FUSSBALL TIPICO BUNDESLIGA QUALIFIKATIONSGRUPPE: FK AUSTRIA WIEN - FC FLYERALARM ADMIRA

Klaus Schmidt

© APA/HANS PUNZ / HANS PUNZ

Interview
05/08/2021

Admiras Retter? "Ein Abstieg ist die wirtschaftliche Katastrophe"

Im Duell der Trainer-Rückkehrer trifft Klaus Schmidt auf den SKN mit Gerald Baumgartner. Der Admira-Coach ist nachdenklich.

von Christoph Geiler

Im Februar 2020 wurde Klaus Schmidt von der Admira beurlaubt. In der Abstiegsnot griff der Klub auf den steirischen Ex-Coach zurück, der ohnehin immer noch auf der Gehaltsliste der Niederösterreicher stand. „Es ist schon ein seltsames Gefühl, nach so kurzer Zeit wieder zurückzukehren."

KURIER: Haben Sie je überlegt, ob das wirklich eine gute Idee ist?

Klaus Schmidt: Mir war wichtig, dass wir, bevor ich das mache, noch einmal über die Vergangenheit reden. Ich habe im ersten Gespräch mit den Verantwortlichen der Admira gleich reinen Tisch gemacht.

Wie kann man sich das vorstellen?

Indem ich eben all die Dinge angesprochen habe, die damals nicht korrekt abgelaufen sind. Das habe ich den Leuten  ehrlich und direkt präsentiert, und das haben sie auch so akzeptiert. Zugleich habe ich aber auch klargestellt, dass ich kein nachtragender Mensch bin.

Sie haben die Vergangenheit also noch einmal aufgearbeitet?

Ich habe ein Jahr lang den Mund gehalten und kein öffentliches Statement abgegeben. Da hat sich einiges in mir aufgestaut, und in diesem Gespräch habe ich dann alles rausgelassen. Aber das ist sehr korrekt abgelaufen.

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Und wenn der Verein glaubt und davon überzeugt ist, dass ich in dieser Situation der Richtige bin, der dem Ganzen noch einen letzten Punch  geben kann, dann mache ich es.

Sehen Sie das Engagement als Bestätigung, dass Sie vielleicht doch nicht so schlecht gearbeitet haben?

Wenn sie bei der Admira der Meinung wären, dass ich ein so schlechter Trainer war, dann würde ich heute nicht dasitzen. Ich sehe die Rückkehr als gewisse Anerkennung und auch als Respekt vor meiner Arbeit. Und natürlich hat das meiner Seele gutgetan. So ehrlich bin ich.

Ist es ein Vorteil, dass Sie die halbe Mannschaft kennen und wissen, wie alle ticken?

Wenn man einen Tag nach der Bestellung bereits ein Spiel hat, definitiv. Ich glaube, dass es fahrlässig gewesen wäre, in dieser Situation einen neuen Trainer zu holen, der bei der Admira gar keinen kennt. Dem tust du damit nichts Gutes. Ich denke schon, dass das den Ausschlag gegeben hat, dass man auf mich zurückgegriffen hat. Ich glaube auch, dass es Sinn macht.

War es nur  Zufall, dass Sie wenige Wochen nach dem Engagement von Felix Magath entlassen wurden?

Das weiß ich nicht. Damals bin ich sicher entlassen worden, weil der Felix Magath da war. Das ist klar. Ob ich  jetzt deshalb wieder zurück bin, weil er jetzt weg ist, das müssen andere beantworten.

Man kann sich nur schwer vorstellen, dass jemand wie Sie und Magath auf einer Wellenlänge liegen.

Das war von Anfang an klar, dass es mit uns zwei schwierig geworden wäre. Der Felix Magath hatte zu Beginn seiner Amtszeit andere Trainer im Kopf. Ich glaube auch nicht, dass das großartig mit meiner Person zu tun hatte. Er wollte halt Leute am Ruder haben, die er kennt und denen er vertraut. Und das hat er dann auch konsequent durchgezogen.

Die Admira hat nun innerhalb von 14 Monaten fünf Trainer verbraucht.

Der Trainerjob  wird immer  noch schwieriger. Es geht in diesem Geschäft einfach immer weniger um Konstanz und Kontinuität.

Woran liegt das?

Ich bin überzeugt, dass in Österreich die Situation mit den beiden Ligen dafür verantwortlich ist.

Was meinen Sie konkret?

Ein Abstieg aus der Bundesliga hat für einen Verein die weitreichendsten Folgen. Eigentlich ist ein Abstieg eine wirtschaftliche Katastrophe, weil die zweite Liga abgestochen wurde. So würde ich es nennen. Denn wenn du von einem Vollprofibetrieb in den Halbamateurbereich  gehen musst, dann hat das für das ganze Personal, für alle Mitarbeiter Konsequenzen.

Also heißt das Motto: Obenbleiben um jeden Preis?

Die Vereine  haben solche Angst, dass sie in diese zweite Liga müssen, weil sie wissen, dass es dort keine Perspektiven gibt. Da sind 16 Vereine, nur einer steigt auf –  das ist ja eine Teufelsliga. Deshalb sitzen die Vereinsverantwortlichen auf einem kurzen Nerv und reagieren inzwischen halt noch schneller als früher. Und dass der Trainer dann als Erster gehen muss, ist nichts Neues.

Heute wartet auf die Admira das Duell mit Schlusslicht SKN St.Pölten. Ist dieses Spiel richtungsweisend im Abstiegskampf?

Ich will das Spiel gar nicht überbewerten. Man hat gesehen, dass die Partien in dieser Quali-Runde dermaßen eng sind, dass man nichts vorhersagen kann. Die Partien sind alle auf einem dünnen Eis gebaut. Es wäre natürlich aufgrund unserer Ausgangssituation gut, wenn wir gewinnen würden, aber durch wären wir deshalb noch lange nicht. Deshalb will ich das Match in der Mannschaft auch nicht hochstilisieren. Es ist ohnehin jedes Spiel in dieser Liga brisant genug. Da braucht es  keine zusätzliche Hektik.

Kommt es in diesen Partien wirklich auf fußballerische Qualitäten an?

Nein. Das bestätigt sich in den letzten beiden Jahren. Es geht nicht darum, ob man ein Super-Fußballer ist oder ob man gute Eins-gegen-eins-Situationen hat, sondern nur mehr darum, ob man im Schädel stark ist und mit der Situation umgehen kann. Und natürlich ist wichtig, dass da einer draußen steht, der den Spielern das Gefühl vermittelt, dass er an sie und an die Sache glaubt.

Schauen Sie eigentlich mit einem Auge auch schon auf die 2. Liga, Stichwort Relegation?

Nein, ich will am 21. Mai die ganze Situation über die Bühne gebracht haben.

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