Elefantenrunde: "Wir drei Außenseiter"

BP-WAHL: ORF - ELEFANTENRUNDE: GRISS / HOFER / HUN
Foto: APA/HANS PUNZ Elefantenrunde: Fußball, die Queen, Hollaundää und ein Dreier.

Protokoll: Die kuriosen Seiten der Elefantenrunde, die ein Elefanten-Viertelkreis war.

Jener Satz, der diesen Wahlkampf auf den Punkt brachte, fiel ganz am Ende der Diskussion. Die Tatsache, dass niemand lachte, obwohl der Satz von Richard Lugner stammte, illustriert, wie grundlegend sich die politische Mechanik Österreichs geändert hat. Lugner wurde von Moderatorin Ingrid Thurnher gefragt, wem er die größten bzw. geringsten Chancen auf die Stichwahl gebe. Lugner lächelte traurig, zeigte auf Andreas Khol und Rudolf Hundstorfer, und sagte:

"Wir drei Außenseiter."

Wie gesagt: Niemand lachte. Warum auch? Die Aussage enthielt ja auch keine Pointe, sondern war eine sachliche Beschreibung der Realität. SPÖ und ÖVP auf einer Stufe mit Spatzi Lugners Gemahl - willkommen im Jahr 2016.

Kinderpflicht und ein Dreier

Andere Aussagen Lugners bekamen dagegen zu Recht Gelächter als Lohn. Etwa diese: "Die Frauen sollen nicht zum Bundesheer, die haben Kinder zu kriegen, da verlieren sie viel Zeit."

Die beste Pointe des Abends aber passierte Alexander Van der Bellen. "Ich rechne damit, dass es einen Dreier gibt." Gemeint war der Kampf um die Stichwahl. Was haben Sie denn gedacht? Schämen Sie sich!

Die großen Zähen

Abgesehen davon war die sogenannte Elefantenrunde - die in Wahrheit geometrisch eher einen Elefanten-Viertelkreis darstellte - geprägt vom Versuch der Elefanten, auf allzu lautes Trompeten zu verzichten. Zoologen sagen ja, Elefanten trompeten nur im Zustand von Angst, Aufregung und Aggression. Die Kandidaten bemühten sich, keine dieser Emotionen zu zeigen. Die Folge: Es war sachlich. Sehr sachlich. Um nicht zu sagen: zäh. Es war eine Runde der großen Zähen. Die Diskussion begann mit der von Irmgard Griss geäußerten Hoffnung, "dass man fair miteinander umgeht". Die Moderatorin Ingrid Thurnher: "Vielleicht gelingt es ja heute?" Griss: "Vielleicht." Es gelang dann fast zu gut.

Verdammt

Am Anfang standen einige gewagte grundsätzliche Aussagen. Nobert Hofer: "Von Rambo bin ich weit entfernt." Rudolf Hundstorfer: "Ich glaube, ich war nicht unerfolgreich." Alexander Van der Bellen: "Glauben Sie, ein Mensch würde mich nicht wählen, weil ich behauptet habe, ich sei unabhängig - außer Frau Griss?" Dann sagt Van der Bellen (Huch!) sogar "Insgesamt haben wir es verdammt gut gemacht!" (Papa, der Mann hat "verdammt" gesagt...!)

Schöner Dialog - Van der Bellen: "Platz 1, 2 und 3 können eng beinander liegen!" Hundstorfer: "Auch Platz 4 und 5." Van der Bellen: "Aber das ist dann irrelevant." Da hat er (verdammt) Recht.

Wahrscheinlich sicher

Hundstorfer erklärt sein Amtsverständnis: "Als Bundespräsident hätte ich mich wahrscheinlich sicher schon erkundigt." Es ist wahrscheinlich sicher schön, dass wir das jetzt wissen. Andreas Khol nimmt das sportlich - die Rolle des Präsidenten sei die "eines Fußballtrainers zur Fußballmannschaft". Schade eigentlich, dass Marcel Koller nicht wählbar, weil Schweizer ist. Van der Bellen findet dagegen, "der Bundespräsident muss die Größe haben, den Erfolg auch einmal anderen zu gönnen". Ist diese Art von Größe in der österreichischen Politik überhaupt erlaubt?

Präsidentschaftskandidat Hundstorfer lobt überraschender Weise den ehemaligen Sozialminister Hundstorfer und nennt sein Erfolgsrezept: "Reden, reden, reden, leise reden, laut reden." Lugner kommentiert von der Seite: "Dass man nur keine heiße Luft spricht...!" Darauf Hundstorfer: "Sie gestatten, dass ich auf sowas heute überhaupt nicht mehr eingehe." (Damit haben beide gleichzeitig die Sendung gut zusammengefasst. Besonders laut redet übrigens Lugner. Damit ihn alle gut hören? Oder damit er sich gut hört?)

Brücken- oder Beckenbauer?

Andreas Khol versucht sich zum zweiten Mal als Fußballexperte: "Der Bundespräsident ist ein Brückenbauer, die Tore schießt die Regierung." Interessant, bisher war die Position des Brückenbauers im Fußball wenig bekannt (höchstens die des Beckenbauers).

