Reise
08.11.2018

Steigende Preise für Skipässe: „Für Familie kaum leistbar“

Auch eingefleischten Skifahrern steigen die Preise für Liftkarten zu schnell. Ein Lokalaugenschein am Gletscher

Am Eingang des Ötztals wird bereits mit dem Saisonstart geworben. Nächsten Donnerstag soll es zunächst in Obergurgl-Hochgurgl losgehen. Eine Woche vor dem Start scheint der Winter freilich noch weit weg. Die Sonne lässt Mittwochmittag die Hänge in Herbstfarben strahlen. Im ganzen Tal liegen die Temperaturen um 15 Grad. In der Touristenhochburg Sölden herrscht triste Ruhe vor dem großen Ansturm.

Weit oberhalb des Tourismusorts auf über 2600 Metern Höhe zieht sich Jens Diegelmann hingegen im Schneegestöber seine Snowboardschuhe an. Hier am Ötztaler Gletscher hat die Saison bereits begonnen. Anzutreffen sind vor allem Rennläufer im Trainingsmodus und jene, die den Winter nicht mehr erwarten können oder andere gute Gründe haben. „Ich fange bald einen neuen Job an. Darum kann ich im Winter keinen Urlaub machen“, erklärt Diegelmann, warum er sich schon jetzt auf die Piste schwingt.

Ausgestiegen

Gemeinsam mit seiner Freundin ist er für vier Tage aus Hamburg angereist. Winterurlaub in Österreich machen die beiden jedes Jahr. Und so kriegen sie auch die ständigen Preissteigerungen bei den Skikarten mit. „Das ist natürlich ärgerlich. Freunde von uns fahren nicht mehr Ski, weil es ihnen zu teuer geworden ist“, erzählt der 26-Jährige.

In der Saison 2015/16 haben die ersten heimischen Skigebiete die 50-Euro-Marke für den Tagesskipass in der Hauptsaison durchbrochen. Die Spirale dreht sich kontinuierlich weiter (siehe unten).

Heuer werden bereits 30 Skigebiete in dieser Liga spielen. Jenes von Sölden, zu dem auch der Ötztaler Gletscher gehört, ist mit 54,50 Euro auf Platz drei der teuersten Resorts. Seilbahnunternehmen verweisen gerne darauf, dass Mehr-Tagespässe in Relation zu Ein-Tageskarten günstiger sind.

Janine Jahnke lässt das nicht gelten. „Wenn man länger bleibt, kommen ja andere Kosten wie für die Unterkunft dazu“, sagt die 22-Jährige, die am Gletscher ist, weil gerade ein Freund aus Südafrika zu Besuch ist, der vor dem Winter wieder abreist. „Wir sind Studenten. Das ist es nicht so leicht, dieses Geld abzudrücken“, erklärt die Münchnerin, die jedes Jahr drei bis vier Mal zum Snowboarden nach Tirol kommt.

Hinter den Studenten schwingt eine Gruppe Skilehrer aus dem deutschen Füssen ab. Die Skipasspreise sind auch bei ihnen Thema.

„Für eine Familie ist ein Skiurlaub kaum noch leistbar. Viele Leute buchen nicht mehr eine Woche, sondern zwei bis drei Tage“, sagt Peter Klein und ist sich da mit seinen Kollegen einig. „Wir brauchen aber Einheimische als Nachwuchs. Sonst sind wir irgendwann nur noch auf Auslandstouristen angewiesen“, warnt Jens Leuchtenberg. Als Preistreiber macht der Skilehrer auch den Trend aus, dass von Skigebieten „immer mehr in Erschließungen investiert wird“. Dabei würde gerade auch das Skifahren im freien, unerschlossenen Gelände boomen.

„Dass die Seilbahnunternehmen viel investieren, ist unbestritten. Die Frage ist, ob es in einem Ausmaß ist, das der Konsument wirklich nachfragt“, sagt Markus Stingl vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Der beobachtet das Steigen der Preise schon seit Jahren. Und nicht nur bei den Tagespässen. Laut VKI stiegen die Preise für die vermeintlich in Relation zur Ein-Tages-Karte günstigen 6-Tage-Karten in den vergangenen vier Jahren pro Jahr um durchschnittlich 3,7 Prozent – ein Prozent mehr als bei Tagespässen. Beide Zahlen liegen über der jährlichen Inflationsrate.

Die Preiserhöhung bei den Liftkarten gehört laut Stingl beinahe schon zum guten Ton. „Es ist ganz, ganz selten, dass ein Skigebiet  einmal die Preise über zwei Saisonen konstant hält“, erklärt der VKI-Experte. Noch ist von einer Abkehr aber noch nichts zu spüren. „Der Vergleich gibt den Seilbahnern recht. Die Skifahrer sind gewillt, diese Ticketpreise zu bezahlen“, sagt Stingl. Die Zahlen für die heurige Saison präsentieren die Experten kommende Woche. Der Trend zu Preissteigerungen über der Inflation dürfte anhalten.  

Schnäppchen gesucht

Die Skigebiete versuchen dem Preisverdruss der Skifahrer mit Schnäppchen für einzelne Zielgruppen zu entgegnen. So gibt es in manchen Skigebieten gratis Übungshänge für die kleinsten Einsteiger. In den großen Pinzgauer Skigebieten Saalbach, Zell am See und Kitzsteinhorn zahlt die Generation U19 jeden Samstag nur 10 Euro für einen Tagesskipass. In der Skiregion Amadé gibt es für über 60-Jährige in der Vor- und Nachsaison bei ausgewählten Hotels zu einem einwöchigen Urlaub gar den Sechstagesskipass gratis dazu. In der Ladies Week Ende März gibt es bei Buchung im Doppelzimmer für Frauen einen Sechstagesskipass dazu.