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Faktencheck
03/31/2021

Experte: "Wertzuwachs der ÖBAG wäre unter Portier als Vorstand auch passiert"

5 Milliarden Euro mehr seit Amtsantritt vor allem dank Verbund und Bundesimmobiliengesellschaft.

von Robert Kleedorfer, Anita Kiefer

ÖBAG-Chef Thomas Schmid wird seitens der ÖVP dafür gelobt, dass in seiner Amtszeit seit März 2019 der Wert des in der Staatsholding befindlichen Portfolios um rund fünf Milliarden Euro gestiegen ist. Der Zuwachs sei vor allem auf Wertsteigerungen bei Verbund (ÖBAG-Anteil 51 Prozent) und der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG; 100 Prozent) zu erklären, heißt es seitens der ÖBAG.

Der Löwenanteil entfällt mit rund 4,4 Milliarden Euro auf den Verbund. Dieser ist das größte börsenotierte Unternehmen Österreichs. Erstmals übersprang ein heimischer Konzern die 20-Mrd. Euro-Marke im November des Vorjahres und lag zu Jahresende bei 24,7 Mrd. Euro.

Sowohl Verbund als auch BIG lehnten ab, den Anteil Schmids an der Wertsteigerung der beiden Konzerne gegenüber dem KURIER einzuschätzen. Klar ist: Angetrieben wurde der Kurs beim Verbund vor allem vom allgemeinen Börsenboom sowie dem Trend hin zu nachhaltigen Aktien. Und bei der BIG von der Immobilienhausse.

Kapitalmarktexperten gehen daher mit der Lobhudelei über Schmid zum Teil hart ins Gericht. „Der Zuwachs wäre unter einem Portier als Vorstand auch passiert“, sagt ein Marktkenner, der nicht genannt werden will. Und ein weiterer Experte: „Für die Republik ist die Causa keine Visitenkarte.“ Die befreundeten Anteilseigner bei der A1 Telekom (mexikanische Slim-Gruppe) und OMV (MPPH aus Abu Dhabi) würden das beobachten.

Mängel

Brigitta Schwarzer, Geschäftsführerin der Inara GmbH, die Unternehmen hinsichtlich Governance & Compliance berät, sieht bei Schmid mangelnde Qualifikation, da er kaum in der Privatwirtschaft tätig gewesen sei. „Als ÖBAG-Chef überwacht er die Vorstände nicht nur, sondern unterstützt sie bei wichtigen Entscheidungen.“

Das sei bei Schmid schwer vorstellbar. Hinzu komme die fehlende Transparenz bei der Bestellung 2019. „Die Begründung war eine dünne Suppe.“ Sie vermutet ein Friends & Family-Geschäft.

Ein weiterer Insider bestätigt dies. Es sei schon 2017 klar gewesen, dass Schmid diesen Job wollte und über Sebastian Kurz auch kriegen werde. „Da will niemand in den Ring steigen.“ Dabei gehe es in dem Job nicht um Loyalität zur Regierung, sondern um das Wohl der Konzerne.

Und er sieht generell das ÖBAG-Konstrukt für nicht ideal. Für diese Menge an wichtigen Beteiligungen (Verbund, BIG, OMV, Telekom, Post, Casinos, usw) benötige es einen zweiten Vorstand. „Mit Schmid fahren Alphamenschen wie Pölzl (Postchef, Anm.) oder Seele (OMV-Chef, Anm.) Schlitten. Für sie ist das unheimlich gut, wenn da wer sitzt, der keine Ahnung hat.“

Differenzierter beurteilt Rechtsanwalt Jörg Zehetner, Leiter von Lehrgängen zum Thema Aufsichtsrat, die Managementfähigkeiten Schmids. "Er ist sicher nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen, er kann einiges." Nachsatz: "Er ist aber auch ungeschickt."

Generell könne ein Aufsichtsrat, sofern er seine Rolle ernst nimmt und es gut macht, einen zentralen Beitrag zum Wohl des Unternehmens leisten, etwa wenn er sein Netzwerk einbringt. Die Rolle der Aufsichtsräte habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Sie seien nun viel aktiver eingebunden, etwa in die Strategie, und würden auch mehr mit den Vorständen diskutieren. "Sie sind nicht Vorgesetzte, sondern Fragesteller."

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