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Politik Inland
10/27/2021

Skikurs wegen Aufwands abgesagt

Immer mehr Schulen streichen heuer Schulveranstaltungen wie Skikurse oder Maturabälle, obwohl es die Inzidenzen gar nicht verlangen.

von Elisabeth Hofer

Maturaball abgesagt, Skikurs verschoben, Französisch-Sprachwoche ins Salzkammergut verlegt: In Österreich mehren sich in diesen Tagen Beschwerden von Eltern- und Schülervertretern über Schulveranstaltungen, die nicht bzw. nicht wie erhofft stattfinden, obwohl es die Corona-Situation eigentlich zulassen würde.

Konkrete Zahlen zu den Absagen gibt es zwar nicht, aber: „Ich habe das Gefühl, für viele Schulleitungen ist der Aufwand bzw. das Risiko zu groß, darum sagen sie lieber von vorne herein ab“, erzählt eine Wiener Elternvertreterin dem KURIER.

Welcher Aufwand in diesem Schuljahr konkret betrieben werden muss, damit Schulveranstaltungen sicher ablaufen können, das regelt grundsätzlich der Erlass „Sichere Schule“ des Bildungsministeriums: In Risikostufe 1 und 2 sind Schulveranstaltungen und sogenannte schulbezogene Veranstaltungen zulässig, ab Risikostufe 3 nicht mehr.

Risikoanalyse notwendig

Derzeit sind die Schulen in acht Bundesländern auf Stufe 2, in Vorarlberg sogar auf Stufe 1. In Risikostufe 1 wird eine sogenannte Risikoanalyse nur empfohlen, in Risikostufe 2 ist diese Voraussetzung für die Durchführung einer Schulveranstaltung.

Auf welcher Risikostufe die Schulen sich befinden wird von der Corona-Kommission auf Basis der risikobasierten 7-Tages-Inzidenz festgelegt

Risikostufe 1 Freiwillige Tests für Schüler

Risikostufe 2 Ungeimpfte werden dreimal wöchentlich getestet; Maskenpflicht außerhalb der Klassen- und Gruppenräume

Risikostufe 3 Ungeimpfte werden dreimal wöchentlich getestet; Maskenpflicht im ganzen Schulgebäude ab der 9. Schulstufe, für jüngere Kinder nur außerhalb der Klassen- und Gruppenräume

Dabei muss festgehalten und transparent gemacht werden, welche Risiken es gibt, wie sie abgefedert werden können und welche Konsequenzen es bei ihrem Eintreten geben würde.

Klingt eigentlich simpel. Bei der konkreten Umsetzung wird es aber um Einiges komplizierter, wie etwa das aktuelle Beispiel der Schulskikurse zeigt.

Auf der Piste gilt nämlich die 3-G-Pflicht, Kinder ab zwölf Jahren müssen geimpft, genesen oder getestet sein und einen entsprechenden Nachweis mit sich führen. Bei einem fünftägigen Skikurs bedeutet das, dass nichtgeimpfte Kinder zwischendurch getestet werden müssen. „Dafür muss dann wiederum eine extra Betreuungsperson abgestellt werden“, erklärt die Elternvertreterin. Außerdem sei es nicht ohne weiters möglich, für diese Kinder eine Fünf-Tage-Karte zu kaufen.

Die begleitenden Lehrkräfte müssten sich nach Ablauf der Testgültigkeit um neue Tickets für die Schüler bemühen.

Hinzu komme noch der finanzielle Unsicherheitsfaktor: Müssen Schulveranstaltungen kurzfristig abgesagt werden, etwa, weil sich das Infektionsgeschehen zuspitzt, bleiben die Eltern auf den Stornokosten sitzen. Nachdem es keine Schulstornofonds mehr gibt, müssen sie nun entweder das Risiko auf sich nehmen, oder eine private Stornoversicherung abschließen.

Bildungsminister Heinz Faßmann legt den Schulen trotz alledem nahe, Schulveranstaltungen durchzuführen – auch wenn das einen Mehraufwand bedeutet. „Schulveranstaltungen sollen, sofern möglich, auch in diesem Schuljahr stattfinden. Kinder versäumen sonst wesentliche Erfahrungen, an die sie sich ihr Leben lang erinnern werden. Aufgrund der aktuell volatilen Situation ist aber unbedingt eine Risikoanalyse und ein Check der Stornobedingungen vorab notwendig“, erklärt er.

Den Neos ist diese Aussage viel zu wenig deutlich. „Wir erwarten uns mehr vom Bildungsminister, als tatenlos zuzuschauen und auf Stornoversicherungen hinzuweisen“, sagt die pinke Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre. Denn auch Schulveranstaltungen – von Skikursen, über Maturabälle bis zu Sportwochen – würden zur Schule und zum Jungsein dazugehören. „Es ist schlicht nicht einzusehen, dass bei Kindern und Jugendlichen immer wieder strengere Maßstäbe angelegt werden und wir die Pandemiebekämpfung weiterhin auf ihrem Rücken austragen“, erklärt Künsberg Sarre.

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