Zeitenwende in Japan: Eine Nation rüstet sich für den Ernstfall

Zeitenwende in Japan: Eine Nation rüstet sich für den Ernstfall
Bis 2027 will Japan das dritthöchste Verteidigungsbudget der Welt haben – obwohl die Verfassung den Unterhalt von Streitkräften untersagt. Die hochbrisante Lage im pazifischen Raum lässt Tokio keine Wahl.

Der Bass dröhnt, ausgelassen tanzen Dutzende junge Menschen mehr oder minder im Takt eines Britney Spears-Hits, lassen die Woche hinter sich – wie fast überall auf der Welt. Auch die 22 Jahre alte Mitsu ist mit ihren Freundinnen hier – im Ausgehviertel von Hiroshima. Wenige hundert Meter entfernt schlug vor bald 80 Jahren die erste Atombombe ein, vernichtete Hunderttausende Menschen sowie die militärischen Ambitionen Japans, die Herrschaft über den indopazifischen Raum zu erlangen.

Nach wie vor gilt Hiroshima als Ort des japanischen Traumas, als Ursprung der pazifistischen Grundhaltung. Der Artikel 9 der Verfassung verbietet Japan kriegerische Aktivitäten sowie den Unterhalt von Streitkräften. „Ein Recht des Staates zur Kriegführung wird nicht anerkannt“, steht dort geschrieben. In einer 2015 durchgeführten Umfrage gaben elf Prozent der Japaner an, für ihr Land kämpfen zu wollen. Mitsu ist eine davon: „Nach meinem Jus-Studium will ich zur Küstenwache, dabei helfen, unsere Seegrenzen zu schützen“, sagt sie.

Von drei Seiten bedroht

Immer wieder dringen Schiffe der chinesischen Küstenwache in japanische Hoheitsgewässer ein, vor allem im Bereich der Senkaku-Inseln, die Peking für sich beansprucht. Das ist nur eine der zahlreichen Bedrohungen, denen sich Japan ausgesetzt sieht: Raketen aus Nordkorea, die japanisches Staatsgebiet überfliegen, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine – nach wie vor hält Moskau mit den südlichen Kurilen vier Inseln besetzt, die die Sowjetunion Ende des Zweiten Weltkriegs von Japan erbeutete.

Kommentare