Europa League: Herbert Prohaska trug von 1980 bis 1982 das Trikot von Inter Mailand, Toni Polster ging von 1988 bis 1991 für den FC Sevilla auf Torejagd. Heute verfolgen Sie aus der Distanz das Geschehen.

KURIER: Chianti oder Rioja?
Herbert Prohaska:
Beides! Da ich mich beim Rioja nicht so auskenne, nehme ich den Chianti.
Toni Polster: Rioja, schließlich habe ich auch ein Jahr lang in Logroño gespielt, im Zentrum des Rioja-Gebietes.

Antipasti oder Tapas?
Prohaska: Das sind ja unfaire Fragen. Mir schmeckt beides. Aber Sie brauchen eine Entscheidung, oder?

Das wäre sehr entgegenkommend von Ihnen.
Prohaska: Ok, dann sage ich diesmal Tapas.
Polster: Tapas. Nein, in Wahrheit auch beides. Ich bin ja ein Feinspitz.

Dolce Vita oder Siesta?
Prohaska: Das mediterrane Leben ist generell fein.
Polster: Siesta. Es gibt kaum was Angenehmeres, als sich a Dreiviertelstund’ auszuruhen.

Warum sind Mailand und Sevilla Top-Städte?
Prohaska: Wir haben ja damals nicht direkt in Mailand gewohnt, sondern etwas außerhalb. Das Zentrum von Mailand ist sehr schön, ansonsten hat es eben den Charme einer Industriestadt.
Polster: Sevilla ist die heißeste Stadt Europas. 40 Grad sind keine Seltenheit. Für manche Leute ist das kaum auszuhalten. Aber ich bin ja ein Sonnenkind.

Was macht Inter Mailand und den FC Sevilla aus?
Prohaska: Ich glaube, die Mannschaft ist von Trainer Conte perfekt eingestellt. Sie verlassen sich auf die Klasse ihrer Stürmer, lassen aber in der Defensive wenig zu, wie man gegen Donezk gesehen hat. Es ist schwer, ihnen ein Tor zu schießen.
Polster: Sevilla hat heißblütige Fans. Und der Klub bringt es immer wieder z’samm, junge Südamerikaner zu entdecken, sehr gut auszubilden und dann teuer zu verkaufen.

Was würde der Titel für den Klub bedeuten?
Prohaska:
Nach dem Vizemeistertitel in Italien würde der Titel die Saison fast perfekt machen. Conte könnte dann den Druck erhöhen und Verstärkungen einfordern. Aber die entscheidende Personalie bei Inter ist Mannschaftsbetreuer Oriali, mein Freund, der mit Conte wieder zu Inter zurückgekehrt ist (lacht). In der Rangfolge kommt Oriali, dann Conte und erst danach der Präsident von Inter.
Polster: Die Europa League ist offensichtlich wie geschaffen für Sevilla. Ich traue ihnen den vierten Pokal zu. Ich würd’s auch dem Monchi vom Herzen gönnen. Der war zu meiner Zeit unser Ersatztorhüter und hat jetzt als Sportdirektor ein goldenes Händchen. Es wäre toll für ganz Andalusien, umso mehr, da Real und Barcelona in der Champions League ausgeschieden sind. Sevilla kann die Ehre des spanischen Fußballs retten.

Welcher Spieler macht bei Inter und Sevilla den Unterschied aus?
Prohaska: Romelu Lukaku. Wobei auch der zweite Stürmer, Lautaro Martínez, in Bestform agiert. Lukaku besticht durch seinen wuchtigen Körper, ist aber dennoch pfeilschnell. Wenn er einmal Fahrt aufnimmt, ist er fast nicht zu stoppen.
Polster: Éver Banega. Ein unfassbar guter Kicker. Der Argentinier ist schon zwölf Jahre bei Sevilla. Er wird Sevilla sehr fehlen, wenn er nach Saudi-Arabien geht.
 

Erzählen Sie doch eine Anekdote aus Ihrer Zeit damals bei Inter und Sevilla.
Polster: Mein Sevilla-Vertrag war abgelaufen. Zu Real Madrid hat’s zwar Kontakt und mit Atlético-Präsident Jesús Gil Verhandlungen gegeben. Aber dann wollte ich meine kostenlose Freigabe von Sevilla nutzen und bin zu Logroñes gewechselt. Schon in der zweiten Runde musste ich mit meinem neuen Verein zu meinem alten ins Pizjuán-Stadion nach Sevilla, während – was ganz, ganz selten vorkommt – zur gleichen Zeit der Stadtrivale Betis ebenfalls daheim in Sevilla spielte. Als mir gegen den FC Sevilla das Siegestor zum 1:0 gelungen ist, haben’s das sofort im Betis-Stadion verkündet. Worauf die Betis-Fans meinen Namen gesungen haben, während man im Pizjuán-Stadion eine Stecknadel hat fallen hören können.
Prohaska: Nein, die G’schicht mit dem Adriano Celentano habe ich schon 1000 Mal erzählt*. Ich wähle somit meine damalige Vertragsverhandlung mit Inter.

Dann schießen Sie los.
Prohaska: Wir waren uns in allen Punkten einig. Nur wollte ich eine Klausel für eine mögliche Heimkehr nach Österreich um drei Millionen Schilling. Inter war perplex und verweigerte die Klausel. Dann habe ich gesagt, als Zeichen meiner Treue zu Inter hätte ich gerne einen Zehnjahresvertrag. So schnell habe ich nicht schauen können, da haben sie mir die Klausel in den Vertrag geschrieben.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem früheren Klub?
Prohaska: Zu Oriali. Zuletzt habe ich mit ihm bei Ausbruch der Corona-Pandemie telefoniert, weil ich besorgt war. Er hat mir dann von dem Wahnsinn in Norditalien erzählt, dass Ärzte entscheiden müssen, wer stirbt und um wem gekämpft wird.
Polster: In Sevilla lieben’s mich noch heute. Für’s Trainerpraktikum war ich gemeinsam mit Michael Angerschmid und Oliver Glasner bei Sevilla einige Tage zu Gast. Das ist leider auch schon länger her.

Spielt die Geisterkulisse im Finale eine Rolle?
Prohaska: Sie ist zumindest nicht völlig egal. Heimvorteil gibt es keinen, auch für die Schiedsrichter wird es angenehmer sein, wenn sie von den Rängen nicht dauernd kritisiert werden.
Polster: Die Geisterkulisse wird für keinen Klub ein Vorteil sein. Aber schön, dass Sevilla in einem Heimstadion von mir, in Köln, das Finale spielt. Ich hoffe, dass sich meine Andalusier in Köln genau so wohl fühlen wie früher ich beim FC.

* Und nun zum 1001. Mal die Geschichte von Adriano Celentano: Signor Prohaska speiste einst mit seiner Frau beim Italiener – no-na in Mailand – und erblickte wenige Tische entfernt Sänger- und Schauspielstar Adriano Celentano. Prohaska wollte unbedingt ein Autogramm, seine Frau gemahnte, Signor Celentano in Ruhe speisen zu lassen. Da kam der Kellner an Prohaskas Tisch: „Entschuldigen Sie die Störung, doch der Herr Celentano hätte gern ein Autogramm von Ihnen.“

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