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13.10.2017

SPÖ schöpft Hoffnung: "Wir werden das gewinnen"

Die Parteien starten ins Wahlkampffinale. Nur die NEOS warten noch bis Samstag. Ein Überblick über die Abschlusskundgebungen.

Zwei Tage vor der Stimmabgabe starten fast alle Parteien ins Wahlkampffinale - nur die NEOS warten bis Samstag.

Was haben die Spitzenkandidaten auf den letzten Metern gesagt? Was haben sie noch vor? Ein kleiner Überblick:


ÖVP bat um Unterstützung

ÖVP-Spitzenkandidat Kurz warb bei einer kurzen Ansprache vor seinen Anhängern bei der Parteizentrale um eine Stimme für ihn, um die nötige Veränderung auch umsetzen zu können. Dabei garantierte er, nach der Wahl alles tun zu wollen, um die Steuerlast zu senken. Er habe die Partei im Mai dieses Jahrs übernommen, mit dem Ziel eine breite Bewegung auf die Beine zu stellen und eine Veränderung herbeizuführen. Die vergangenen Monate seien "intensiv aber schön" gewesen. 200.000 haben sich der Bewegung angeschlossen: "Ich bin dankbar, dass wir diese Stärke entwickeln konnten."

>> Das Wahlprogramm der ÖVP

In den vergangenen Monaten seien Ideen und Programme präsentiert worden. Daran habe es aber auch in der Vergangenheit nicht gemangelt, was gefehlt habe sei "Kraft, Mut und Entschlossenheit", meinte der ÖVP-Obmann. Er garantiere daher, dass er alles tun werde, um die Steuerlast zu senken, damit den kleinen und mittleren Einkommensbeziehern mehr zum Leben bleibt. Auch versprach er, alles unternehmen zu wollen, um "Missbrauch und Zuwanderung" ins Sozialsystem zu beenden - ebenso die illegale Migration. "Der 15. Oktober ist unsere Chance auf Veränderung", betonte Kurz. Um eine echte Veränderung einleiten zu können, brauche es aber mehr als Unterstützung und Rückhalt, bat er um eine "Unterstützung durch Ihre Stimme".

Nach dem kurzen Statement unter den Arkaden in der Lichtenfelsgasse stieg der Spitzenkandidat in den türkisen Tourbus und startete zur 36-Stunden-Tour.


SPÖ: "Wir werden das gewinnen"

Die SPÖ hat Freitagabend den Wahlkampf mit einer Großveranstaltung vor der Parteizentrale in der Wiener Innenstadt abgeschlossen. Bundeskanzler Christian Kern versuchte dabei Zuversicht auszustrahlen: "Wir werden das gewinnen, ihr werdet das sehen", rief er den mehreren hundert Besuchern in und vor einem Festzelt zu.

Ausdrücklich warnte der SPÖ-Chef vor einem schwarz-blauen Experiment. Dem stellte Kern einen Weg der sozialen Verantwortung gegenüber, für den seine Partei die einzige Alternative sei.

>> Das Wahlprogramm der SPÖ

Beklagt wurde vom Kanzler eine beispiellose Hetzkampagne gegen die SPÖ. Von dieser werde man sich aber nicht stoppen lassen: "Wenn wir angerempelt werden, richten wir uns auf."

Auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl warnte ausdrücklich vor dem Comeback einer Bundesregierung aus ÖVP und Freiheitlichen. Der Stadtchef erinnerte an Einkommensverluste für Pensionisten und Sozialabbau. Dem wolle die SPÖ entgegentreten: "Wir wollen, dass diese Erfolgsstory fortgesetzt wird". Ins Visier nahmen die SPÖ-Spitzen diesmal weniger FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, als ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, der von Häupl als "Marie-Antoinette der österreichischen Innenpolitik" bezeichnet wurde. Sowohl der Bürgermeister als auch Kern hielten dem Außenminister umfangreiche Sozialabbaupläne vor.

Zum Wahlkampfabschluss war neben zahlreichen Funktionären auch ein Großteil der sozialdemokratischen Prominenz erschienen. Im Publikum fanden sich etwa Altkanzler Franz Vranitzky, der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl, Nationalratspräsidentin Doris Bures und die Regierungsmitglieder der Sozialdemokraten.


FPÖ möchte für eine Überraschung sorgen

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat bei der Schlusskundgebung seiner Partei Freitagabend auf dem Viktor-Adler-Platz in Wien-Favoriten noch einmal einen freiheitlichen Wahlerfolg beschworen. "Vielleicht gelingt es uns sogar, gemeinsam die Überraschung zu schaffen", sagte Strache vor seinen zahlreich erschienenen jubelnden Anhängern. Es sei "einiges möglich", meinte der FPÖ-Chef.

>> Das Wahlprogramm der FPÖ

Wie im gesamten Wahlkampf vermied es Strache jedoch, Platz eins als Ziel in den Mund zu nehmen oder gar die eigene Kanzler-Ambition hervor zu streichen. Der FPÖ-Spitzenkandidat richtete gleichzeitig einen Appell an seine Sympathisanten, den Umfragen der letzten Wochen und Monate nicht zu glauben. Er sprach von den "sogenannten Experten", die diese in Umlauf bringen würden. "Da soll man besser gleich eine Glaskugel nehmen", so der FPÖ-Bundesparteichef.

