Austrian Chancellor Kurz delivers a speech in Vienna

© via REUTERS / Bundeskanzleramt

Politik Inland
04/27/2020

Kurz in Rede: "Wiederaufbau hat gerade erst begonnen"

Kanzler appelliert in Rede zum 75. Jahrestag der II. Republik an Eigenverantwortung jedes Einzelnen.

von Johanna Hager

Statt eines großen Staatsaktes nach der Kranzniederlegung zum 75. Jahrestag der Gründung der Zweiten Republik spricht Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise allein aus dem Bundeskanzleramt.

Kurz wisse, dass der Bevölkerung nicht zum Feiern zu Mute sei. Er verspricht in seiner knapp 15 Minuten dauernden Rede, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen und alles zu tun, alles zu tun, "um die Freiheit so bald wie möglich zurückzugewinnen."

Aus einem “schwachen und zerrütteten Österreich, das zwei Weltkriege durchleben musste“, sei ein starkes und wohlhabendes Land geworden - im Herzen der Europäischen Union, beginnt Kurz seine Rede. "Für dieses große Erbe dürfen wir allen dankbar sein“, sagt Kurz. Vor allem der Nachkriegsgeneration.

Dank an Figl, Kreisky, Mock

"Wir erinnern uns an die Gründerväter wie Leopold Figl, an große Gestalter, wie Bruno Kreisky und an Vordenker, wie Alois Mock." Auf deren Schultern stünden wir alle, "um die Erfolgsgeschichte Österreichs gemeinsam weiterzuschreiben".

Der heutige 75. Jahrestag werde in einer Zeit der Krise begangen, "in der uns allen nicht wirklich zum Feiern zumute ist". Gerade die Geschichte der Zweiten Republik zeige jedoch, dass es immer wieder "Phasen des Aufschwungs und des Friedens" gab, die durch Wirtschafts- und Finanzkrisen, Naturkatastrophen und gewaltsame Konflikte unterbrochen wurden.

"Aus jeder Krise gestärkt hervorgegangen"

Stets sei Österreich gestärkt aus den Krisen hervorgegangen. "Und so wird es auch diesmal sein, da bin ich mir sicher." Kurz zitiert dann die jüngsten Infektionszahlen.

Von fast 1.000 Neuinfektionen pro Tag im März auf weniger als 100 Neuinfektionen am Tag – das sei ein Meilenstein, über den wir uns freuen, für den wir angesichts der Entwicklungen in Italien oder Spanien dankbar sein sollen.

Kurz bedankt sich - wie stets bei seinen öffentlichen Auftritten seit der Corona-Krise - auch in der heutigen Rede mehrfach und explizit bei der Bevölkerung, öffentlichen Organisationen, Kirchen, Vereinen, der Zivilgesellschaft. "Das alles war und ist nicht einfach", betont Kurz.

Er spricht von der "Zeit der Entbehrungen" von Freunden und Familie und davon, dass Kurzarbeit wie Arbeitslosigkeit sowie Ausgangsbeschränkungen die Menschen belasten.

"Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass von heute auf morgen alles so sein wird, wie es einmal war"

Und: "Ich kann Ihnen auch nicht versprechen, dass die nächsten Monate einfach werden." Kurz werde, so sagt er, alles tun, "um so bald wie möglich unsere Freiheit zurückzugewinnen".

Schritt für Schritt werde man versuchen, wieder "so viel Normalität wie möglich zurückgewinnen, aber auch die Infektionszahlen so niedrig wie möglich halten."

Da es immer weniger Regeln geben wird, werde die Eigenverantwortung immer mehr von jedem Einzelnen abhängen. Das Lebensmodell der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sei "stark, aber nicht unverwundbar", und: Es erinnere daran, dass "jede Generation hart dafür arbeiten" müsse.

"Gibt nichts zu beschönigen"

"Die Corona-Pandemie betrifft längst die ganze Welt und die globale Wirtschaft steht vor der größten Rezession seit den 1930er-Jahren. Österreich ist hier keine Ausnahme."

Gerade als kleines, exportorientiertes Land, das zudem vom Tourismus lebe, sei Österreich besonders betroffen. Es gebe nichts zu beschönigen. "Es ist furchtbar zu sehen, wie gesunde, mittelständische Unternehmen nun unverschuldet in ihrer Existenz bedroht sind."

"Wiederaufbau hat gerade erst begonnen"

Mehr als 14 Milliarden Euro an Hilfsmitteln seien bereits geflossen. "Aber mit dieser Soforthilfe ist unser Weg des Wiederaufbaus noch lange nicht abgeschlossen – im Gegenteil: Er hat erst begonnen." Kanzler Kurz verspricht Deregulierung, Hilfe für alle, die sie brauchen.

Bereits diese Woche werden neue Maßnahmen vorgestellt werden, so Kurz, mit dem vorrangigen Ziel: "Um jeden Arbeitsplatz in Österreich zu kämpfen."

Egal ob Pflegepersonal, Sicherheitskräfte, Supermarktmitarbeiter oder andere: "Wer hart arbeitet, soll künftig mehr zum Leben haben", sagt Kurz und meint damit - ohne sie zu benennen - wohl eine Steuerentlastung.

 Mit "Mut und Zuversicht" wolle er vorausblicken auf "all das,was wir gemeinsam noch erreichen können: Auf das Comeback für Österreich, an dem wir alle beteiligt sind."