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Politik Inland
10/18/2021

Warum das Stiften für Forschung und Bildung nur langsam vorankommt

"Gemeinnützigkeitspaket" seit über fünf Jahren in Kraft - Experten für Erleichterungen für gemeinnützige Stiftungen - Weiter kulturelle Barrieren gegenüber Wissenschafts-Mäzenatentum

Mit dem vor fünf Jahren lancierten "Gemeinnützigkeitspaket" wurde gemeinnütziges Stiften und Spenden erleichtert. Es sollte mehr privates Geld in die Kassen von Forschungs-, Sozial-, Kultur- und Bildungseinrichtungen spülen. Seither gab es tatsächlich einige Stiftungsgründungen, etwa an Hochschulen, und es habe zumindest "Bewusstseinsbildung" stattgefunden, so Experten zur APA. Bei den rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen orten sie aber weiter Verbesserungsbedarf.

Österreich sei "auf einem richtigen Weg", Stiftungen auch als einen wichtigen ergänzenden Faktor der Finanzierung im Wissenschafts- und Bildungsbereich zu sehen, so die Generalsekretärin des Verbandes für gemeinnütziges Stiften, Ruth Williams, im Gespräch mit der APA: "Natürlich ist aber immer Luft nach oben." Das liege auch daran, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen zwar mit dem "Gemeinnützigkeitspaket" 2016 verbessert wurden, der Sektor "aber doch noch recht stark reglementiert ist. Es ist dann noch nicht ganz so einfach, eine Stiftung zu gründen, wie beispielsweise einen Verein".

Unter den rund 120 Neugründungen in den vergangenen Jahren befänden sich auch einige aus dem Bildungsbereich sowie aus der Wissenschaft. Die Bandbreite an Persönlichkeiten, die stiften und spenden, sei größer geworden und einschlägige Einrichtungen würden auch mehr kooperieren, sagte Williams zum Start der Jahrestagung des European Foundation Centre (18. bis 20. Oktober) in Wien.

Kein Vergleich zu Stiftungen im Ausland

Trotzdem müsse man festhalten, "dass die Volumina, die in Österreich bisher bewegt werden, mit jenen in Deutschland und der Schweiz nicht vergleichbar sind". Ganz zu schweigen von großen US-Unis, die teils sehr hoch dotierte Stiftungen im Hintergrund haben, die oft von gut betuchten Absolventen genährt werden und beträchtliche Summen in die Wissenschaft ausschütten. So kann sich die Harvard University auf einen sogenannten Reservefonds mit einer aktuellen Dotation von 53,2 Milliarden Dollar (rund 46 Mrd. Euro) stützen.

Eine der neuen Initiativen in Österreich ist die "Stiftung Universität Innsbruck", die 2019 ins Leben gerufen wurde. Momentan beläuft sich der Kapitalstock auf rund 2,7 Millionen Euro, weitere Zuwendungen seien aber in der Pipeline, so Stiftungsvorständin Uli Rubner zur APA. In Österreich habe sich seit 2016 durchaus etwas bewegt. Klar sei aber auch, dass die Covid-Krise dem Aufbringen von Mitteln nicht zuträglich war. Die Akquise-Arbeit sei nämlich in der Regel ein "längerer Prozess", bei dem Vertrauen zu einem Einzelspender oder einem Unternehmen aufgebaut werden muss.

Mäzenatentum

Vielfach würde in Österreich etwa noch nicht verstanden, dass es sich hier um einen karitativen Zweck und nicht um Sponsoring oder Marketing handelt. Das zeige wiederum, dass hierzulande der Gedanke des Mäzenatentums keineswegs weit verbreitet ist. Rubner: "In der Schweiz tut man sich schon sehr viel leichter." Das gelte auch für potenzielle Geldgeber, die die diesbezügliche Kultur in den USA, Großbritannien oder der Schweiz kennen. Bei durchgehend in Österreich sozialisierten Menschen gebe es hier weniger Bewusstsein.

