Leben
04.06.2018

Die schönsten Hüttenmomente: Faszination des Oben

Ausblick, Essen, Wirtin, Flair – jeder Bergfan hat sich schon in eine Hütte verliebt. Hier die besten Geschichten.

Es gibt diesen Moment, den Wanderer gleichermaßen ersehnen wie fürchten: Wenn man erstmals die Hütte sieht, das Ziel der Wanderung. Einerseits ist das Ende nämlich in Sicht. Andererseits weiß man aus Erfahrung, dass Entfernungen im Gebirge trügerisch sein können. Vom ersten Blick zum ersten Schluck kann es sehr, sehr lange dauern.

Trotzdem haben alle, die schon einmal in den Bergen waren, ihre ganz persönliche Hüttenliebe. Oft ist es der Kaiserschmarrn, manchmal die Urigkeit, manchmal die aberwitzige Wirtin oder der Wirt in Plauderlaune. Österreichs Hütten können fast alles, vom Scampispieß bis zum Notbett im Hirtenunterschlupf. Diese Vielfalt begeistert Menschen und scheidet die Geister – der KURIER sammelte acht Lieblingshütten und -momente, vollkommen subjektiv, aber umso persönlicher. Ihnen allen ist die Ansteckung gemein. Sie kennen die Faszination, oben zu sein und oben zu bleiben, den Wandertag nicht im Tal beendet zu haben. Manche finden, den Berg versteht man erst dann richtig.

Land bunter Hütten

In Österreich geht das so gut wie kaum wo – kein Land weist eine höhere Hüttendichte auf. Und das Spektrum ist bunt: Von keine Dusche über kalte Dusche bis Münzdusche mit viel Warmwasser. Von trinkseliger Hüttengaudi bis 21.30-Uhr-Nachtruhe. Auf Bergsteigerhütten schwingt die Ernsthaftigkeit jener mit, die morgen früh auf einen Gipfel wollen. Etwa auf der Erzherzog-Johann-Hütte: Die höchste Hütte des Landes (3454m) liegt nur 344 Höhenmeter unter dem Großglocknergipfel und dient vielen als Ausgangspunkt. Das eindrucksvolle (Franz-Eduard-)Matras-Haus ist schon ganz oben und thront auf dem Hochkönig (2941m) wie eine Gipfelburg. Direkt darunter, wenn auch sechs Gewaltmarschstunden entfernt, liegt das Arthurhaus, ein Berggasthaus im Murmeltierkitsch.

Beides sind Berghütten, die Kultur der alpinen Quartiere mischt sich oft durch, zum Beispiel auf dem Weg zum Hohen Sonnblick: Erst geht man an den Naturfreunde-Häusern Kolm-Saigurn und Neubau vorbei, alpine Urlaubsquartiere, dann an der kleinsten Alpenvereins-Hütte – der Rojacher mit zehn Schlafplätzen – und erreicht schließlich das Zittelhaus, die höchstgelegene Hütte des Österreichischen Alpenvereins neben dem Observatorium Sonnblick.

Eine neue Liga sind die jungen Hütten, moderne Ideen mit visionärer Technik. Das Schiestlhaus auf dem Hochschwab etwa setzte als Passivhaus neue Maßstäbe, im Karl-Ludwig-Haus auf der Rax geht der Touristenklub ÖTK einen Bioweg in der Gastronomie.

Die Vielfalt ist so überwältigend wie die Lieblingshütten unserer Gastautoren.

Dolomitenhütte

Elisabeth Mittendorfer über ihre einzige und dennoch für immer beste Hüttenerfahrung

"Ich war bislang auf nur einer  Hütte und war davon ziemlich überwältigt. Die Dolomitenhütte fügt sich perfekt in die Landschaft ein und sieht aus wie aus einem Bilderbuch. Sie hat eine lange Tradition, wurde  renoviert und verfügt dementsprechend über  modern ausgestattete Zimmer. Somit eignet sich ein Aufenhalt auch für all jene, die nicht gerne im Matratzenlager übernachten. Bad und WC’s werden geteilt. Neben Familienzimmern mit drei oder vier Betten gibt es vier  Doppelzimmer am 50 Meter tiefen Abgrund mit Panoramablick auf den Hausberg von Lienz   – den Spitzkofel.

Beeindruckend ist vor allem das Zimmer, das „Adlerhorst“ genannt wird und eine besonders großzügige Glasfront hat.  Bei dem empfiehlt es sich, rechtzeitig zu reservieren. Empfehlenswert ist auch die Küche (mein Tipp: Tiroler Schlipfkrapfen  und hausgemachter Kuchen), am besten auf der großzügigen Sonnenterrasse genossen.
Ich war mit einer Wander-Yoga-Gruppe unterwegs, die Hüttenbetreiber haben große Rücksicht auf unsere Essenswünsche genommen. Beim Frühstück gab es für uns sogar eine vegane Auswahl – bei der sonst eher traditionellen Speisekarte keine Selbstverständlichkeit. Die Hütte eignet sich perfekt als Ausgangspunkt für Kletter- und Wandertouren in die Lienzer Dolomiten, ist aber auf jeden Fall auch einen Tagesausflug wert."

