Der Zirbenweg auf dem Patscherkofel ist nur ein Spaziergang, der Blick auf Innsbruck und Nordkette trotzdem gewaltig

© Halbhuber Axel

Reise
04/02/2019

Rund um Innsbruck: Wie viel Komfort braucht ein Wanderweg?

Der Innsbruck Trek fängt an, wo die Stadt aufhört. Er ist ein Weg für jene, die Wandern nicht als bloße Askese sehen.

von Axel Halbhuber

Im Prinzip ist er ein Rundweg. Aber man sollte den Trek von Innsbruck aus starten. Nur dann spürt man, was der Tourismusverband meint, wenn er ihn ein „alpin-urbanes Erlebnis“ nennt. Direkt vom Goldenen Dachl aus geht man ein Stück auf die mächtige Nordkette zu und steigt mitten in der Stadt in etwas ein, das einer Straßenbahn gleicht.

Erst fährt sie durch Tunnel, einmal hält sie beim Alpenzoo – ein wunderbares Beispiel für den Doppelzustand, Wildnis wie Steinbock aber kultiviert wie Zoo. Danach entwickelt die vermeintliche Straßenbahn etwas Seilbahnhaftes, und plötzlich steht man auf der bekannten Hungerburg. Unter einem liegt Innsbruck, gegenüber die Skisprungschanze am Berg Isel, plötzlich ist man über der Stadt, noch nicht wirklich Teil des Berges, aber auch nicht mehr urban.

Auf dem Innsbruck Trek können neuestens Bergfreunde in sechs Tagesetappen rund um die Landeshauptstadt wandern – auf leichten oder mittelschwierigen Wegen, geführt oder auf eigene Faust, aber immer mit Gepäcktransport und untergebracht in Hotels. Der neue Trek zum neuen Wandern.

Hat man sich auf der Hungerburg an Innsbruck sattgesehen, geht man los zur „Umbrüggler“. Eigentlich heißt es „Umbrüggler Alm“, aber auf dem Berg lässt man Nachnamen gerne weg. Wobei, gerade auf dieser Umbrüggler haben Nachnamen vielleicht doch Bedeutung, die Alm auf 1123 Meter wurde erst vor Kurzem in schickem hellen Holz mit geraden Linien neu errichtet. Sie steht da wie das Grenztor zwischen urbaner Noblesse und rauem Berg. Vor der Türe sitzen elegante Damen in elegantem Sportoutfit, weil sie eine rauchen wollen. Der Innsbrucker mountainbiket zur Umbrüggler wie andere ins Fitnesscenter gehen und belohnt sich mit gutem Essen oder einem Glas Wein.

Der Innsbruck-Trekker geht zu Fuß her und kommt so in seiner Wanderwoche an, ein letzter hipper Moment an dem Ort, an dem die Nordkette zum Berg wird. Und ihm eröffnet sich sofort, was der Innsbruck Trek ist: die Stadt im Blick, die Natur in der Nase, aber auf dem Teller eine Speise statt eines Bergsteigeressens.

Bequemlichkeit wurde lange Zeit von Alpinisten mit jenem Lächeln bedacht, in dem etwas Verächtliches mitschwingt. Man war stolz auf die Kargheit des Berges und jede Abweichung galt als Verweichlichung. Aber die Zeiten ändern sich, sogar auf dem Berg, und zwei Wandertrends haben sich durchgesetzt: Menschen wollen zunehmend Städte und ihre Umgebung erwandern.

Und zweitens ist da das Weitwandern. Es fasziniert aus mehreren Gründen, auch wegen der Pilgerwege, Heiliger Jakob und Santiago, kennt man ja. Beharrlich in eine Richtung gehen, das Ziel immer vorne, im Rücken nur das Vergangene. Nach ein paar Tagen wird die Weite zu Kilometern und Stunden, das überwältigt Menschen im Zeitalter digitaler Werke, in dem wir nach zehn Stunden im Büro nicht sagen können, was wir konkret erledigt haben. Ein vollbrachter Weg ist ein gutes Gefühl, ein Werkstück, ein Projekt.

Aber ganz erfüllt der Trek dieses Versprechen leider nicht. Die Runde ist über das gesamte Gebiet des Innsbrucker Tourismusverbandes angelegt, bis ins 40 Kilometer entfernte Obsteig. Von dort hat man Innsbruck natürlich nicht mehr im Blick, und in sechs Tagen kann man nicht die ganze Runde gehen, sondern fährt dazwischen kleine Strecken mit dem Bus, die Auswahl der Etappen wirkt etwas zwänglerisch. Und die Faszination des Weitwanderns liegt doch genau darin, alles gegangen zu sein, oder?