"Ihr seid stark. Lasst euch nicht einreden, dass ihr schwach seid und eh nix ändern könnt", meinte Strache zu seinem Publikum. Es sei "nicht Gott gewollt", dass SPÖ und ÖVP ewig weiterregieren. "Ich danke euch und bin stolz auf euch. Ich werde euch dienen, wo auch immer ihr mich hinstellen werdet", wurde der FPÖ-Chef erst am Ende seiner ansonsten eher ruhig angelegten, rund einstündigen Rede emotional. Schließlich ertönte noch die Bundeshymne und zu guter Letzt die "Parteihymne" "Immer wieder Österreich", wie immer dargeboten von der "John Otti Band". "HC"-Schals, Fahnen, Konfetti und Luftballons rundeten das freiheitliche Stimmungsbild ab.

Den meisten Applaus erntete der FPÖ-Chef, als er die "islamistischen Parallel- und Gegengesellschaften" geißelte und die "christliche Leitkultur" in Österreich beschwor, die in Gefahr sei. Wer nicht akzeptiere, dass etwa weiter Kreuze in den Schulklassen hängen, der solle das Land besser verlassen. Vielleicht gehe die Entwicklung bald so weit, dass man auch nicht mehr "Sparschwein" sagen dürfe, weil damit muslimische Mitbürger beleidigt würden, so Strache.


GRÜNE wollen das "Zweistellige" ankratzen

Mit einem Überraschungsauftritt von Ex-Parteichefin Eva Glawischnig haben die Grünen am Freitag in Wien ihren Wahlkampfabschluss begangen. Die Bühne überließ diese zwar Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek und dem deutschen Grünen-Co-Chef Cem Özdemir, versprühte danach aber Optimismus. Sie erwarte ein "deutlich besseres" Ergebnis als in den Umfragen: "Das Zweistellige können wir schon ankratzen."

>> Das Wahlprogramm der Grünen

Zu Beginn der Veranstaltung war Glawischng, die sich seit ihrem Rücktritt im Mai großteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, fast heimlich in den Saal gehuscht. Als Lunacek sie von der Bühne aus begrüßte, gab es herzlichen und lang anhaltenden Applaus, und für das Abschlussfoto stellte sich Glawischnig dann schon mit den grünen Kandidaten auf die Bühne.

Danach stellte sie sich den Journalisten und lobte ihre Nachfolgerin für deren auf grüne Kernthemen fokussierten Wahlkampf. "Ulrike Lunacek hat das hervorragend gemacht." Dass die Grünen den Einzug in den Nationalrat verpassen könnten, halte sie für nicht wahrscheinlich, im Gegenteil: "Ich bin überzeugt, dass es deutlich besser ausgeht als die Prognosen jetzt sind." In der Vergangenheit seien die Grünen in den Umfragen oft besser gelegen als am Wahlabend; diesmal werde es umgekehrt sein.

Darauf angesprochen, ob sie mit ihrem abrupten Abgang nicht Mitverantwortung für den Einbruch der Grünen trage, sagte Glawischnig: "Jeder gibt das, was er geben kann." Sie sei viele Jahre in der Spitzenpolitik gewesen, "es war Zeit für mich".


Peter Pilz lehnte 50-Euro-Spende ab

Kurz und karg hat die Liste Peter Pilz Freitagvormittag ihren Wahlkampf beendet. "Es war ein wunderbarer Wahlkampf. Ich habe ihn wirklich genossen", sagte Listengründer Pilz von seinen Mitstreitern flankiert vor dem Parlament am Wiener Ring. "Ich habe ein gutes Gefühl", zeigte sich der frühere Grüne optimistisch, dass er den Sprung in den Nationalrat schaffen wird.

>> Das Wahlprogramm der LISTE PILZ

Pilz sieht seine Liste als "Basis für etwas Neues und Alternative für kommende Wahlen". Die Wahl am Sonntag sei ein Anfang "für eine große, politische Alternative", denn die SPÖ werde es nicht tun und "die Grünen können es nicht". Er verglich sich auch ein bisschen mit dem legendären SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky. Die Situation heute sei wie bei der Wahl 1966 als die Bevölkerung der ÖVP zu einer Alleinregierung verholfen und diese vier Jahre später abgewählt habe. Erst danach habe eine Ära der Veränderung begonnen. So ungefährt stellt sich Pilz auch den Werdegang seiner Liste vor. Es handle sich nämlich "um das tollste und beste Team, mit dem ich in 31 Jahren Parlament zusammengearbeitet habe".

Der langjährige Parlamentarier positionierte sich einmal mehr als strenger Kontrolleur. Angesichts einer drohenden schwarz-blauen Regierung "wird Kontrolle noch wichtiger sein als bisher". Pilz betonte zudem, dass seine Liste mit nur einem Plakat und keinem einzigen Inserat den billigsten Wahlkampf aller Zeiten geführt habe. Eine spontane Spende von 50 Euro, die ihm ein Anhänger während der Rede gab, lehnte Pilz ab. Man müsse nicht Millionen Euro verbrennen, es reichen Ideen. "Ich will zeigen, wie Politik anders geht." Seine Liste stehe für Gerechtigkeit, Freiheit, die Verteidigung "unserer Werte" und Kontrolle, so Pilz.