Lienzer Dolomiten, Osttirol. 1602m, Zufahrt von März bis Dezember mit dem Auto (Maut), im Winter per 90-minütigem Fußmarsch ab dem Kreithof, nur November geschlossen, www.dolomitenhuette.at

Schmidt-Zabierow-Hütte

Gerald Radinger von www.hochtourist.at über sein Highlight auf dem Nordalpenweg

Gute Aussichten hat man schnell einmal von der einen oder anderen Hütte. Je exponierter die Lage, desto besser der Fernblick. Doch liegen meist gerade diese Hütten weit abgelegen von Versorgungswegen. Die Qualität und Vielfalt der kulinarischen Versorgung bleibt meist auf der Strecke – ganz im wörtlichen Sinn.

Auf dem Nordalpenweg konnte ich mich auf vielen Hütten umsehen, Ausblicke garantiert. Von den Einblicken in die Speisekarten waren die Augen allerdings bald müde. Eine kleine, feine Hütte in den Loferer Steinbergen stach aber heraus. Hoch oben thront sie auf einem Felssporn am Rande eines gewaltigen Felskessels – eine Szenerie aus dem Bildband. Keine Straße, keine Seilbahn, wenig Leute. Der Aufstieg ist mühsam und viele der Gipfel verlangen obendrein bergsteigerisches Geschick. Auf der Sonnenterasse speist man frischen Salat und gebratene Zucchini. Alles bio, alles lokal. Die Hüttenbetreiber sorgen dafür, dass alle paar Tage frische Zutaten zur Hütte getragen werden. Mit liebevoll zubereitetem Essen lässt sich die fabelhafte Aussicht gleich noch besser genießen. Aber Pssst, ist ein Geheimtipp!

Loferer Steinberge, Salzburg. 1966m, mehrere Zustiege, kürzester ab Loferer Hochtal (1150 Höhenmeter zu Gehen) 2:30 Stunden, geöffnet Mitte Juni bis Anfang Oktober,
www.schmidt-zabierow.at

Zittauer Hütte

Sandra Baierl über die Lieblichkeit inmitten schroffer Berge: ihre hohe Hütte am See

Das Wildgerlostal ist eine Schönheit: Zuerst wandert man an einem Bach entlang, der immer breiter und tosender wird. Am Ende des Tals beginnt der Aufstieg über Felsen und Gestein, nebst einem Wasserfall geht es steil nach oben, an Schneefeldern vorbei. Murmeltiere pfeifen, Adler kreisen, Hund Pauli ist im Glück, wie auch wir Wanderer.

Auf 2328 Meter erreichen wir die Zittauer Hütte, die seit über hundert Jahren auf einer Felskante thront und seit rund zehn Jahren von Barbara und Hannes Kogler betrieben wird. Wobei: Die ganze Familie hilft mit und einen entzückenden Hüttenhund gibt es auch. Außergewöhnlich ist der See direkt vor der Hütte. Bis zu 38 Meter tief ist der Wildgerwlossee, und eiskalt. Die Hütte ist auf dem neuesten Stand der Technik: Die Energie für Strom und Heizung wird durch ein eigenes Wasserkraftwerk erzeugt, Abwässer werden in der vollbiologischen Kläranlage aufbereitet. Das Umweltgütesiegel für die Hütte versteht sich also von selbst. Ausstattung – also Zimmer, Lager und Waschräume  – sind schön wie in einer Pension und das Essen ist grandios. Barbara und Hannes kochen selbst, die Materialseilbahn sorgt dafür, dass es bei der Bewirtung an nichts fehlt. Die helle Stube ist urgemütlich, die Sonnenterrasse ein Traum. Eine der schönsten Hütten im Nationalpark Hohe Tauern. Familientauglich (also für Kinder, die gut drei bis vier Stunden wandern können) und hundefreundlich.

Wildgerlostal, Salzburg. 2328m, Zustieg: Krimml, Parkplatz Finkau (1422m), Gehzeit 3 bis 4 Stunden, geöffnet Anfang Juni bis Mitte Oktober, www.zittauerhuette.at

Traunsteinhaus

Günter Abraham, Bundesgeschäftsführer Naturfreunde Österreich, über seine Sonnenaufgangshütte

Aufgrund der Besonderheit ist meine bevorzugte Hütte das Traunsteinhaus. Um in den Hüttengenuss zu kommen, muss man über 1000 Höhenmeter bewältigen. Dies ist unter anderem über den Naturfreundesteig möglich, der technisch nicht so anspruchsvoll ist, aber einen herrlichen Blick in das Tal ermöglicht. Die moderne, neu errichtete Hütte macht Lust auf alpine und hochalpine Touren. Mein Tipp: Oben nächtigen und am nächsten Tag den Sonnenaufgang genießen!

Traunsee, Oberösterreich. 1580m, nur über Steige erreichbar (Zeiten variieren nach Kondition): Der Naturfreunde-Steig gilt als einer der landschaftlich schönsten Klettersteige der Ostalpen, als einfachster gilt der Mairalmsteig  (aber kein Traunseeblick), geöffnet von Mai bis Ende Oktober, www.traunsteinhaus.at

Zandlacher Hütte

Eva Primavesi über eine Hütte für Kinder und Einheimische ohne viele Touristenbesuch

Die Zandlacher Hütte wird von Sepp und Ingrid Aichholzer bewirtschaftet. Sie ist urig, ein bisschen Patina, englisches Plumsklo hinterm Haus. Bier und Radler (und Alkoholfreies) sind immer gut gekühlt. Sepp bereitet ein traumhaftes Omlett zu, unerreichbar gut. Auch der Kaiserschmarrn – ein Gedicht.
Sepp und Ingrid setzen sich gerne einmal dazu, ratschen mit, und wenn der Schmäh rennt, dann auch der Schnaps. Von der Terrasse vor der Hütte hat man einen traumhaften Blick auf den riesigen Wasserfall (Riekenfall/Gaisrücken), und das Reisseckgebirge. Da das Gebiet sehr abgelegen  und die Reisseckbahn geschlossen ist, kommen nicht zu viele Touristen vorbei. Nur Einheimische kommen oft rauf, man kann mit dem Auto fast bis zur Hütte fahren, und es ist eine wunderbare Hochebene, kindertauglich, mit einem Bach.
Oben, bei der Zandlacherhütte, ist auch ein überschaubares Almhütten-Dorf von privaten Einzel-Hütten, die teilweise vermietet werden. Mein Sohn Konstantin liebt es, auf der Hütte zu essen, im Bach zu spielen, im Wald Schwammerl suchen etc.

Mölltal, Kärnten. 1525m, mit dem Auto erreichbar, geöffnet Juni bis Oktober, www.zandlacherhuette.at

Schiestlhaus

Ulla Grünbacher über eine Hütte, die manche als zu modern ablehnen – die aber viele auch lieben

Das Schiestlhaus auf dem Hochschwab muss man erlebt haben. Ich bin vor ein paar Jahren mit Freunden hinaufgewandert, am letzten Tag, bevor die Hüttenleute ihre Sachen packten. Bei eher nicht so gutem Wetter.

Oben angekommen lichtete sich plötzlich der Nebel und gab den überragenden Blick auf den Hochschwab-Gipfel frei. Unbeschreiblich. Im Schiestlhaus gab es Restlessen in der mit viel Holz und Glas gestalteten Gaststube. Danach wurde, wie es sich gehört, Karten gespielt.

Das Matratzenlager ist nicht das, was der Name vermuten lässt: großzügig gestaltete hölzerne Nischen im Wabensystem, der Wind pfeift ums Haus, ein Erlebnis.

Hochschwab, Steiermark. 2153m, mehrere Zustiege, u.a. ab Bodenbauer 3:30 Stunden oder Seewiesen (950m) 4:30 Stunden, geöffnet Mitte Mai bis Ende Oktober, www.schiestlhaus.at

Hans Wödl Hütte

Robert Slama von www.derbergwanderfuehrer.at über einen Hüttenwirt, der etwas zu erzählen hat

Ein Pächter, der selbst Bergführer ist, seine Gäste super inspiriert und informiert über die Gegend und über Gefahren.

Er erzählt von der uralten Hütte, von Lawinen in den Bergen und davon, wie er einen Adler aufgezogen hat – sehr spannend und dazu gibt es a guates Essen.

Schladminger Tauern, Steiermark. 1533m, ab dem Steirischen Bodensee (1.157m) 1:30 Std., ab Aich/Assach 3 Std., geöffnet Mai bis Anfang Oktober, www.preintaler.at

Ochsenhalt-Hütte

Martin Grabner kennt viele Hütten – und schreibt über seine geheime Raststation auf dem Mariazellerweg

Mehr als eine Notunterkunft: Wenn man auf dem steirischen Mariazeller Weg von Passail Richtung Sommeralm hinaufsteigt,  erreicht man nach zwei Stunden die idyllische Weide der sogenannten Ochsenhalt und damit die  gleichnamige Notunterstandshütte.

Das Naturjuwel Hohenauer Ochsenhalt bietet auf seinen 125 Hektar eine ganz besondere Pflanzenvielfalt mit heimischen Orchideen wie Frauenschuh, Zweiblatt, Waldhyazinthe oder Nestwurz. Und mitten drin steht die kleine Hütte, die den Weitwanderern  nach langem Marsch ein einfaches, aber heimeliges Nachtlager bietet, oder den Tagesausflüglern einen schönen Platz zum Jausnen und ausruhen.

Für Getränke in Form von Bier, Mineralwasser oder Fanta und Cola ist gesorgt. Bezahlt wird mittels Einwurf in die Kassa in der Hütte.

Hohenauer Ochsenhalt/Sommeralm, Steiermark. 1200m, Wegzeit rund 2 Stunden ab Passail, Info: www.almenland.at