© Kurier/Franz Gruber

Interview
01/09/2022

Polaschek: "Ein Schul-Lockdown steht nicht zur Debatte"

Bildungsminister Martin Polaschek will alles tun, damit Kinder "Austausch mit Gleichaltrigen erleben".

von Michael Hammerl

KURIER: Ist es derzeit f√ľr Kinder und Lehrer sicher, in die Schule zu gehen?

Martin Polaschek: Die Schulen sind im Vergleich ein relativ sicherer Ort, weil regelmäßig getestet wird, weil alle Masken tragen, und weil es zu keinem Kontakt mit Personen kommt, die nicht getestet sind und keine Maske tragen.

Was m√ľsste passieren, dass die Regierung noch einmal einen bundesweiten Schul-Lockdown verh√§ngt?

Ich w√ľrde nicht von einem Schul-Lockdown sprechen, sondern davon, ob einzelne Klassen ins Distance Learning geschickt oder einzelne Schulen geschlossen werden. Das h√§ngt von den regionalen Infektionszahlen ab. Ein genereller Schul-Lockdown steht aktuell nicht zur Debatte.

Ist das Betreuungsangebot flächendeckend gesichert?

Wir tun alles daf√ľr, das Betreuungsangebot aufrecht zu erhalten. Sollte es zu vermehrten Ausf√§llen in einem Bereich kommen, haben wir die M√∂glichkeit, das vor√ľbergehend durch Supplierstunden oder durch das Heranziehen von Lehramt-Studierenden aufzufangen. Ich sehe daher derzeit keinen Grund zur Sorge.

Ab 17. J√§nner sollen in allen Schulen w√∂chentlich zwei PCR-Tests ‚Äď statt nur einem ‚Äď durchgef√ľhrt werden. Warum nicht schon ab diesem Montag?

Der zweite PCR-Test ist ein gro√üer logistischer Kraftakt. Das bedeutet noch einmal rund eine halbe Million zus√§tzlicher PCR-Tests f√ľr den Schulbereich. Nachdem mittlerweile in ganz √Ėsterreich viel, viel mehr PCR-Tests durchgef√ľhrt werden, m√ľssen wir die Garantie haben, dass die entsprechenden Laborkapazit√§ten zur Verf√ľgung stehen, und die kann der Anbieter ab 17. J√§nner garantieren.

Das heißt, drei PCR-Tests pro Woche, wie Experten sie empfehlen, sind kein realistisches Ziel?

Mittelfristig ist das sicher ein Ziel. Auf Basis der derzeitigen Testkapazitäten ist es aber noch nicht erreichbar.

Sie haben zwar an die Sch√ľler appelliert, sich vor dem Schulstart zu testen. Aber w√§re ein verpflichtendes Freitesten f√ľr Montag, mit PCR-Tests, nicht sinnvoller gewesen?

Es folgt sowieso das verpflichtende Testen am Montag in der Schule. Am Wochenende ist das PCR-Testen mit den M√∂glichkeiten in den Bundesl√§ndern zum Teil schwer umzusetzen, weil die Infrastruktur nicht √ľberall entsprechend ausgebaut ist. Unser Aufruf war, dass am Wochenende getestet wird. Wir gehen davon aus, dass die meisten diesem Aufruf nachkommen.

Ab wann muss ‚Äď Stand Montag ‚Äď ein Sch√ľler in Quarant√§ne, ab wann eine ganze Klasse?

Es gibt die allgemeinen Quarant√§neregelungen, die f√ľr alle in √Ėsterreich gelten. Im Schulbereich haben wir die erg√§nzende Ma√ünahme, dass Schulklassen ins Distance Learning gehen, wenn zwei Infizierte binnen drei Tagen in einer Schulklasse auftauchen. Das ist aber bitte keine Quarant√§ne.

Bei zwei Infizierten binnen drei Tagen muss die Klasse also ins Distance Learning.

Wir haben jetzt diese Regelung, stimmen uns aber laufend mit Gecko ab. Wir bewerten diese Zahlen täglich neu und können unser System kurzfristig anpassen, wenn es nötig ist.

Ist es eine Option, nur ungeimpfte Sch√ľler zum Selbstschutz ins Distance Learning zu schicken?

Das w√ľrde bedeuten, dass man einzelne Personen stigmatisiert. Wenn einzelne Personen ins Distance Learning gehen, muss man zudem einen hybriden Unterricht fahren, was sehr ressourcenintensiv w√§re. Es ist sicherer und gescheiter, dass die gesamte Klasse ins Distance Learning geht und dann wieder als Gemeinschaft in die Schule zur√ľckkehrt. Sonst grenzt man gewisse Kinder aus, das sollte nicht unser Ziel sein.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gr√ľnde, um Schulen und Kinderg√§rten teils auch entgegen virologischer Empfehlungen offen zu halten?

Der soziale Austausch. Kinder brauchen nicht nur Austausch mit ihren Eltern und Familien, sondern auch mit Gleichaltrigen, mit Freundinnen und Freunden. Kinder nur in ihren Wohnungen zu belassen, ist f√ľr diese Bev√∂lkerungsgruppe besonders anstrengend. Studien zeigen, dass vor allem junge Menschen unter den Lockdowns sehr stark gelitten haben. Ich glaube, wir sollten alles daf√ľr tun, dass Kinder diesen direkten Austausch erleben k√∂nnen.

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