Andererseits öffnet der Weg vielen Flachländern den Zugang zum Berg. Die lieben den nämlich auch, und ihr Andrang bringt Wertschöpfung, also arrangiert man sich zunehmend damit, dass es solche gibt, die gerne mehrere Tage wandern, aber nicht im Matratzenlager schlafen wollen. Menschen, die einem schlichten Käsebrot sehr wohl Respekt zollen, abends aber gerne vom Porzellan essen. Die Stille der Berge fantastisch finden, abends aber einen Fernseher auf dem Zimmer möchten.

Ein Beispiel direkt vom Weg: Der Gipfel des Faltegartenkopfle ist gemütlich, sowohl im Aufstieg als auch zum Verweilen. Trotzdem bemüht sich Wanderführer Wolfgang, der Gruppe Respekt abzuringen. Er legt eine kleine Sorgenfalte in sein tieffreundliches Gesicht und sagt: „Aber beim Runtergehen passts ihr mir auf.“ Ja, der Pfad bergab ist steil, man kann über Latschen stolpern, aber ein einfacher Weg bleibt ein einfacher Weg. Er habe schon Menschen bei solchen Abstiegen stürzen sehen, sagt Wolfgang, der noch Wippler heißt, aber Nachnamen braucht man auch auf dem 2184 Meter hohen Faltegartenkopfle nicht.

Eine gute halbe Stunde später erreicht Wolfgangs Gruppe die Feldringalm unversehrt. Sie ist einer jener gemütlichen Plätze, die es in den vielfältigen Bergen rund um Innsbruck so oft gibt. Die Gegend ist gespickt mit Almen und Hütten, von deren Terrassen man ins Tal blickt, den Alltag vorbeiziehen sieht wie eine Modelleisenbahn, nur dass man keine Knöpfe drücken muss. Viele der neuen Boom-Weitwanderwege verlaufen durchgehend in der Höhe und sind für Gelegenheitswanderer sehr fordernd. Darauf vergessen Touristiker beim Werbetrommeln gelegentlich hinzuweisen.

Die Erfinder des Innsbruck Treks, Tourismusverband und ASI (Alpinschule Innsbruck), wollten einen Weg für wirklich fast alle entwickeln. Daher bezieht man nach jeder Etappe Quartier im Tal, in guten bis sehr guten Hotels. Statt sich auf der Hütte nach sieben verschwitzten Gehstunden um Jetons für zwei Minuten warme Dusche anzustellen, geht man in den Wellnessbereich. In der Früh stellt man das Gepäck zur Rezeption und wird zum Einstieg der Wanderetappe geführt – wenn man die geführte Tour wählt. Wenn nicht, werden alle Information zur Routenführung sowie 24 Stunden-Servicenummer zur Verfügung gestellt.

Jede Etappe kann als gemäßigte Wanderung (bis zu fünf Stunden) gemacht werden oder als sportlichere Alternative, dann aber mit bis zu acht Stunden Gehzeit pro Tag. Der Trek eröffnet so jedem den Zugang zur Mehrtagestour, auch älteren Wanderern, auch Familien mit jungen Kindern, auch Genießern ohne Rekord-Ambition.

Das wird einem besonders auf der letzten Etappe bewusst. Den Zirbenweg auf dem Patscherkofel nutzen selbst Einheimische als Seelenmassage. Nach den Tagen auf Mieminger Plateau, in Kühtai und Sellrain bis zur Axamer Lizum ist der Trekker hier wieder hoch über Innsbruck. Der Blick fällt auf die Stadt und die Nordkette, nun auf der anderen Seite des Inntals. „Wennsch schaust, siehst da die Umbrüggler“, sagt Wolfgang und genießt den Stolz seiner Gruppe.

Das Projekt ist erledigt.

Info

Der Weg: Der Trek führt in weiter Runde um Innsbruck, entlang fünfer Gebirgsstöcke und ausgewählter Wandergebiete. Es stehen eine leichte und eine mittelschwierige Variante zur Wahl, der Weg ist meist von Mitte Juni bis Ende September gehbar.

Angebot: Die Woche ist flexibel in der Kleingruppe mit Guide oder selfguided mit Routeninfos buchbar.

Geführte Reise: 6 Nächte HP in 3-Sterne-Hotels (mit Bad/Dusche und WC), inkl. Seilbahnfahrten, Transfers (tw. öffentl. Verkehrsmittel), Gepäcktransport, Gutschein für shop.kompass.de, Betreuung durch ASI- Bergwanderführer, Tourenbuch. 6 Termine ab Juli, ab 875 €.
Individuelle Reise: 6 Nächte HP in 3- oder 4-Sterne-Hotels (mit Bad/ Dusche und WC), Transfers (überwiegend öffentl. Verkehrsmittel), Gepäcktransport, detaillierte Routenbeschreibung und Karten- material, ASI-Tourenbuch. Individ. Termine ab Ende Juni. Ab 755 €.

Info www.innsbruck-trek.com

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