Politik | Inland
02.02.2018

FPÖ-Historiker: "Das soll kein Tribunal werden"

Wer im Auftrag Straches die Burschenschaften durchleuchten soll ist offen. Historiker Höbelt will mitmachen, bremst aber die Erwartungen.

Ausgerechnet am Tag des Akademikerballes, der als Treffpunkt Rechtsextremer seit Jahren umstritten ist, und mitten in der Germania-Affäre, machte Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache eine weitreichende Ankündigung: Eine Historikerkommission sollte die deutschnationalen Verbindungen und die Vergangenheit des so genannten Dritten Lagers "schonungslos" untersuchen.

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Einmal mehr begrüßte ÖVP-Chef und Kanzler Sebastian Kurz gestern erneut, dass sein Stellvertreter in der Regierung eine Historikerkommission einsetzen wolle.

Nun ist eine Woche nach Straches vollmundiger Ankündigung vergangen und der Druck auf die FPÖ wird jeden Tag größer, den braunen Sumpf trocken zu legen. "Wir sind auf der Suche, wer die Kommission bilden könnte. Das Prozedere und der Untersuchungsgegenstand müssen noch definiert werden", sagt der Pressesprecher von Strache und fügt gegenüber dem KURIER beruhigend hinzu: "Der Parteichef hat die Aufträge erteilt."

Keine Urteile

Wer von sich aus bereit ist, in diese Kommission zu gehen, ist der FPÖ-nahe Historiker Lothar Höbelt. Der Kenner der politischen Geschichte der Burschenschaften und des Dritten Lagers der vergangenen 150 Jahre, hat sehr präzise Erwartungen: "Das soll kein Tribunal werden. Es sollen auch keine Urteile gesprochen werden."

Geht es nach Höbelt, will er gar keine hochtrabende Kommission, sondern nur "eine interne Arbeitsgruppe", die die Partei einsetzt. Maximal fünf Experten, so die Idee des Professors an der Universität Wien, sollten "bestehende Missverständnisse ausräumen, die Diskussion versachlichen und Fragen, die öffentlich gestellt werden, beantworten". Eine Art "Fakten-Check-Gruppe" schwebt Höbelt vor. Einen Historiker des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes (DÖW) beizuziehen, findet er nicht nötig, denn: "Das DÖW macht nur Propaganda."

Die Archive der Burschenschaften zu durchleuchten, wie gefordert, lehnt der Historiker ab. "Warum sollten private Vereine, und das sind die Burschensaften, ihr Innenleben preisgeben", fragt er verwundert. Transparenz erwartet er sich hingegen von freiheitlichen Politikern, von Ministern und Abgeordneten, die einer Korporation angehören. "Die sollten sagen, woher sie kommen, und was sie tun."

Auf die Frage, ob das Liedgut der Burschenschaften nicht rassistisch und antisemitisch sei, antwortet er, dass es darum gehe, "die Inhalte im Kontext der Zeit zu sehen. Freund und Feind haben ja keine Ahnung mehr, was in diesen Liedern steckt". Es gebe aber eine Strophe, die "höchst geschmacklos" sei.

Höbelt geht nicht davon aus, dass es sehr bald zu der Historikerkommission kommt. "Es gibt keinen Druck" und die FPÖ sei derzeit "an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt".

"Entlastungsstrategie"

Der Grazer Universitätsprofessor für Neue österreichische Geschichte und Zeitgeschichte, Dieter Binder, hält die Ankündigung von FPÖ-Parteichef Strache, eine Historikerkommission zu bilden, für "unglaublich vage. Man wird erst mittelfristig sehen, ob es ernst gemeint ist oder nur als Entlastungsstrategie für die FPÖ dienen sollte", betont Binder.

Mit der Ankündigung, die umstrittenen Burschenschaften und ihre Ideologie zu untersuchen, wolle die Partei nur die Öffentlichkeit beruhigen und "den Handlungsspielraum zurückgewinnen", erklärt Binder.

Auf die Frage, ob er Interesse habe, an einer FPÖ-Kommission mitzuarbeiten, sagte der Universitätsprofessor ganz lapidar: "Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf."