© Caroline Kaltenreiner

Reise
09/12/2019

Auf dem Moped durch Saigon: Ein Abenteuer, das man wagen sollte

Schon Barack Obama wusste, dass sich das kulinarische Abenteuer in Vietnam lohnt. Dafür muss man sich manchmal in den bedrohlichen Verkehr stürzen.

von Caroline Kaltenreiner

Mit Bammel schwingt sich Lisa auf den Hintersitz von Tamtams Moped. Der Verkehr in der größten Stadt Vietnams ist für einen Europäer nicht nur bedrohlich, sondern auch komplett undurchsichtig. Wie viele Mopeds auf eine Spur passen, wer wann fahren darf oder was man alles während der Fahrt erledigen (ja, erledigen!) kann, bleibt ein faszinierendes Rätsel für Besucher von Ho-Chi-Minh-Stadt. Der Verdacht liegt nahe, dass der Grundsatz des vietnamesischen Verkehrsrechts immer auf dem Recht des Stärkeren basiert. Die Studentin aus Oberösterreich ist jedenfalls froh, dass sie nicht selbst fahren muss.  Trotz aller Bedenken lässt sie sich auf dieses Abenteuer ein, das Thema des Abends klingt zu verlockend: Die „XO Foodies“ – ausschließlich junge Frauen – holen sie und ihren Freund mit den Mopeds ab, um ihnen die kulinarische Seite der Stadt abseits der Touristenströme näher zu bringen.  Authentischer als auf zwei Rädern geht das kaum.  Pho und Sommerrollen  gibt’s garantiert nicht – diese Speisen finden Reisende auch ohne Guides.

Die Angst verfliegt, als sie den ersten Kreisverkehr unversehrt überstehen, sie kommt kurz wieder, als sie auf den Highway auffahren, aber spätestens nach der ersten Station weiß Lisa, dass sie diesen Abend nicht bereuen wird. Von der geschmacklich äußerst intensiven Bun Bo Hue Suppe wird sie noch lange schwärmen. Andere Touristen findet man in dem unscheinbaren und nicht sehr schmucken Lokal nicht, normalerweise kommen sie nicht aus dem Zentrum Saigon heraus. An diesem Abend bringen die Moped-Guides das Paar auch nach Chinatown, wo sie mitten durch einen Markt fahren, Korea Town, wo die Mittelschicht wohnt, und auch in eine ärmere Wohngegend, wo  sich die Familien am Abend zum Essen treffen, lachen und unterhalten.

Balut

Das angebrütete gekochtes Entenei gilt als Delikatesse. Für Europäer ist es oft eine Überwindung, es zu essen, da es dem Hühnerei nicht unähnlich ist, verpasst man auch nichts, wenn man passt. 

Meeresfrüchte

Fisch und Meeresfrüchte gibt's in Vietnam in vielen Variationen. Besonders gut: Muscheln mit Erdnussauce

Gegrilltes

Alles mögliche landet auf dem Tisch-Griller: Frosch, Ziege, Schwein und Rind etwa. Dazu ein Dip mit Chili-Salz und einer frischen Kumquat.

Bun Bo Hue

Die beliebte vietnamesische Suppe aus dünnen Reisnudeln und Rindfleisch  wird wegen seiner Balance scharfer, sauerer, salziger und umami Aromen geschätzt. 

Lisa und ihr Freund probieren Frosch, den die fahrenden Guides gerne für die Ausländer als „jumping chicken“ bezeichnen, Krabben, Meeresfrüchte und allerhand Gegrilltes. Mit  frischen Kumquat beträufelt, einer selbstdosierten Chili-Salz-Mischung und Kräutern. Überraschend gut schmeckt die Ziegenbrust, nur bei einer Speise konnte sich die junge Frau nicht überwinden: Balut. Der gekochte Entenembryo gilt in Südostasien als Spezialität, Europäer können sich damit eher weniger anfreunden.

Kulinarischer Streifzug im Norden 

Für Foodies ist  auch die Hauptstadt Hanoi das reinste Paradies. In den zahlreichen Garküchen am Straßenrand, in Seitengassen und Hinterhöfen gibt es viel mehr als Pho, wobei sich ein Anbieter meist auf ein Gericht spezialisiert hat. Den Einfluss der französischen Kolonie spiegelt sich nicht nur in der Architektur der Stadt wider, Lisa schmeckt ihn auch im Bánh mì. Ein köstlich gefülltes Baguette, das von Ei bis Fleisch ganz unterschiedlich gefüllt sein kann, mit frischem Koriander, Fischsauce, Karotten und Pastete.

Das Paar  macht es dem ehemaligen US–Präsidenten Obama nach, der 2016  mit dem in der Zwischenzeit verstorbenen Star-Koch und Weltenbummler Anthony Bourdain Bun Cha (Nudeln mit gegrilltem Schweinefleisch, Suppe, Kräutern und Chili) mit einer frittierten Meeresfrüchte-Frühlingsrolle probiert hat. Dieses Menü mit Hanoi Bier bietet das Lokal „Bun Cha Huong Lien“ um 85.000 Dong (3 Euro) an. Es lebt noch immer vom Obama-Kult – der Tisch, an dem die zwei Stars gesessen sind, ist heute hinter einem Plexiglasverbau zur Schau gestellt.

 

Hervorragend schmecken den Studenten Papaya-, Mango- oder Rindfleischsalat und neben fettigen Frühlingsrollen genießen sie auch die frischen Sommerrollen. Eigene Straßenabschnitte der Altstadt sind in der Nacht vom Verkehr befreit – eine Wohltat in Vietnam.  Hotpot-Stationen  und„Bia Hoi“ dominieren das Straßenbild. Das frisch gebraute Bier ist nur kurz haltbar, schmackhaft und sehr günstig (ab 30 Cent). Ausgeschenkt wird einfach solang, bis das Fass leer ist.

Apropos flüssig: Vietnamesischer Kaffee  aus Arabica- und Robusta-Bohnen wird heiß oder geeist getrunken, traditionell mit Kondensmilch. Kalt und warm landet oft Jasmin Tee wie hierzulande Wasser gratis auf dem Tisch.  

Anreise
Von Wien meist via Bangkok nach  Ho-Chi-Minh-Stadt oder Hanoi

Reisezeit  
Ganzjahresdestination, die beste Reisezeit  hängt von der Region ab.  Norden: Oktober bis April, Zentralvietnam: Februar bis April,   Südvietnam: Dezember bis Februar

XO-Foodietour HCMC
4,5h, mindestens zehn großzügige Kostproben um
ca. 70 €. xotours.vn

Rundreisen
Z. B. bei Tai Pan (13 Tage Gruppenreise  ab 1.640 €/P. im DZ inkl. Flüge),   Raiffeisen Reisen (z. B. 8 Tage Nordvietnam individuell ab 890 €/P. im DZ exkl. Flüge) oder Kneissl Touristik  (14 Tage Gruppenreise Höhepunkte Vietnam ab 2.850 € /P. im DZ inkl. Flüge)