Reise
08.11.2018

Studie zeigt, was Wintersportler wirklich wollen

Skifahrer und Snowboarder haben ihr Urlaubsziel bewertet – mit Italien und der Schweiz sind sie zufriedener als mit Österreich.

Wenn es ums Skifahren geht, sind die Österreicher am liebsten die Nummer eins – das trifft aber nicht auf alle Bereiche zu. Das ergab jedenfalls die aktuelle Studie „Best Ski Resort“ der Mountain Management Consulting in Kooperation mit der Universität Innsbruck/Bozen. Gesamtsieger ist die italienische Wintersportregion Kronplatz vor dem schweizerischen Zermatt. Den dritten Stockerlplatz teilen sich Serfaus-Fiss-Ladis in Tirol und das Südtiroler Gröden.

Im Rahmen dieser größten, regelmäßig durchgeführten Kundenzufriedenheitsstudie im Alpenraum ging es darum, nach welchen Kriterien Urlauber ihr Skigebiet aussuchen und wie zufrieden sie damit sind. Knapp 46.000 Skifahrer und Snowboarder in 55 Skigebieten im ganzen Alpenraum wurden direkt an der Piste interviewt.

In der Kategorie Beförderungskomfort lässt der Gesamtsieger seine Konkurrenten weit hinter sich. Auch Schneesicherheit, Freundlichkeit und Gastronomie im Südtiroler Skigebiet kommen besonders gut an. Das Länder-Ranking fällt ebenfalls in dieser Reihenfolge aus: Italien und Schweiz vor Österreich.

Hohe Erwartungen

Wer österreichische Riesen-Gebiete wie St. Anton und Lech-Zürs am Arlberg unter den Top 5 vermisst, für den hat Studienautor Michael Partel von Mountain Management eine Erklärung: „Vorwiegend liegt das an den Erwartungen neuer Gäste. Bekannte Skigebiete – meistens auch etwas teurer – stehen unter diesem Druck. Wenn da nicht alles passt, bewerten Gäste kritischer. Aber das trifft natürlich auch auf Zermatt oder Serfaus-Fiss-Ladis zu.“

Außerdem sei das Gesamtpaket der Südtiroler Skigebiete überzeugend, „von der technischen Ausstattung bis zum Essen mit italienischem Flair. Österreichische Skigebiete setzen Schwerpunkte im Bereich Beförderungskomfort, Schneesicherheit und Party. Da sind die Italiener auch sehr gut aufgestellt“. Das Partyangebot beim Skifahren wird wichtiger, wie die Trendanalyse zeigt: Bei 20- bis 34-jährigen Gästen ist Après-Ski auf Platz vier der Entscheidungskriterien. Gleich vier österreichische Gebiete finden sich hier unter den Top 5, an der Spitze liegt Ischgl.

Betrachtet man die Auswahlkriterien aller Altersgruppen, ist Après-Ski aber nur auf Platz sieben. Insgesamt werden Skigebiete eher nach Größe, Schneesicherheit, Pistenqualität, Unterkunft und Beförderungskomfort gewählt. Je besser das Können, desto wichtiger wird die Anzahl der Pistenkilometer.

Am besten in puncto Größe und Zufriedenheit schneidet Alta Badia ab, gefolgt von Lech-Zürs am Arlberg. Auch was die Schneesicherheit betrifft, liegt ein österreichisches Gebiet am zweiten Platz: Der Stubaier Gletscher vor Saas Fee. Bei der Kulinarik am Berg macht Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn nach Kronplatz das Rennen.

Die besten Skigebiete

1/11

1. Kronplatz (I)

2. Zermatt (CH)

3. Serfaus-Fiss-Ladis (A)

3. Gröden (I)

5. Alta Badia (I)

6. Grächen (CH)

7. Arosa Lenzerheide (CH)

8. Aletsch Arena (CH)

9. Livigno (I)

10. Sölden (A)

Laax (CH)

Steigende Attraktivität

Für Partel ist das wichtigste Ergebnis der Studie die Weiterempfehlungsrate – die zeigt, dass die Attraktivität in den ausgewählten Skigebieten kontinuierlich steigt. Überrascht hat ihn, dass mit einem Plus von 5,6 Prozent (seit 2010) die Zufriedenheit im Familienangebot auf dem Berg am meisten gestiegen ist – „Sehr wichtig für die Zukunft!“ Und hier liegt auch eine der größten Herausforderungen: „Wenn die Eltern nicht begeisterte Skifahrer oder Snowboarder sind, dann fehlen uns künftig die Kinder auf den Pisten“, warnt der Studienautor.

Kein einfaches Unterfangen, bedenkt man, dass die stetig steigenden Skipass-Preise Wintersport für Familien weniger leistbar machen. Jene, die trotzdem auf den Pisten unterwegs sind, sind laut Studie aber zufrieden mit dem Preis-Leistungsverhältnis. Partel führt das auf neue Erlebnisse, Produkte und den Spaß am Berg zurück. „Man kommuniziert das besser als früher. Die Zufriedenheit steigt.“ Nichtsdestotrotz: „Parallel zur Bevölkerungsentwicklung verlieren wir in der Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen (15,6 auf 12,5 Prozent, Anm.). Auch der Anteil von Anfängern und leicht Fortgeschrittenen hat sich seit 2012 von 8,3 auf 6,4 Prozent reduziert. Der Anteil von Snowboardern ist von 18,2 auf 13,2 Prozent zurückgegangen.“ Dazu kommt: Fast jeder Dritte ist kein treuer Urlauber und wechselt stetig das Skigebiet, um Neues zu erleben.

Für Michael Partel ist klar: Der Wettbewerb im Winter steigt. Billigflüge, Kreuzfahrtschiffe oder Golf fordern verstärkte Anstrengungen, das Bergerlebnis noch attraktiver zu machen. Wer bestehen will, muss nicht nur investieren oder kreativ sein, sondern sich auch klar positionieren.