Terror in Wien: Ein Versagen, an dem keiner schuld sein will

Terror in Wien: Ein Versagen, an dem keiner schuld sein will
Frühzeitige Entlassung, gescheiterte Deradikalisierung und null Information: Zwischen Justiz- und Innenministerium ist ein Streit entfacht.

Wie konnte es zu dem Terrorakt in Wien kommen? Wer trägt dafür die (politische) Verantwortung? Um diese Fragen hat sich an Tag zwei nach der Bluttat eine heftige Debatte entwickelt.

Kujtim F. war, wie berichtet, bereits wegen seiner Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung in Haft, wurde aber im Dezember 2019 frühzeitig entlassen. Betreut haben ihn der Deradikalisierungsverein „Derad“ und die Bewährungshilfe „Neustart“.

Fünf Tage vor dem Anschlag war Kujtim F. noch bei seinem Derad-Betreuer, wenige Tage davor traf er seine Bewährungshelferin. Der 20-Jährige galt als ideologisch auffällig – dass er einen Terroranschlag plante, darauf habe es aber keine Hinweise gegeben. Er war ein Zweifler. Er war hin- und hergerissen zwischen Ideologien, stellte infrage, ob er denn ein guter Muslim sei. Er betete heimlich – damit seine Eltern nichts davon mitbekamen.

"100-prozentige Sicherheit gibt es nicht"

In beiden Organisationen herrscht Fassungslosigkeit. „Wir kennen eine Handvoll Leute, die zu Attentaten fähig sind. Aber er fiel nicht darunter“, sagt Moussa Al-Hassan Diaw von Derad. Eine „hundertprozentige Sicherheit“ gebe es nie, und der Verein habe den späteren Attentäter auch nie als „deradikalisiert“ dargestellt, betont Diaw.

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