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Sport
01/25/2021

Corona-Impfung im Spitzensport: Die schwierige Stich-Frage

In Österreichs Profiligen gehen die Meinungen auseinander.

von Alexander Strecha, Peter Karlik, Harald Ottawa

Die Corona-Impfung wird in Österreich aktuell eifrig diskutiert, Befürworter und Gegner führen dabei unzählige stichhaltige Argumente ins Treffen. Der Profisport kommt in diesen Debatten bestenfalls am Rande vor, fallen doch die Protagonisten ob ihres Alters und ihrer physischen Voraussetzungen nicht unbedingt in die primäre Risikogruppe. Dabei sieht die Online-Impfanmeldung in Wien sogar „Spitzensportler“ als eigene Kategorie vor.

Der KURIER hörte sich im heimischen Spitzensport um. Wem geht bei dem Thema das Geimpfte auf, wer wäre gerne Bürgermeister, um schon vorzeitig an der Nadel hängen zu können? Die Ansichten divergieren.

Fußball

In der Bundesliga funktioniert mittlerweile seit fast einem Jahr das Präventionskonzept mit unzähligen Tests sehr gut, es garantiert die Umsetzung des Spielbetriebs. Dennoch schützt es die Spieler nicht vor Infektionen, jeder Klub kann positive Testergebnisse vorweisen.

Austrias Klubarzt Marcus Hofbauer von der Privatklinik Döbling spricht von einem heiklen Thema und hält viel von einer genauen Aufklärung der Spieler gemäß der wissenschaftlichen Daten. "Sie sollen die Zahlen verstehen und das Risiko einschätzen können." Grundsätzlich, so Hofbauer, zählen die Spitzensportler nicht zur Risikogruppe. "Zum Beispiel war die Grippeimpfung noch kein Thema bei uns. Jeder Spieler muss auch im Corona-Fall für sich entscheiden." Er fungiert gerne als Ratgeber.

Salzburg-Routinier und Ex-Teamspieler Zlatko Junuzovic hat sich als Profisportler noch nicht wirklich mit diesem Thema auseinandergesetzt, ist kein Impfgegner. "Wir stehen mit dem Konzept und den vielen Testungen ohnehin permanent unter Beobachtung. Wobei ich mir schon vorstellen kann, dass die Impfung irgendwann im Fußball eingeführt oder indirekt vorgeschrieben wird." Eventuell bei internationalen Spielen. Junuzovic vertraut den Vereinsärzten. "Wir werden von ihnen sehr gut informiert."

Der ÖFB steht vor einem intensiven Jahr mit der EURO und der schon im März beginnenden WM-Qualifikation des A-Teams. Das Präventionskonzept wird penibel durchgeführt, über eine Impfung der Spieler braucht sich der Verband nicht allzu viele Gedanken machen, dies wäre Aufgabe der Vereine in ihrer Funktion als Arbeitgeber.

Michael Enenkel, Leiter der medizinischen Abteilung des ÖFB, hält fest: "Man muss die Entscheidung den Spielern überlassen, zumal sie nicht die primäre Zielgruppe sind. Allerdings könnte man mit einer Impfung generell das Risiko einer Ansteckung minimieren und dafür sorgen, dass ein eventueller Krankheitsausbruch vielleicht nicht so massiv ausfällt."

Eishockey

Keine hohe Dringlichkeit hat die Impfung bei den meisten Eishockey-Teams der ICE Hockey League. Warum? "Es waren im November fast alle Spieler und Trainer infiziert", begründet zum Beispiel Capitals-Manager Franz Kalla. Somit sollte die Mannschaft vor weiteren Infektionen erstmal geschützt sein. "Sollte es zu wenige Impfdosen geben, dann sollten vor uns lieber die vulnerablen Bevölkerungsgruppen geimpft werden", plädiert Kalla.

Das Thema "Impfen" ist also nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste. Sehr wohl aber für andere im Verein. Kalla präzisiert: "Jemand, der mir am Herzen liegt, ist unser Thommy (Anm. Zeugwart Bardodej). Er ist über 50 Jahre alt, Raucher und ist immer in Kontakt mit den Spielern." Kalla selbst war noch nicht infiziert und "würde sich sofort impfen lassen", wenn er an der Reihe ist.

Wiens Publikumsliebling Rafael Rotter ist unschlüssig. "Ich nehme, an dass sich Spitzensportler, die Körperkontakt haben, impfen werden müssen. Aber man sollte auch respektieren, wenn es einer nicht will." Letztlich werde dennoch alles auf die Impfung hinauslaufen: "Es wird schon nicht so schlimme Nebenwirkungen geben, sonst würden sich die Ärzte selbst ja nicht impfen lassen."

Handball

Die Fivers aus Margareten sind mittlerweile absolute Corona-Experten. Nicht weniger als zehn Spieler haben sich seit Juli 2020 mit dem Virus infiziert, wiesen beim letzten Test im Dezember immer noch Antikörper auf. Manager Thomas Menzl würde nach Rücksprache mit den Vereinsärzten eine Impf-Empfehlung ausgeben. Manche Spieler kommen ihm sogar zuvor, wie Nationalteamspieler Tobi Wagner, der sich bei der WM von Ägypten aus erkundigte, wo er sich für eine Impfung anmelden könnte.

"Mittlerweile haben wir ohnehin schon fast eine Herdenimmunität", lacht Menzl. "Aus sportlicher und gesundheitlicher Sicht bin ich für eine Impfung. Aber es ist die freie Entscheidung jedes einzelnen Spielers."

Eine etwas andere Herangehensweise hat man beim Wiener Rivalen West Wien. "Solange rund um die Impfung für mich nicht alles klar ist, werde ich keine Empfehlung aussprechen", meint Ex-Teamspieler, TV-Experte und West Wien-Manager Conny Wilczynski. "Ich bin auf diesem Gebiet kein Fachmann und daher eher Beobachter. Es ist noch verfrüht für eine Empfehlung. Abgesehen davon sind die Spieler mündig und erwachsen. Bei der Impfung ist jeder Privatperson." Seine eigene Rolle sei vielmehr die Aufklärung.

Ski alpin

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat seine Forderung nach einer Covid-Impfung seiner Athletinnen und Athleten noch in der laufenden Saison erneuert. Sie sollten gleich nach den vulnerablen Bevölkerungsgruppen und Beschäftigten in Gesundheitsberufen geimpft werden. Nach Ansicht von Schröcksnadel sind die Athletinnen und Athleten durch ihre Reisen im alpinen Ski-Weltcup stark gefährdet. "Sie fahren auf der ganzen Welt herum, da kann man sich schnell was holen", so Schröcksnadel.

Tennis

Im Tennissport wird die Impfung auf lange Sicht notwendig sein, "damit wir reisen können", sagt Oliver Marach, Österreichs bester Doppelspieler, der sich in Down Under gerade auf die Australian Open vorbereitet. Er selbst will aber noch abwarten. "Ich persönlich würde mich jetzt noch nicht impfen lassen, weil es zu wenige Daten gibt. Um zu sehen, wie gut die Impfung ist, braucht man mindestens zwei Jahre, bis man Infos darüber hat."

Jürgen Melzer, ehemaliger Top-Ten-Spieler und seit Jahresbeginn Sportlicher Leiter beim Österreichischen Tennisverband, steht der Impfung positiv gegenüber. "Grundsätzlich lasse ich mich impfen, sobald die Möglichkeit da ist. Weil ich der Meinung bin, dass es die Lösung für unser Problem ist."

Geht der ÖTV eigentlich aktiv auf seine Sportler zu, sich impfen zu lassen? "Wir unterstützen unsere Sportlerinnen und Sportler, indem wir ihnen Beratung und Aufklärung zur Impfung durch unsere Teamärzte und wissenschaftliche Fachleute anbieten. Die Entscheidung über eine Impfung ist natürlich eine persönliche jeder Athletin und jedes Athleten. Wir haben aber bisher ausschließlich den Wunsch nach einer möglichst raschen Impfung wahrgenommen, weil ja gerade die Reisetätigkeit in unserem Sport besondere Sicherheit erfordert", erklärt ÖTV-Präsident Magnus Brunner.

Der Tennisverband wünsche sich "vor allem, dass alle Tennisbegeisterten möglichst schnell im Jahr 2021 wieder ihrem Herzenssport nachgehen können. Die Tatsache, bereits jetzt mehrere gut geprüfte Impfstoffe zur Verfügung zu haben, wird dazu einen ganz wesentlichen Beitrag leisten. Persönlich freue ich mich auf die Impfung und kann aus meiner Sicht nur jedem empfehlen, sich impfen zu lassen", sagt Brunner und ist überzeugt, dass "Impfen der Game Changer in unserer COVID19-Pandemie sein wird".

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