Neben Initiativen von Unis engagiert sich auch der Wissenschaftsfonds FWF mit dem Ziel, vor allem Menschen aus der Forschung anzusprechen, die etwa im Ausland Karriere gemacht, Österreich-Bezug haben und in diese Richtung etwas zurückgeben wollen. So verfolgt die "alpha+ Stiftung" einerseits die Unterstützung junger Wissenschafter, andererseits möchte man künftig Preise mit signifikanter Dotierung im Hunderttausend-Euro-Bereich, etwa auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung vergeben.

Viel zu wenig privates Geld

Bisher machen private Gelder 1,2 bis 1,3 Mio. im rund 250 Mio. Euro hohen FWF-Budget aus. Den Anteil zu heben gestalte sich aber schwierig. "Wir sehen, dass es eine Herausforderung ist, private Mittel zu generieren", heißt es seitens des FWF. Man könne nach der Gründung 2019 aber schon erste Erfolge verbuchen: "Die Pflanze beginnt zu wachsen."

Als Vorstandsvorsitzender der "alpha+ Stiftung" fungiert der ehemalige Rektor der Uni Wien, Georg Winckler. Will man tatsächlich mehr private Mittel in die Forschung bringen, braucht es seinem Dafürhalten nach vor allem "Öffentlichkeitsarbeit". Man müsse stärker herausstreichen, dass anwendungsoffene Forschung auch im Interesse der Gesellschaft ist. Leider sei es oft schwierig, zu vermitteln, dass sie ebenso für den Wirtschaftsstandort wichtig ist, so der Wirtschaftswissenschafter zur APA: "Viele Leute glauben aber, dass vor allem Grundlagenforschung so und so vom Staat finanziert wird und man sich dort nicht engagieren braucht."

Diese Ansicht habe sich aber in den vergangenen Jahren ein Stück weit verändert. Allerdings: In der Schweiz komme rund ein Drittel der Mittel für den Bereich aus privaten Quellen. Davon ist Österreich weit entfernt, aber die Covid-Krise könnte hier auch ein gewisses Umdenken bewirken, hofft Winckler. Dass aber gemeinnützige Stiftungen die steuerliche Begünstigung für Zuwendungen erst nach drei Jahren ihres Bestehens beantragen können, sei neben den Barrieren in der grundsätzlichen Einstellung dazu ein weiteres Problem. Die Abschaffung der "Drei-Jahres-Regel" ist auch eine Forderung, die Williams an die Politik richtet.

Absurde Situation bei Spenden-Absetzbarkeit

Mit der MEGA Bildungsstiftung, der Sinnbildungsstiftung oder der Initiative "Teach For Austria" gebe es interessante Beispiele aus dem Bildungsbereich. Hier herrsche aber die "sehr absurde Situation", dass zwar Spenden in der Hochschulbildung steuerlich absetzbar sind, ebenso wie eine Investition in einen Schulbau in einem Entwicklungsland, da das unter Entwicklungszusammenarbeit fällt. Geht es aber um eine Schule in Österreich, können etwa NGOs "ihre Arbeit nicht spendenabsetzbar machen. Keiner kann einem erklären, warum das so ist", so Williams.

Wenn von 100.000 Euro etwa nur 75.000 bei einem Bildungsprojekt ankommen, dann ist das "ein massiver Hemmschuh", sagte Williams, die hier Gleichbehandlung fordert. Gelänge das, würden dem Staat laut einer Studie rund zehn Mio. Euro an Steuereinnahmen entgehen, "aber man kann davon ausgehen, dass 35 Millionen mehr aus dem privaten Bereich in den Bildungssektor hineinfließen - und die braucht er dringend".

Siehe auch die externen Links zu www.gemeinnuetzig-stiften.at , www.alphaplusstiftung.at , stiftung-universitaet-innsbruck.at ,  www.efc.be/annual-conference

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