© APA - Austria Presse Agentur

Politik Inland
01/25/2021

Aschbacher-Affäre: Vertrauen in Wissenschaft nachhaltig erschüttert?

OGM-Umfrage im Auftrag des KURIER zeigt "hochgeschossene Skepsis" gegenüber akademischen Arbeiten. Viel Vertrauen genießt hingegen der neue Arbeitsminister.

von Michael Hammerl

Hat die Plagiatsaffäre um Ex-Arbeitsministerin Christine Aschbacher das Ansehen von Akademikern in Österreich beschädigt? Und wie denkt die Bevölkerung über ihren Nachfolger, Wirtschaftsforscher Martin Kocher?

Was eine OGM-Umfrage im Auftrag des KURIER zeigt: 86 Prozent der Befragten empfanden Aschbachers Rücktritt als "richtig". Einen Schaden für die wissenschaftliche Welt dürften die mutmaßlichen Plagiate und sprachlichen Unzulänglichkeiten in Aschbachers wissenschaftlichen Arbeiten nur vorübergehend bewirken, meint OGM-Chef Wolfgang Bachmayer im KURIER-Interview. Immerhin: Jeder vierte Befragte ist der Ansicht, dass das Erreichen eines akademischen Grades in Österreich zu einfach ist. Wobei Ältere die Affäre weitaus kritischer beurteilen als Jüngere – die teils selbst noch studieren.

"Ansehen nicht beschädigt"

Bachmayer identifiziert zwei Voraussetzungen, damit sich die "hochgeschossene Skepsis" bald wieder legt: Es dürfen nicht allzu schnell "gleichartige Nachrichten" publik werden und Österreich sollte in internationalen Vergleichen, wie Hochschul-Rankings, auf Kurs bleiben. "Wenn Österreich da nicht zurückfallen sollte, dann wird sich diese aktuelle Sichtweise, dass es bei uns etwas zu leicht ist, einen akademischen Grad zu erreichen, rasch verflüchtigen", sagt Bachmayer.

Sei es der deutsche Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen oder EU-Kommissar Johannes Hahn: Vor allem auf politischer Ebene kochen alle paar Jahre ähnliche Vorwürfe hoch und führen zu Debatten – oder gar zur Rücktritten, wie in den Fällen Guttenberg und Aschbacher. Sorgt das für einen nachhaltigen Schaden? Bisher nicht, so Bachmayer: "Trotz politischer Affären wird das Ansehen der akademischen Grade nicht beschädigt."

Kocher "war geradezu eine Ideallösung"

Als vormaliger Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) und Hochschullehrer dürfte der renommierte Ökonom Kocher wohl eher nicht über eine Plagiatsaffäre stolpern. Dessen größter Stolperstein ist wohl ein gänzlich anderer: die enorme Erwartungshaltung.

Durchaus überrascht zeigten sich politische Gegner und Medien, als Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) den parteilosen Experten aus dem Hut zauberte. Könnte Kocher als Experte "politisch verheizt" werden? Zumindest diese Gefahr sieht Bachmayer eher nicht: Kocher sei öffentliche Auftritte gewohnt, habe sich als IHS-Chef also nicht im "wissenschaftlichen Elfenbeinturm" versteckt und bereits zuvor "sehr nahe" an der Politik gearbeitet: "Er hat genügend Erfahrung und für Kanzler Sebastian Kurz war das geradezu eine Ideallösung. Er hat damit genau genommen das schwierigste und anspruchsvollste, vielleicht sogar eines der wichtigsten Regierungsressorts, in sehr kompetente Hände gelegt."

"Auf jeden Fall eine Hypothek"

Die nächste große Krise nach der gesundheitlichen werde nämlich jene am Arbeitsmarkt sein, so Bachmayer. Mit Kocher sei nun ein "echter Profi" am Werk, der auch dank seiner Vita eine "hohe Einstiegsakzeptanz" genieße. Das "Schulterklopfen" könnte aber schnell nachlassen, sobald Debatten wie die Erhöhung des Arbeitslosengeldes in den Vordergrund rücken – Kocher sprach sich bereits deutlich dagegen aus – oder die Arbeitslosenzahlen nicht sinken.

Auch die Bevölkerung gibt Kocher einen massiven Vertrauensvorschuss: Laut Umfrage glauben 48 Prozent, dass der Experte die Probleme am Arbeitsmarkt besser lösen kann als ein Politiker. "Die Frage ist, wie lange er dieses Niveau halten kann", meint Bachmayer. Kurzfristig sei der Wert für Kocher "erfreulich", aber: "Mittel- bis längerfristig ist es eine Belastung, wenn die Latte sehr hoch liegt. In der Regel ist es fast günstiger, mit einem geringeren Akzeptanzwert in die Politik zu gehen und dann hinaufzusteigen."

Bachmayer nennt Kanzler Kurz als Beispiel, der als 24-jähriger Integrationsstaatssekretär mit besonders schlechten Akzeptanzwerten in die Politik gestartet war und sich auch deshalb eher profilieren konnte. Das bedeutet für Kocher: "Es ist auf jeden Fall eine Hypothek, eine Erwartungslast, der man gerecht werden muss."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.