Hofer sagt etwas Rätselhaftes: "Herr Khol ist der Jörg Haider." Wiedergeburt? Van der Bellen darauf zu Khol: "Fahren Sie an Porsche?" Khol: "Na, an Volkswagen..."

Dann kommt ein eisiger Moment der Unmaskiertheit. Norbert Hofer entgleitet, als er beschreibt, was er als Bundespräsident zu tun gedenkt, der Satz: "Sie werden sich wundern, was alles gehen wird." Andreas Khol: "Vielleicht werden wir uns alle noch wundern, Herr Hofer."

Rosa Elefant

Richard Lugner sagt über Irmgard Griss etwas Merkwürdiges: "Ein bissl rosa ist sie schon." Da war er - der rosa Elefant im Porzellanladen. Griss erklärt, was "wahre Unabhängigkeit" ist: "Niemand kann sagen, du bist uns was schuldig." Griss, Van der Bellen und Lugner spotten über rotschwarzen Proporz. Griss, sarkastisch: "Die sind immer am besten qualifiziert." Gelächter.

Jetzt kommt ein bizarrer Moment: Andreas Khol will den Terrorismus dadurch bekämpfen, dass er europaweit die Atomkraftwerke schließt.

Dieser Moment ist aber sofort vergessen, weil Hundstorfer das Proporzthema wieder aufgreift und behauptet, bei ihm als Sozialminister habe es für Posten "nie Interventionen gegeben", er wisse von keinem Sektionsleiter und keiner Sektionsleiterin die Parteifarbe. Das Gelächter des Publikums gellt höhnisch - ein klassischer Knieschuss. Lugner sagt dazu den interessanten Satz: "Die Leute haben bis zur Nase alles voll."

Van der Bellen ist Queen

Thurnher will Irmgard Griss fragen, nach wessen Vorbild sie ihr Amt ausüben würde, und produziert den legendären Satz: "Frau Griss - Lugner, pardon, Queen, oder Klestil?" Griss antwortet mit dem danach vielleicht einzig möglichen Satz: "Der Bundespräsident kann nicht eigenständig Außenpolitik machen." Thurnher bleibt wacker bei ihrem Sprachbild: "Herr Van der Bellen, Sie kann man sich schwer als Queen vorstellen."

Das ist vielleicht der einzige Satz des Abends, bei dem niemand widersprechen will.

Stimmt nicht - einer will doch. Van der Bellen antwortet nämlich: "Warum?" (Was der Buckingham Palast dazu sagt, ist noch nicht bekannt. Aber falls James Bond in den kommenden Tagen mit entsichertem Wodka-Martini an Van der Bellens Wohnungstür klopft, ist er selber schuld.)

Andreas Khol sagt: "Mit den Wählerinnen und WLAN" sowie "Der Bundespräsident kann einladen zu Treffen und vieles bewirken."

Narrisch guat

Und dann die große Überraschung des Abends: Hofer will keinen EU-Beitritt der Türkei. Nein, echt?

Van der Bellen sagt: "Wenn's, wie sagt man im Fußball?, narrisch guat laft..." Gut, es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass man irgendwo in Tirol wirklich so sagt, im Fußball.

Lugner sagt, angesprochen auf einen möglichen Staatsbesuch des iranischen Präsidenten: "Der Rohani wird sich nicht daran stören, wenn er einen nackten Apollo sieht. Ich glaube, das sollt er überleben." Und das war ganz sicher nicht die dümmste Aussage des Abends, ganz sicher nicht. Und gleich noch ein schöner, wahrer Satz - Andreas Khol: "Ich kann sehr, sehr lästig werden, wenn meine Wünsche nicht erfüllt werden."

Ball-Obergrenze und Sauce Hollaundää

In der Schlussrunde kommt endlich das wichtigste Thema Österreichs, ach was, der Welt zur Sprache: der Opernball. Van der Bellen freut sich "in Grenzen" darauf. Hundstorfer kennt dagegen keine Ball-Obergrenzen - auf "16 bis 17 Bälle" kommt er pro Jahr. Khol dagegen ist "Orden- und Ehrenzeichen-befriedigt", er geht lieber "mit den G'nagelten am Berg wandern". Hofer wird gefragt, ob der 8. Mai - der Tag der Erinnerung an die Kapitulation des Nazi-Reiches - für ihn ein Tag der Freude sei. Seine Antwort: "Es ist kein Tag der Freude, wenn Menschen sterben." Und tatsächlich fragt niemand nach, was das eigentlich heißen soll.

Irmgard Griss, damit wir das auch festhalten, glaubt schon, dass sie "würdig die Kompanie abschreiten kann".

Am Ende liefert wieder Lugner die (unbeabsichtigten) Pointen. Zum Thema "gerechte Gesellschaft" fällt ihm folgender Kommentar ein: "Woll ma an Kommunismus, wo alle nix haben?" Dann zeigt er ein Taferl - endlich ein Taferl! - und nennt den französichen Präsidenten Hollande "Hollaundää". Das kann schön werden, beim ersten Staatsbesuch von Präsident Lugner in Paris, wenn er Hollande um die Sauce bittet.

Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Lugner ist diesmal ja nur einer wie Khol und Hundstorfer. Also Außenseiter.

(KURIER) Erstellt am
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