Sport | Bundesliga
24.02.2018

Die Admira verlängert die violette Krise

Trotz einer 1:0-Führung reichte es für die Austria in der Südstadt nicht zu einem Punktgewinn.

Von einem Pflichtsieg war bei der Austria im Vorfeld der Partie in der Südstadt die Rede gewesen. Auch vom Spiel der letzten Chance, um den angestrebten Europacup-Platz doch noch zu erreichen. Vom „Judgement Day“, an dem abgeliefert werden muss.

Doch den fordernden Worten folgten keine Taten. 1:2 gegen die Admira, die Fans warfen aus Frust Schneebälle auf das Spielfeld und schrien: „Wir haben die Schnauze voll.“ Die Austria hat mittlerweile 13 Punkte Rückstand auf die Admira, die Tabellenrang drei absicherte. Trotz Eiseskälte ist bei der Austria nun Feuer am Dach.


Fußball-Bundesliga - 24. Spieltag
Flyeralarm Admira Austria Wien 2:1 (1:1)
Rapid Wien LASK Linz 2:0 (1:0)
Wolfsberger AC SKN St. Pölten 0:1 (0:0)
SCR Altach SV Mattersburg 1:1 (0:1)
Sturm Graz Red Bull Salzburg So., 16.30 Uhr

Die Not machte nur personell erfinderisch. Austria-Trainer Thorsten Fink tauschte überraschend den Torhüter, brachte in der Südstadt Hadzikic für Pentz. Alhassan ersetzte Prokop im Mittelfeld, Madl gab in der Innenverteidigung sein Pflichtspiel-Debüt. Und taktisch? Blieb von der Grundausrichtung alles beim Alten. Es setzte die dritte Niederlage in Folge.

Madl mit Kopf

Phasenweise deuteten die Austrianer Pressing an, die Admira kombinierte dafür besser und näherte sich als Erster dem gegnerischen Tor an, Schmidt verfehlte nur knapp. Die Austria bediente sich einmal mehr einer Standard-Situation, um zum Erfolg zu kommen. Einen Eckball von Holzhauser verlängerte Friesenbichler, Rückkehrer Madl drückte den Ball mit dem Kopf über die Linie zum 1:0 (16.).

Die violette Freude währte nicht lange, weil sich die jungen Admiraner wenig beeindrucken ließen. Solospitze Kalajdzic bediente den jungen Schmidt, der unbedrängt und punktgenau via Innenstange zum 1:1 traf (20.) und die Austria-Fans zum Schweigen brachte, die just in diesem Moment den Rapidlern lautstark kollektive Homosexualität unterstellten. Gleichermaßen dumm wie entbehrlich.

Violetter Frust

Ausgeglichen gestaltete sich in der Folge auch das Geschehen: Die Admira hatte eine Möglichkeit durch Kalajdzic, die Austria hätte durch Friesenbichler in Führung gehen müssen, durch einen Kopfball von Ruan können.

Zu Beginn der zweiten Hälfte zündeten einige Leuchten im Austria-Sektor bengalische Feuer. Auch das ist nicht als Lichtblick zu bezeichnen. Und mittels Transparent richteten sie ihrem Trainer etwas aus: „Thorsten: dieser Spielstil ist zum Kotzen.“ Ihre Übelkeit sollte sich im zweiten Durchgang noch steigern. Admira ging jedenfalls bissiger zu Werke, die Austria verbuchte immerhin eine Top-Chance zur Führung.

Einen Holzhauser-Schuss konnte Kuttin nicht bändigen, doch Alhassan, Friesenbichler und Venuto vermochten den Nachschuss nicht zu verwerten. Danach war wieder Admira am Drücker, Kalajdzic lenkte einen Hausjell-Schuss knapp neben das Tor. Wenig später tanzte Grozurek Klein sehenswert aus und traf noch sehenswerter zum 2:1. Kalajdzic hätte per Kopf sogar erhöhen können.

Die Austria-Fans ließen nach dem Schlusspfiff ihrem Unmut freien Lauf.

Flyeralarm Admira 2:1 Austria Wien

BSFZ Arena, Maria Enzersdorf, SR Gishamer

Tor: 0:1 Madl (16.), 1:1 Schmidt (20.), 2:1 Grozurek (74.)

Admira: Kuttin - Zwierschitz, Lackner, Strauss, Scherzer Vorsager, Ebner - Schmidt (63. Hausjell), Merkel (78. Holzmann), Grozurek - Kalajdzic (86. Maier)

Austria: Hadzikic - Klein, Madl, Ruan, Stangl - Serbest, Holzhauser (79. Prokop) - Venuto (81. de Paula), Alhassan, Pires - Friesenbichler (76. Monschein)

Gelbe Karte: Strauss (44.) bzw. Ruan (89.)

Fink: "Verein muss entscheiden, wie es weitergeht"

Ernst Baumeister (Admira-Trainer): "Wir haben die ersten 20 Minuten gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Nach dem Ausgleich lief es besser. Wir hatten diesen Hunderter (Chance von Kevin Friesenbichler, Anm.) zu überstehen, den hat Manuel (Kuttin, Anm.) gut gehalten. In der zweiten Hälfte waren wir besser. Wir haben nicht unverdient gewonnen. Schade, dass wir einige Chancen nicht zu Ende gespielt haben. Wir sind wie eine routinierte Mannschaft aufgetreten."

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Gratulation an die Admira. Am Anfang sind wir gut ins Spiel gekommen. Dann haben wir leider schnell den Ausgleich kassiert. Wir hätten das 2:1 machen müssen. Nach der Pause haben wir auch zwei gute Chance gehabt. Die Admira hat bewiesen, dass sie gut drauf sind, Fußball spielen können und Selbstvertrauen haben. Das Tor der Admira war gut ausgespielt."Zur aktuellen Situation: "Wir müssen in der Woche Gespräche führen. Wir müssen daran arbeiten, dass es wieder aufwärtsgeht. Es gibt über jeden eine Diskussion, auch über mich. Ich werde weiter alles tun, um die Austria wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Der Verein muss entscheiden, wie es weitergeht."

Markus Kraetschmer (Austria-Vorstand): "Wir müssen das analysieren und dann Entscheidungen treffen. Es wäre falsch, jetzt irgendwelche Durchhalteparolen auszusprechen. Es gibt in dieser Situation kein Tabu, das nicht diskutiert werden kann."